„Die Mausefalle“ feiert Premiere
Mordsmäßiger Spaß

Lengerich -

Agatha Christie steht für beste Krimi-Unterhaltung. Das zeigte sich am Sonntagabend auch bei der Premiere des Klassikers „Die Mausefalle“. Seinen Teil zum Erfolg trug aber auch das Ensemble der Ehemaligen der HAG-Theatergruppe bei.

Dienstag, 16.09.2014, 06:09 Uhr

Eine überzeugende Vorstellung lieferten Oliver Determann und Elvira Schuchart bei der Premiere ebenso ab wie der Rest des Ensembles.
Eine überzeugende Vorstellung lieferten Oliver Determann und Elvira Schuchart bei der Premiere ebenso ab wie der Rest des Ensembles. Foto: Detlef Dowidat

Ein Stück mit über 25 000 Aufführungen in einem einzigen Theater, ein Weltrekord. Agatha Christies Kriminalstück „Die Mausefalle “ bietet zumindest auf den ersten Blick beste Voraussetzungen, einen Erfolg beim Publikum zu landen. Oder verurteilt der Ruhm des Originals jede neue Interpretation von vornherein zum Scheitern?

Mitnichten, stellten die Ehemaligen der HAG-Theatergruppe am Sonntagabend in der ausverkauften Studiobühne unter Beweis. Der Klassiker gab den Akteuren zahlreiche Möglichkeiten, ihre Charaktere wirksam in Szene zu setzen und wurde am Schluss mit reichlich wohlverdientem Applaus bedacht.

Der Kinderchor der Klasse 5c intoniert zu Beginn „Three blind mice“, das Kinderlied zieht sich als Leitmotiv durch das gesamte Stück und sorgt ein ums andere Mal für schockierte Mienen bei den Darstellern.

Noch ahnen Mollie und Giles Ralston ( Elvira Schuchart und Maximilian Klimek) von den schrecklichen Ereignissen nichts, die da kommen sollen. Das Ehepaar hat aus dem „Monkswell Manor“ gerade eine Pension gemacht und erwartet erste Gäste. Die schneien der Reihe nach herein und währenddessen das alte Herrenhaus immer mehr zu. Der extrovertierte Architekturstudent Christopher Wren (Toni Seyfert, der die Figur sehr zum Gefallen des Publikums gnadenlos flippig überzeichnet), der mit der dauerfrotzelnden und überempfindlichen Mrs. Boyle (als säuerliche alte Jungfer: Ute Hilder) im Clinch liegt, ist ebenso auf der Suche nach etwas ländlicher Ruhe wie die kühle Miss Casewell (Alexandra Schimmel). Und dann ist da noch der pensionierte Major Metcalf, eine Rolle, die wie maßgeschneidert ist für Regisseur Karlheinz Arndt.

Nicht nur eine Prise, sondern gleich einen ganzen Eimer Humor bekommt das Publikum schon in der ersten Hälfte ab – immer den guten Geschmack treffend und nie zum Selbstzweck. Agatha Christies Melange aus tragischer Handlung und fein eingestreutem Witz wird vom Ensemble großartig getragen.

Die beiläufige Meldung über einen Mord kümmert zunächst kaum jemanden, zu fern ist der Tatort London . Mitten in der Nacht platzt jedoch plötzlich der schrullige Mr. Paravicini (Oliver Determann) herein, der mit seiner Geschichte vom liegengebliebenen Auto einiges Misstrauen erntet. Dieses greift am nächsten Tag vollends um sich, als Sergeant Trotter (Arno Syska) sich einquartiert und den erstaunten und inzwischen völlig von der Außenwelt abgeschnittenen Sieben eröffnet, dass beim Mordopfer eine Notiz gefunden wurde. Monkswell Manor ist darauf erwähnt – und drei kleine Mäuschen, von denen erst eines durchgestrichen ist. Nummer zwei lässt nicht lang auf sich warten, schon ist Mrs. Boyle dem Würger zum Opfer gefallen und liegt tot auf dem Sofa.

Klar ist nun: Der Mörder verbirgt sich in der illustren Gesellschaft. Ein Verwirrspiel nimmt seinen Lauf, bei dem am Ende kaum noch jemand der ist, der zu sein er vorgegeben hat.

Elvira Schuchart versteht es blendend, den Gefühlsregungen ihrer Figur bis in die unmerklichsten Gesichtszüge hinein Ausdruck zu verleihen. Sie ist ebenso Glanzlicht wie Oliver Determann, der seinen spitzbübischen Spaß daran hat, allen anderen mit allerlei unpassenden Bemerkungen und Taktlosigkeiten den Nerv zu rauben.

Besonders schön zu sehen ist, wie die noch jungen Mimen in die „alte Garde“ des Thik hineinwachsen. Unterschiede bestehen tatsächlich nur im Alter – schauspielerisch sind die Jungen den „Profis“ mittlerweile vollkommen ebenbürtig

Die Kostüme sind von den Breeches des Majors bis hin zu Wrens schreiender Krawatte perfekt, die Maske und die Ausstattung ebenso. Stilecht leben die britischen 50er zwischen Kokskohle und Kniebundhose in der Studiobühne wieder auf – nochmals am Samstag, 20. September, ab 20 Uhr und am Sonntag, 21. September, ab 18 Uhr.

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