„Tote Leichen sterben nicht“: Gelungene Premiere des HAG-Literaturkurses
Mitdenken ist zwecklos

Lengerich -

„Dieses Stück stand schon seit Jahren auf meiner Wunschliste“, gibt Günter Mond am Schluss von „Murder she cried – Tote Leichen sterben nicht“ zu. Der Lehrer des Hannah-Arendt-Gymnasiums ist sichtlich begeistert über die Leistung „seiner“ Darsteller, des Literaturkurses der Jahrgangsstufe Q1. Und diese über ihren Regisseur, der nach der furiosen Premiere vom Ensemble einen symbolischen „Oscar“ überreicht bekommt.

Donnerstag, 22.05.2014, 21:05 Uhr

Die Handlung des Stücks erscheint auf den ersten Blick simpel: der exzentrische Millionär Lionel Twain (sehr schräg: Mikail Akcocuk) lädt eine Gruppe Detektive auf sein Schloss ein. Nicht irgendwelche, sondern die besten ihrer Zunft. Der abgehalfterte Amerikaner Sam Diamond (betont cool: Jan Blömker) und sein eleganter Landsmann Dick Charleston (Jan Kotzan), der belgische Gourmet Milo Perrier (Mesud Marangoz), der Chinese Sidney Wang (als urkomischer Menschenschinder: Max Tiemeyer) und die vertraut behäbige Miss Marple (Katharina Kröner) mitsamt ihrer Assistenten sind jedoch schon kurz nach ihrer Ankunft bedient. Der blinde Butler (gruselig und komisch zugleich: Marvin Paul) und die schaurigen „technischen Spielereien“ des Hausherrn sorgen für eine Atmosphäre wie bei Edgar Wallace.

Die Darsteller verschmelzen mit ihren Rollen, Spielfreude merkt man jedem Einzelnen an. Akzente ebenso wie skurrile Angewohnheiten der fünf Spürnasen werden von ihnen grandios ausgespielt und durch die Zuschauer ein ums andere Mal mit Szenenapplaus und Lachern honoriert.

Im zweiten Akt nimmt die Handlung gehörig Fahrt auf: „Eine Million steuerfrei – das setze ich gegen Ihren Ruf als Profis“. Das Angebot Lionel Twains klingt verlockend. Allerdings hat die Sache einen Haken: Der Mord, den es dafür aufzuklären gilt, wurde noch gar nicht begangen.

Lange auf sich warten lässt er nicht, der Butler hängt tot über einem Tisch. Als den Kriminalisten allerdings auch Twain selbst mit einem Messer im Rücken vor die Füße fällt, ist das Chaos perfekt. Spätestens an dieser Stelle wird klar: mit klassischer Recherche kommt hier niemand weiter.

Der Zuschauer, der gerade eben noch munter mit den Protagonisten miträtselte, fühlt sich plötzlich vor den Kopf gestoßen in seinem unbedingten Bedürfnis nach Logik. Bis ihm aufgeht, dass es doch im sonntäglichen „Tatort“ oder bei Henning Mankell – wenn auch weniger offensichtlich – ganz ähnlich zugeht. Wie oft wird am Ende ein Täter überführt, der zuvor mit keiner Silbe erwähnt wurde?

Genau darin besteht die Qualität von „Murder she cried“: zunächst albern, hintergründig aber bitterböse, nimmt es den aktuellen Krimiwahn in Literatur und Fernsehen aufs Korn. Und karikiert neben den wahnwitzigen Einfällen der Autoren auch den Zuschauer, der innerlich die gesamte Zeit nach einer plausiblen Erklärung sucht.

Ebenso wie Miss Marple und Co. auf der Bühne: auch sie verstricken sich fieberhaft in krude Theorien und beschuldigen einander mit den wildesten Begründungen, nur um nicht mit leeren Händen dazustehen. Am Ende gibt es tatsächlich einen Gewinner. Der aber heißt Lionel Twain, ist unerklärlicherweise von den Toten wiederauferstanden und führt seinen Gästen genüsslich ihr Scheitern vor Augen.

Die Krimikomödie lebt vor allem von ihren bis in die kleinsten Nebenrollen perfekt gewählten Darsteller, die ein Gag-Feuerwerk abbrennen. Figuren wie die Ermittler des „ CSI Lengerich “ oder der bekannte Fernseh-Detektiv Adrian Monk, die von den Schülerinnen und Schülern zu ihrer „Neufassung“ des Broadway-Klassikers hinzugefügt wurden, würde man gerne länger zuschauen.

Am Mittwoch, 28. Mai, und am Donnerstag, 29. Mai, (jeweils um 19 Uhr) besteht noch einmal Gelegenheit, die Detektive bei ihrer Suche nach der Wahrheit in der Studiobühne zu beobachten. Karten gibt es an der Abendkasse.

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