Gymnasium richtet Gedenkraum ein
Die Trauer in Worte fassen

Lengerich -

Hier fröhliche Gesichter der 150 Neuen – dort nachdenklich-traurige Mienen älterer Schüler. Diesen Spagat muss das Hannah-Arendt-Gymnasium (HAG) nach dem tödlichen Wildwasserunfall in West Verginia (USA) hinkriegen.

Mittwoch, 04.09.2013, 08:09 Uhr

Der bei einer Wildwassertour im US-amerikanischen West Virginia tödlich verunglückte 16-Jährige ist nach einer bewegenden Trauerfeier in der katholischen Pfarrkirche St. Margareta auf dem benachbarten Friedhof beigesetzt worden.

Bei den Mitschülern sitzen Betrübnis und Mitgefühl für ihren verunglückten Kameraden tief. Dem trägt die Schule Rechnung. „Wir richten einen Gedenkraum ein“, erklärt Schulleiterin Angelika Heitmann .

Dafür dient der Besprechungsraum 117 im ersten Stockwerk. Die Schränke sind mit blauen Stoffen abgehängt. Auf einem runden Tisch stehen vier kleine Kerzen in roten Bechern. Auf weißen, blauen, gelben und grünen DIN A 5-Blätter können Schüler ihre Gedanken und ihre Gefühlslage in Worte fassen. In einer dunkelgrünen Vase stecken gelbe Sonnenblumen und weiße Gladiolen. Auf dem Pult liegt neben zwei Kerzen das Kondolenzbuch aus. Den ersten Eintrag hat Angelika Heitmann mit einem Trauerspruch gemacht: „Es weht der Wind ein Blatt vom Baum, von vielen Blättern eines, dies eine Blatt, man merkt es kaum, denn eines ist ja keines. Doch dieses eine Blatt allein war ein Teil von unserem Leben, drum wird dies eine Blatt allein uns immer wieder fehlen. Der Baum Hannah-Arendt-Gymnasium wird dich, Luca, vermissen.“

An der Wand erinnert das ein Bild an den fröhlichen Luca Kötterheinrich. Bei dem Unglück streicht der amerikanische Bootsführer in einem Brief an die hinterbliebenen Eltern den Einsatz des Lengerichers heraus, der selbstlos ins tosende Wasser gesprungen sei, um einen untergegangenen Mitschüler zu retten.

In Hintergrund stehen heute im HAG Schulpsychologen und Notfallseelsorger bereit. Sie begleiten – bei Bedarf – die Schüler in den Gedenkraum und haben Zeit für Gespräche.

Auf dem Hof soll in Erinnerung an Luca ein Apfelbaum gepflanzt werden. Heitmann: „Wir wollen ihn nicht vergessen.“ Am Donnerstag beginnt um 11 Uhr ein schlichte Gedenkfeier für die Oberstufe – gestaltet von den Q 2-Schülern und der Schülervertretung. Heitmann: „Jeder darf hingehen. Oder zum Friedhof.“

Dort ist die Urne beigesetzt worden. Blumen, Gestecke, Fotos und Trauerschleifen bedecken das kleine rasengesäumte Grab. Immer wieder kommen Schüler und deren Eltern, verharren still, falten die Hände, sprechen ein Gebet, wischen sich Tränen aus den Augenwinkeln und gehen schweigsam zur grünen Friedhofspforte zurück.

Wenn die neuen Schüler kommen, dann ist für die HAG-Schulleiterin aber auch eins wichtig: „Für sie soll es ein fröhlicher Tag werden.“ Beginn ist mit einem Schulgottesdienst in St. Margareta. In der Schule folgen Begrüßung und ein Theaterstück.

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