Harald Egbert will alte Obstsorten erhalten
Der Apfelbaum-Mann

Lengerich -

Boskop, Jonagored, Holsteiner Cox, Granny Smith und dann hört es bei den meisten wohl langsam auf, was das Kennen von Apfelsorten angeht. Nicht so Harald Egbert. Der Lengericher hat es sich zur Aufgabe gemacht, möglichst viele alte Sorten zu erhalten.

Dienstag, 01.10.2013, 05:10 Uhr

Harald Egberts persönliche Nummer 1 hat einen fast poetischen Namen. „Dülmener Rose“ heißt der Lieblingsapfel des Lengerichers. Wenn er ein solches Urteil fällt, kann das durchaus als fundiert gelten. In den vergangenen Jahren ist der 43-Jährige zu einem Experten auf diesem Gebiet geworden. Und er hat ein Ziel: den Erhalt alter Sorten.

120 Obstbäume stehen derzeit auf seinen Wiesen, erzählt Harald Egbert . Birnen und Pflaumen sind darunter, überwiegend aber Äpfel. Weitere 140 will er pflanzen, ebenfalls wieder zum Großteil Apfelbäume. Je zwei sollen es von einer Sorte sein. Alles in allem hätte er dann 90 verschiedene.

Der Betreiber des Bergcafés ist Mitglied im Pomologen Verein und Teil des bundesweiten „Erhalternetzwerkes Obstsortenvielfalt“. In dem können sich Menschen engagieren, die mindestens 30 Obstbäume verschiedener Sorten haben. „Ziel ist es, eine langfristige und dezentrale Erhaltung der aktuell verfügbaren alten Obstsorten in Deutschland zu sichern“, schreibt der Pomologen Verein über den Sinn des Netzwerkes. Gelingen soll das, indem langfristig jede Sorte mit vier Bäumen an zwei Standorten vertreten ist – so wie Harald Egbert es vormacht.

Für ihn ist nun wohl das größte Problem, an Sorten heranzukommen, die er noch nicht hat. Er hofft auf die Hilfe von Menschen, die sein Projekt unterstützen möchten und ihm ihre Äpfel bringen – und bei Bedarf das Reis (Zweig zum Vermehren). Stimmen dann noch drei Pomologen überein, dass es sich um diese oder jene Sorte handelt, hat der Lengericher einen weiteren Schritt Richtung Artenvielfalt getan. Am liebsten wären ihm für die Region typische Sorten wie jene Osnabrücker Renette, die er sich vor Kurzem aus der Schweiz hat schicken lassen.

Er habe zu Anfang viel Kritik einstecken müssen, sagt Harald Egbert über sein Apfelbaum-Projekt. „Die Leute fanden nicht gut, dass ich die Wiesen zupflanze.“ Doch inzwischen habe sich die Skepsis in Zuspruch gewandelt. Offenbar wächst ein Gespür dafür, dass er sich einer sinnvollen Sache verschrieben hat. Platz für weitere Bäume gibt es genügend, pflanzen will Harald Egbert unter anderem auf Flächen am Hermannsweg, die ihm gehören. Ist das geschehen, braucht es einen langen, manchmal sogar sehr langen Atem. „Der Edelborsdorfer trägt zum Beispiel erst nach rund 30 Jahren“, erzählt der Experte über die laut Wikipedia älteste überhaupt noch existierende Kulturapfelsorte Deutschlands.

Dass es Edelborsdorfer und viele, viele andere Sorten so schwer haben, erklärt Harald Egbert unter anderem mit der Agrarpolitik der Europäischen Union. Die begünstige einen nur noch auf wenige verschiedene Äpfel wie Jona Gold oder Golden Delicious reduzierten Handel. Für einen Apfel-Fan wie ihn ein Unding.

Und dann kommt die Frage, die kommen muss: Wie viele Äpfel er denn so esse? Da könne er nur spekulieren, sagt Harald Egbert. „Aber sicher mehr als einen pro Tag.“ Ganz genau beantworten kann er hingegen, warum gerade die „Dülmener Rose“ sein Lieblingsapfel ist. Die schmecke zum einen einfach toll, „fein säuerlich und fruchtig“. Zum anderen und vor allem seien es aber Kindheitserinnerungen, die er gerade mit diesem Apfel verbinde.

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