Plattdeutsch reden in Lengerich fast nur noch Ältere
Eine Sprache geht verloren

Lengerich -

iele haben ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Es macht offensichtlich Spaß zuzuhören, wenn jemand auf Plattdeutsch erzählt. Ein Mal im Monat donnerstags wird das im Heimathaus gemacht. Gestern waren rund 35 Personen beim „Plattdeutschen Sprechabend“ des Heimatvereins Lengerich dabei.

Freitag, 09.08.2013, 07:08 Uhr

Viele haben ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Es macht offensichtlich Spaß zuzuhören, wenn jemand auf Plattdeutsch erzählt. Ein Mal im Monat donnerstags wird das im Heimathaus gemacht. Gestern waren rund 35 Personen beim „Plattdeutschen Sprechabend “ des Heimatvereins Lengerich dabei. Fast ausschließlich Ältere saßen zusammen. Und da fangen die Probleme an, wenn es um die Zukunft des Plattdeutschen in Lengerich geht.

Eine kleine Umfrage in der WN-Lokalredaktion offenbart: Plattdeutsch verstehen, das funktioniert, Plattdeutsch sprechen, da hapert‘s bei den Zeitungsleuten – so geht es vielen Menschen der mittleren Generation. Bei den Jüngeren sieht es wohl noch schlechter aus. Droht also die Sprache verloren zu gehen, die vor fünf oder sechs Jahrzehnten wie selbstverständlich zum Alltag im Tecklenburger Land gehörte?

Eine endgültige Antwort auf diese Frage können Gerda Zirbes und Gerda Schmedt, Hans-Dieter Welp und Reinhard Wiethölter nicht geben. Doch die Mitglieder des Heimatvereins sind auf jeden Fall in der Lage, die Situation realistisch einzuschätzen. Sie gehören zum „Plattdeutschen Sprechabend“ und sie sind an drei Grundschulen und am Hannah-Arendt-Gymnasium (HAG) aktiv, um Kinder und Jugendliche für die plattdeutsche Sprache zu gewinnen.

„2000 bis 3000 Lengericher sprechen bestimmt noch Platt“, schätzen sie. Meist seien es Menschen jenseits der 50 oder 60, viele lebten in den Bauerschaften. Soll das auch in 30 oder 40 Jahren noch der Fall sein, muss etwas geschehen. Da sind sich die Plattdeutsch-Liebhaber einig. Eines habe sich immerhin schon zum Positiven verändert: das Image.

„Einige Jahrzehnte lang galt Platt als Zeugnis von mangender Bildung, Eltern sprachen mit ihren Kindern nur noch Hochdeutsch“, sagte vor einiger Zeit Prof. Dr. Helmut Spiekermann vom Germanistischen Institut der Uni Münster gegenüber den WN. Mittlerweile sei vielen bewusst, welchen Charme und welchen Witz die Sprache hat, berichtet nun das Heimatverein-Quartett. Andere beim „Plattdeutschen Sprechabend“ verweisen noch auf die plattdeutschen Theaterstücke, die immer wieder aufgeführt werden und Publikumsmagneten sind. „Platt schafft Heimat“, bringt es Gerda Zirbes auf den Punkt.

Ein Satz, den auch Kathrin Kuhlmann zitiert. Sie ist Schülerin am Graf-Adolf-Gymnasium in Tecklenburg und hat im Leistungskursus Deutsch die Facharbeit „Chronik des Plattdeutschen für den Ort Lengerich“ geschrieben. Detailreich analysiert sie die Situation und kommt zu dem Fazit, dass es „allein vom Interesse der jüngeren Generationen abhängt“, ob das Plattdeutsche ein Zukunft hat.

Reinhard Wiethölter glaubt an diese Zukunft, „sonst würde ich mich nicht so engagieren“. Kinder schon in möglichst jungen Jahren erreichen, wenn sie die Sprache leicht erlernen können, das wäre ein Baustein auf dem möglichen Erfolgsweg. Ein zweiter: Kurse für Erwachsene. „Das Interesse ist definitiv da“, ergänzen Gerda Schmedt und Hans-Dieter Welp und verweisen auf den starken Zulauf beim „Plattdeutschen Sprechabend“.

Der wichtigste Schritt dürfte der zurück in die Alltagswelt sein. Kathrin Kuhlmann benutzt den Begriff der „Museumssprache“. Und Gerda Zirbes sagt, dass es schwer sei, das Plattdeutsche Schülern nachhaltig näherzubringen, wenn daheim die Großmutter fehle, mit der das Kind nach dem Unterricht sprechen könne.

Zum Thema

Gesucht werden ehrenamtliche Helfer, die Plattdeutsch sprechen und Interesse daran haben, bei den Aktivitäten in den Schulen mitzuwirken.

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