Mikroschadstoffe im Visier: Kommunen sollen in Kläranlagen investieren
Land drängt auf Sauberkeit

Lengerich -

2,75 Euro pro Kubikmeter Abwasser zahlen die Lengericher im Moment. Diese Gebühr könnte in wenigen Jahren deutlich steigen. Das Land drängt auf eine vierte Reinigungsstufe für kommunale Kläranlagen. Wo der Gesetzgeber den Hebel ansetzt, um dieses Ansinnen durchzusetzen, steht für Frank Lammert fest: „Für Kläranlagen gibt es nur befristete Genehmigungen.“

Dienstag, 28.07.2015, 07:07 Uhr

In der Kläranlage am Poolweg werden die Abwässer aus Lengerich (und Lienen, Brochterbeck und dem südlichen Bereich Tecklenburgs) gereinigt. Das Land drängt die Kommunen zum Bau einer weiteren Reinigungsstufe, um Mikroschadstoffe zu eliminieren.
In der Kläranlage am Poolweg werden die Abwässer aus Lengerich (und Lienen, Brochterbeck und dem südlichen Bereich Tecklenburgs) gereinigt. Das Land drängt die Kommunen zum Bau einer weiteren Reinigungsstufe, um Mikroschadstoffe zu eliminieren. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Genauer gesagt geht es um die befristete Einleitungserlaubnis. „Das gereinigte Wasser aus der Kläranlage wird in den Lengerich Aabach geleitet“, erläutert der Beigeordnete der Stadtverwaltung, der auch Betriebsleiter des Eigenbetriebs Stadtentwässerung ist. Am 31. Dezember 2019 läuft die derzeit gültige Einleitungserlaubnis aus. Die Befürchtung von Frank Lammert : Eine Verlängerung dieser Genehmigung wird mit einer Auflage in Sachen Mikroschadstoffe verknüpft.

Dass das Land mittels einer vierten Reinigungsstufe Mikroschadstoffe (beispielsweise gehören dazu Arzneimittel-Reste) aus den Abwässern „fischen“ will, ist bekannt. Die Stadt hat ein waches Auge auf das Thema. Eine Machbarkeits-Studie befasst sich mit der Frage, wie viel an Mikroschadstoffen im Abwasser ist. Das bezieht sich aber nur auf die Stoffe, die derzeit sehr intensiv diskutiert werden.

Ob es bei fünf oder zehn Mikroschadstoffen bleibt, die vom Land auf die Ausschlussliste gesetzt werden? Der Betriebsleiter mag daran nicht glauben. Schließlich seien bislang schon mehrere Hundert dieser Mikroschadstoffe bekannt. Offen sei, welche Mikroschadstoffe mit welchen Grenzwerten auf eine Liste gesetzt werden. Auch die Verfahren, mit denen diese Stoffe aus dem Abwasser geholt werden sollen, müssten noch festgelegt werden.

Bei so vielen Unbekannten auf der Rechnung ist es für Frank Lammert „offen, wie viel Geld mal in die Kläranlage investiert werden muss“. Ein schwacher Trost für den Gebührenzahler: Eine derartige Investition lasse sich mittels Abschreibung auf mehrere Jahre strecken. Und erfahrungsgemäß gebe es vom Land Fördermittel. „Allerdings nur in den Anfangsjahren, aber das haben wir auch im Blick“, erläutert er im Gespräch mit den WN.

Dass es Lengerich sehr schnell treffen wird, glaubt er nicht. Zunächst würden wohl die großen Anlagen dran sein. Ausgelegt für 49 000 Einwohner, zähle Lengerich zu den kleineren Klärwerken. Am Poolweg werden auch Abwässer aus Lienen, Brochterbeck, dem südlichen Teil Tecklenburgs und Unternehmen geklärt.

Die Kläranlage als Ort, an dem Mikroschadstoffe aus dem Abwasser gefischt werden, erscheint dem Betriebsleiter nur auf den ersten Blick als logische Lösung. „Sinnvoller wäre es doch, den Schadstoff-Eintrag dort zu verhindern, wo er entsteht beziehungsweise ins Abwasser gelangt.“ Angesichts von rund 10 000 Einleitern, deren Abwässer in der Anlage am Poolweg gereinigt werden, eine ambitionierte Aufgabe.

Wobei es nach Auffassung des Beigeordneten Einleiter gibt, wo die Wahrscheinlichkeit, dass im Abwasser Medikamentenreste zu finden sind, größer ist als bei anderen. Als Beispiel nennt er Altenheim und Kindergarten.

Was auf einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt an Mehrkosten durch eine vierte Reinigungsstufe zukommen könnte, ist in Münster schon mal grob durchgerechnet worden. Auf Lengerich übertragen, würde der Durchschnitts-Haushalt statt 440 um die 500 Euro im Jahr als Abwassergebühr zahlen müssen.

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