Zugverkehr Münster-Osnabrück ab 2017: Westfalenbahn legt Widerspruch ein
Schwebendes Verfahren

Lengerich/Münster -

Eigentlich klang es schon wie beschlossen und verkündet: „Die Eurobahn wird ab Dezember 2017 Betreiber des Teutoburger Wald-Netzes“, hieß es Anfang November vonseiten des Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL). „Moment!“, sagt jetzt aber die Westfalenbahn, die seit 2007 die drei Zuglinien RB 61 „Wiehengebirgsbahn“ (Bielefeld-Bad Bentheim -Hengelo), RB 66 „Teutobahn (Münster-Osnabrück) und RB 65 „Ems-Bahn“ (Münster -Rheine) bedient.

Samstag, 17.01.2015, 14:01 Uhr

Die Westfalenbahn hat sich seit 2007 als privater Bahnanbieter etabliert. Den Wettbewerb um den Weiterbetrieb des Teutoburger-Wald-Netzes ab Dezember 2017 hat das Bielefelder Unternehmen aber an den Konkurrenten Eurobahn verloren. Hiergegen geht die Westfalenbahn juristisch vor.
Die Westfalenbahn hat sich seit 2007 als privater Bahnanbieter etabliert. Den Wettbewerb um den Weiterbetrieb des Teutoburger-Wald-Netzes ab Dezember 2017 hat das Bielefelder Unternehmen aber an den Konkurrenten Eurobahn verloren. Hiergegen geht die Westfalenbahn juristisch vor. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Der Verkehr auf der Linie RE 78 „Porta-Express“ (Bielefeld- Minden-Nienburg) wird derzeit noch von der DB Regio übernommen. Denn zum Zeitpunkt der Pressemitteilung war die zehntägige Widerspruchsfrist noch nicht abgelaufen und das Vergabeverfahren noch nicht rechtskräftig. „Und wir haben Widerspruch eingelegt“, bestätigte Rainer Blüm , Geschäftsführer der Westfalenbahn GmbH mit Sitz in Bielefeld .

Auch Uli Beele, Pressesprecher des NWL, der den europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb um die Linien des Teutoburger-Wald-Netzes mit seinen jährlich rund 5,3 Millionen Zugkilometern durchgeführt hat, gab auf Anfrage der MV zu: „Das Verfahren schwebt noch.“ Die endgültige Entscheidung, ob das offensichtlich lukrative Nahverkehrsnetz zwischen der niederländischen Grenze und Ostwestfalen Ende 2017 tatsächlich an die Eurobahn fällt, liegt jetzt bei der Vergabekammer in Arnsberg.

Zusätzlich kompliziert wird die Lage durch den derzeit laufenden Fusionsprozess, bei dem die drei derzeit noch existierenden Kammern in Detmold, Münster und Arnsberg zu einer Kammer mit Sitz in Münster zusammengefasst werden. „Wann eine Entscheidung in unserem Widerspruchsverfahren fällt, lässt sich kaum abschätzen“, meinte Westfalenbahn-Geschäftsführer Rainer Blüm.

Für sein Unternehmen, das im Jahr 2005 von vier Verkehrsbetrieben aus Ostwestfalen und dem Ruhrgebiet gegründet worden war und im gleichen Jahr die Ausschreibung für den zehnjährigen Betrieb auf den Linien des Teutoburger-Wald-Netzes gewonnen hatte, kam die Verkündung des Ausschreibungsergebnisses im November einem „schwarzen Tag“ gleich.

„Offensichtlich hat bei der Ausschreibung nur der Preis eine Rolle gespielt“, bedauerte Blüm. Die guten Leistungen der Westfalenbahn seien nicht bewertet worden, als es darum ging, wer in den 15 Jahren ab Dezember 2017 auf den Linien des Teutoburger Wald-Netzes fährt.

Mit der „Eurobahn“ hatte die Westfalenbahn einen starken Konkurrenten, denn hinter der Betreibergesellschaft „Keolis“ steht mit einer Beteiligung von 70 Prozent die französische Staatsbahn SNCF. Die Keolis-Gruppe mit Sitz in Paris beschäftigt europaweit mehr als 50 000 Mitarbeiter in acht Ländern. In Frankreich ist das Unternehmen der größte Anbieter im öffentlichen Personennahverkehr.

In Deutschland hat das Eisenbahnverkehrsunternehmen mit Linien in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen Fuß gefasst und betreibt einen Expansionskurs. In der Existenz bedroht ist die Westfalenbahn durch den Wegfall des Teutoburger-Wald-Netzes nicht. „Wir haben ja zwei zusätzliche Strecken bei Ausschreibungen gewonnen“, erläutert Geschäftsführer Blüm. Im Dezember nehmen die Bielefelder den Betrieb auf den Linien RE 15 (Münster-Emden), RE 60 (Rheine-Braunschweig) und RE 70 (Bielefeld-Braunschweig) auf. „Unsere Triebwagen werden auch weiterhin in Rheine gewartet“, sieht Blüm auch den Weiterbetrieb der Westfalenbahn-Werkstatt am Rheiner Bahnhof nicht gefährdet.

Von Dezember 2015 bis Ende 2017 wird die Westfalenbahn somit Volllast fahren, denn bis dahin wird ja auch weiterhin im Teutoburger-Wald-Netz gefahren. „Es wäre natürlich für unser Unternehmen toll gewesen, wenn wir auch noch in den 15 Jahren danach beide Verträge hätten erfüllen können“, meint Blüm und blickt der Entscheidung der Vergabekammer gespannt entgegen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3005085?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F175%2F4849552%2F4849564%2F
Nachrichten-Ticker