Helios-Mitarbeiter diskutieren mit Karl-Josef Laumann
Die Pflege ist pflegebedürftig

Lengerich -

Nach knapp 90 Minuten sind sich die Pflegekräfte und der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten und Bevollmächtigter für Pflege in einem Punkt einig: Die Pflege bedarf eines höheren Stellenwertes.

Sonntag, 26.10.2014, 08:10 Uhr

Sorgen, Nöte und Wünsche haben Krankenhaus-Pflegekräfte gestern gegenüber Karl-Josef Laumann (links) geäußert bei einem Gespräch in der Helios-Klinik. Eingeladen hatte Ute Miensopust (3. von links), Vorsitzende der Mitarbeitervertretung der Klinik.
Sorgen, Nöte und Wünsche haben Krankenhaus-Pflegekräfte gestern gegenüber Karl-Josef Laumann (links) geäußert bei einem Gespräch in der Helios-Klinik. Eingeladen hatte Ute Miensopust (3. von links), Vorsitzende der Mitarbeitervertretung der Klinik. Foto: Michael Baar

Und der, das sagt Karl-Josef Laumann als Bevollmächtigter, lasse sich nicht nur in Cent und Euro bemessen. Kein Widerspruch aus den Reihen der Krankenhaus-Pflegekräfte, die der Einladung der Mitarbeitervertretung der Helios-Klinik Lengerich gefolgt sind. Es ist das schlechte Gefühl des Pflegenden, der seinem Patienten nicht so viel Zeit widmen kann, wie er möchte. Doch Karl-Josef Laumann warnt vor Gefühlsduselei: „Beziehungspflege im Krankenhaus ist heute kaum noch möglich, weil die Leute weg sind, bevor man sie richtig kennenlernt.“

Gravierender aus Sicht des Beauftragten: Der Pflegebereich sei schlecht organisiert. Beim Handwerk (mit den Kammern) oder Ärzten („Der Marburger Bund ist die erfolgreichste Gewerkschaft“) sehe das anders und besser aus. Die Politik, davor warnte der 57-Jährige nachdrücklich, könne da keine Abhilfe schaffen: „Wenn nur zehn Prozent der Pflegekräfte in der Gewerkschaft sind muss die sich doch fragen lassen, ob sie gute Arbeit leistet.“

Ein Pfleger bekennt, er fühle sich „als Dino, als aussterbende Rasse“ und vermisse bundeseinheitliche Ausbildungs-Regeln für den Beruf. Ein anderes Problem spricht eine Kollegin an: „Wenn Schulpraktikanten drei Wochen nur erleben, wie das Pflegepersonal am Rande des Möglichen rackert, braucht man sich nicht wundern, wenn die was anderes lernen wollen.“

Ob in Deutschland wirklich 60 000 Pflegekräfte in Krankenhäusern fehlen, wie die Gewerkschaft Verdi ermittelt hat, ist an diesem Freitagnachmittag allenfalls eine Randbemerkung wert. „Es fehlt an Personal“, stellt Ute Miensopust fest. Die Vorsitzende der Mitarbeitervertretung der Helios-Klinik hat zu dem Gespräch eingeladen. Steigende Fallzahlen, ältere Patienten, die mehr Pflegebedarf haben – „Die Anforderungen sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen“.

Ob die von der Gewerkschaft geforderte gesetzliche Personalbemessung für Krankenhäuser die Lösung ist? Nach intensiven 90 Minuten Gespräch ist eines klar geworden: Gesundheitspolitik ist nicht mit Planwirtschaft zu regeln. „Das geht schief“, sagt Karl-Josef Laumann und erntet keinen Widerspruch.

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