Bürgerinitiative gegen Dyckerhoff
Streit ums Wasser führt zur Klage

Lengerich -

Die Bürgerinitiative Pro Teuto hat über die Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) Klage gegen den Kreis Steinfurt und die Bezirksregierung beim Verwaltungsgericht eingereicht. Streitpunkt sind Wasserdaten der Firma Dyckerhoff.

Donnerstag, 18.06.2015, 08:06 Uhr

Diese schematische Darstellung von Hydrogeologin Steffi Fischer zeigt den Einfluss auf den Grundwasserleiter.
Diese schematische Darstellung von Hydrogeologin Steffi Fischer zeigt den Einfluss auf den Grundwasserleiter. Foto: Dyckerhoff

Am Wasser scheiden sich die Geister. Die Bürgerinitiative Pro Teuto sieht das Grundwasser durch die Aktivitäten der Firma Dyckerhoff stark gefährdet und verweist auf Berichte von Anwohnern, die über eine steigende Zahl „sinkender Wasserstände an den eigenen Quellen, Brunnen und Bachläufen“ klagen. Weniger Niederschläge, dieses Argument des Unternehmens will die BI nicht gelten lassen. Ihr Vorwurf: Die Grundwasserverhältnisse im Teutoburger Wald wären „Betriebsgeheimnisse der Kalk- und Zementindustrie“. Und weil das Unternehmen nach Auffassung von Pro Teuto „wichtige Umweltinformationen“ nicht herausgebe, hat die Bürgerinitiative jetzt Klage vor dem Verwaltungsgericht eingereicht.

Das heißt, Klage eingereicht hat die Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU). „Das ist ein Sammelverband für kleinere Bürgerinitiativen, wir sind auch dabei“, erläutert Wolf Krasting , Vorstandsmitglied bei Pro Teuto. Angenommen worden sei die Klage vom Verwaltungsgericht Münster. Wann verhandelt werde, sei offen, erzählt er im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten.

Das Grundwasser beziehungsweise dessen Kontrolle ist der BI ein Dorn im Auge. „An Quellen und Hausbrunnen wird laufend gemessen“, bestätigt das BI-Mitglied. Zudem gebe es – seit Erteilen der Abgrabungsgenehmigung im Jahr 1999 – entsprechende Beweissicherungsberichte. Was Pro Teuto stört, ist zum einen der Rhythmus der Messungen. Dass teils nur jährlich gemessen werde, „ist zu wenig“. Alle 14 Tage oder monatlich würden die Firmen Dyckerhoff und Calcis (Lienen) messen. „Die Ergebnisse gehen nur alle fünf Jahre an die Genehmigungsbehörde“, sagt Wolf Krasting.

Weiterer Vorwurf an den Zementproduzenten: Die Fließrichtung des Grundwassers habe sich am Hohner Berg verändert. Dass die BI Sachverständige eingeschaltet hat, habe nicht wirklich geholfen. „Denen fehlen Bohrprofile und die Lage der Bohrstellen ist in einigen Fällen fraglich“, gibt er seine Sicht der Dinge wieder.

Das der Grundwasserspiegel sinkt, hat nach Ansicht der BI einen ganz einfachen Grund: „Dyckerhoff darf seit dem Jahr 2012 jährlich 175 000 Kubikmeter Wasser abpumpen. Diese Menge fehlt im Grundwasser“, ist Wolf Krasting überzeugt und spricht von entsprechenden Auswirkungen „von Höste bis Lienen. Es geht nicht um einige Hausbrunnen, sondern um eine flächendeckende Grundwasserabsenkung“.

„Die wasserrechtliche Erlaubnis ist am 18. Oktober 2012 erteilt worden“, bestätigt Thomas Drewitz. Die war bis zum 30. Juni 2014 befristet, ist aber bis zum 31. Dezember 2015 verlängert worden, erläutert der Mitarbeiter der Pressestelle bei der Bezirksregierung. Die ursprünglich genehmigten Wassermengen seien aber nicht mehr aktuell. Mit einem zweiten Änderungsbescheid ist die Jahresmenge im April auf 52 000 Kubikmeter reduziert worden. „Auf Antrag des Unternehmens“, bestätigt er auf Nachfrage der WN.

Den Grund nennt Steffi Fischer: „Es fällt nicht so viel Wasser an, wie ursprünglich vermutet worden ist.“ Beantragt worden sei die wasserrechtliche Genehmigung, um die Klinkersilos auf dem Werkgelände trocken zu halten. Die stehen zwar in einer sogenannten Wanne, doch in die drang Wasser ein.

Wo das Wasser bleibt, „bekommt jeder Besucher auf Nachfrage erklärt“, sagt die Diplom-Hydrogeologin im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten. Das Wasser aus der Wanne unter den Klinkersilos werde zu den Klärungsteichen auf dem Werkgelände gepumpt. Deren Wasser wird in der Kühlung der Drehofenlinie 8 eingesetzt, anschließend wieder in den Kreislauf eingegeben.

Vom Werksgelände gepumpt werde Wasser eigentlich nur, wenn entsprechende Übermengen anfallen, beispielsweise bei Starkregen. „Das geht dann in den Aabach, natürlich mit Genehmigung“, stellt sie fest.

Eine Absenkung des Grundwasser durch das Abpumpen des Wassers aus dem Bereich unter den Klinkersilos schließt sie aus. Steffi Fischer verweist auf eine entsprechende Kontrolle an den Brunnen beziehungsweise Bohrlöchern auf dem Werksgelände: Schon 50 Meter entfernt sei eine Effekt nicht mehr sicher nachzuweisen. „Außerhalb des Werkes dann mit Sicherheit nicht“, fügt sie hinzu.

Nach Auffassung der Hydrogeologin sind die in den vergangenen Jahren stark rückläufigen Niederschlagsmengen der Grund für das Absinken des Grundwassers. In den vergangenen fünf Jahren habe sich diese Menge in etwa halbiert, verweist sie auf entsprechende Ergebnisse des Landesumweltministeriums, ermittelt an der offiziellen Messstelle an der Lengericher Kläranlage.

Dass von Seiten Dyckerhoffs nicht alle von der BI verlangten Unterlagen herausgegeben wurden, bestätigt sie. „Anhand der Bohrprofile könnten Mitbewerber daraus schließen, über welche Menge an Kalkstein wir in Lengerich verfügen und dementsprechend noch produzieren können.

Datenschutzgründe seien ursächlich für geschwärzte Stellen in einem anderen Bericht, den die BI erhalten habe. „Dort ging es um Daten von Privatpersonen“, nennt sie den Grund.

Vor dem Verwaltungsgericht werden sich Pro Teuto und Dyckerhoff nicht treffen. „Die Klage richtet sich gegen den Kreis beziehungsweise die Bezirksregierung als Genehmigungsbehörden“, verdeutlich Wolf Krasting. Allerdings, das räumt er ein, müsse die LNU die Klage noch begründen.

Nicht nur deshalb ruft die Arbeitsgruppe Wasser in der BI zur verstärkten Beobachtung von Quellen und Hausbrunnen auf. Vertraulich werden Informationen dienstags von 15 bis 18 Uhr ( ✆ 01 76/54 31 21 72) entgegengenommen. Ein entsprechender Fragebogen findet sich auf der Internetseite der BI (www.pro-teuto.de).

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