Dyckerhoff setzt komplett auf Sekundärbrennstoffe
Braunkohlestaub hat ausgedient

Lengerich -

Dyckerhoff will in seinem Lengericher Werk noch stärker als bisher auf sogenannte Sekundärbrennstoffe setzen. Bis zu 100 Prozent soll die Einsatzrate in den Öfen 4 und 8 betragen.

Dienstag, 14.07.2015, 07:07 Uhr

Mit ihren Händen greifen Werksleiter Franz-Josef Barton und seine Mitarbeiter Dr. Michael Rossmanith (links) und Steffi Fischer in eine Portion Fluff, so wie er für das Werk Lengerich speziell zusammengemischt wird. Im Vordergrund das im Internet einsehbare Scoping-Papier von Dyckerhoff.
Mit ihren Händen greifen Werksleiter Franz-Josef Barton und seine Mitarbeiter Dr. Michael Rossmanith (links) und Steffi Fischer in eine Portion Fluff, so wie er für das Werk Lengerich speziell zusammengemischt wird. Im Vordergrund das im Internet einsehbare Scoping-Papier von Dyckerhoff. Foto: Michael Baar

Sekundärbrennstoffe werden im Dyckerhoff-Werk Lengerich seit über zehn Jahren als Braunkohle-Ersatz genutzt. Für den Drehofen 8 ist eine Obergrenze von 75 Prozent Sekundärbrennstoff, bei der Ofenanlage 4 von 60 Prozent genehmigt. Jetzt will das Unternehmen die maximale Einsatzrate auf 100 Prozent erhöhen. Ein entsprechender Genehmigungsantrag soll im zweiten Halbjahr bei der Bezirksregierung Münster gestellt werden.

Es geht um die Wirtschaftlichkeit des Standortes Lengerich. „Braunkohle ist über 50 Prozent teurer als Sekundärbrennstoffe“, sagt Franz-Josef Barton . Hinzu kämen „sehr heftige Preissprünge“ bei dem fossilen Brennstoff. Und: „In weiten Teilen der Zementindustrie wird bereits komplett auf Sekundärbrennstoffe gesetzt.“

Am 3. September findet ein Scoping-Termin statt. Dann werden die von Dyckerhoff eingereichten Informationen zum Vorhaben und dem Umfang der Umweltverträglichkeitsuntersuchung mit den Trägern öffentlicher Belange diskutiert.

Der Werkleiter und seine Mitarbeiter wollen nicht nur auf Braunkohlenstaub als Brennstoff verzichten. „Wir wollen frühzeitig informieren“, sagt Franz-Josef Barton und beschreibt die Zielgruppe mit „Nachbarschaft und Ratsmitglieder“. Dazu gehört für ihn auch der öffentliche Zugang zu den Scoping-Unterlagen via Internet (www.dyckerhoff-lengerich.de, Unterpunkt Aktuelles).

Mit dem Geld, das durch den anvisierten Einsatz von Fluff (dieser Sekundärbrennstoff wird speziell für Dyckerhoff hauptsächlich aus Kunststoff-Abfällen gemischt) eingespart wird, will das Werk Lengerich einen Teil der geplanten Investitionen bezahlen. Da ist zum einen die Erweiterung der bestehenden Lagerhalle für Fluff um zwei zusätzliche Boxen mit jeweils 1000 Kubikmetern Lagervolumen.

Zum zweiten ist die Umrüstung der elektrostatischen Gasreinigungsanlage zu Tuchfilteranlagen an den Drehöfen 8 und 4 vorgesehen. Alles in allem geht es um eine Investition im fast zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. „Alles mit dem Konzern besprochen und abgesegnet“, versichert Franz-Josef Barton und sieht darin einen Vertrauensbeweis des Unternehmens für den Standort Lengerich.

Mit dem Wechsel der Filtertechnik will Dyckerhoff vorzeitig die erst ab dem 1. Januar 2019 durch die Bundesimmissionsschutz-Verordnung verminderten Grenzwerte für Stickoxide und Staub einhalten. Zudem soll der bislang genehmigte Quecksilber-Gehalt im Fluff reduziert werden und – ebenfalls vorweg – der Emissionsgrenzwert für Staub für alle entsprechenden Quellen im Zementwerk eingehalten werden. Emissionsquellen sind beispielsweise 228 Filter auf dem Werksgelände. „Statt bislang 20 sollen dann nur noch zehn Milligramm Staub je Kubikmeter Luft ausgestoßen werden“, verdeutlicht Dr. Michael Rossmanith. Das seien die im Entwurf der Technischen Anleitung (TA) Luft vorgesehenen Werte.

Vorgesehen ist zudem, den bislang genehmigten maximalen Quecksilber-Gehalt im Fluff (1,2 Milligramm/Kilogramm) auf den Braunkohle-Wert (0,9 mg/kg) zu senken. „Unsere Lieferanten kennen die Grenzwerte“, verweist der Pressesprecher auf entsprechende Passagen in den Lieferverträgen, „und die müssen sie einhalten.“ Sicherheit verschaffen entsprechende Eingangskontrollen im Werk.

Der Wechsel von Elektro- auf Tuchfilter vermeide Abschaltung auf Grund zu hoher Kohlenmonoxid-Werte im Abgas. „Das hängt nicht mit dem Brennstoff zusammen“, erläutert Michael Rossmanith. Aber bei Elektrofiltern bestehe bei zu hohen Werten Explosionsgefahr. Filter und Brennstoffzufuhr werden bislang abgeschaltet, bevor diese Werte erreicht sind.

Über die Pläne informiert worden sind bereits die Bürgermeister Friedrich Prigge (Lengerich) und Dr. Martin Hellwig (Lienen). Die Ratsmitglieder aus beiden Kommunen sind zu einem Info-Termin eingeladen. „Nach dem Scoping-Termin werden wir auch eine Veranstaltung für die Öffentlichkeit anbieten“, verspricht Franz-Josef Barton. Diese Wahl hat einen einfachen Grund: „Schon bei Scoping-Termin können sich Änderungen ergeben. Die würden wir dann schon berücksichtigen“, erläutert er.

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