Streit um Gesamtschul-Pläne
Roos wirft Lengerich & Co. „tollkühnes“ Verhalten vor

Saerbeck/Lengerich/Tecklenburg -

„Ans Eingemachte“ geht es im Clinch um die Gesamtschul-Neugründungspläne des Kommunen-Trios Lengerich, Tecklenburg und Lienen, meint Saerbecks Schulamtsleiter Guido Attermeier. Im Hauptausschuss holte sich Bürgermeister Wilfried Roos das Okay, eine eigene Schulentwicklungsplanung in Auftrag zu geben, möglicherweise zusammen mit Emsdetten - und reagierte sehr verschnupft über die Vorgehensweise der Nachbarorte.

Montag, 25.04.2016, 06:04 Uhr

Liest man, was die Bürgermeister von Lengerich und Tecklenburg über die geplante gemeinsame Gesamtschule sagen, könnte man zu dem Schluss kommen, dass die Klassenzimmer für die ersten Schüler im nächsten Sommer schon gelüftet werden. In Saerbeck dagegen befürchtet man großen Schaden für die eigene Maximilian-Kolbe-Gesamtschule (MKG) im 28. Jahr ihres Bestehens und formiert sich zur Gegenwehr. Nachdem die Bürgermeister von Lengerich, Tecklenburg und Lienen die Pläne für die Neugründung einer sechszügigen Gesamtschule mit zwei Standorten offiziell verkündet hatten, konterte jetzt der Saerbecker Haupt- und Finanzausschuss mit dem Votum, selbst ein Büro für Schulentwicklungsplanung zu beauftragen – ohne Kostendeckel. Und man will, zunächst noch informell, die Möglichkeiten einer regionalen Zusammenarbeit unter anderem mit Emsdetten ausloten.

Sprecher aller Ratsfraktionen erklärten im Haupt- und Finanzausschuss knapp und deutlich ihre Unterstützung dafür. Nach der Ratssitzung am Donnerstag dieser Woche „geht dieser Auftrag sehr schnell heraus“, kündigte Bürgermeister Wilfried Roos auf Nachfrage an, „der Gesprächstermin steht schon“. Er rechnet nicht damit, dass die Bezirksregierung letztendlich Ja zu den Plänen sagt. Ob so oder so, es zeichnet sich ab, dass die Sache vor dem Verwaltungsgericht landet.

In der Sache soll der Schulentwicklungsplaner die „massiven Auswirkungen“ (Verwaltungsvorlage), die die vierte Neugründung einer Gesamtschule im früheren Einzugsbereich der MKG hätte, fundiert und detailliert aufschlüsseln. Befürchtet wird ein Wegbrechen der Anmeldezahlen für die fünften Jahrgänge und insbesondere später für die Oberstufe, während die MKG weiter auf auswärtige Schüler angewiesen ist. Die Deutung der Zahlen und die Berechnung der Prognosen wolle man keinesfalls dem Schulplanungsbüro, das Lengerich und Tecklenburg beauftragt haben, allein überlassen, stellte Saerbecks Schulamtsleiter Guido Attermeier klar.

Er wie auch Bürgermeister Roos zeigten sich mehr als verschnupft nach dem Ende des Moderationsverfahrens bei der Bezirksregierung. „Bemerkenswert“ und „tollkühn“ sei es, wenn das kommunale Trio seine Pläne als „Vereinbarung“ aus diesem Verfahren verkaufe, „als wäre Saerbeck einbezogen worden“. Im Protokoll des zweiten und letzten Treffens sei klar vermerkt, dass Saerbeck der Gründung einer mehr als vierzügigen Gesamtschule mit Verweis auf das Rücksichtnahmegebot widerspricht.

Die Bezirksregierung bestätigte diese Aussage, wollte das Protokoll aber nicht vollständig veröffentlichen. Dass die Genehmigungsbehörde die Gesamtschul-Pläne mitträgt, wie Lengerichs Bürgermeister Wilhelm Möhrke dort im Schulausschuss der Stadt gesagt hatte, bestätigte eine Sprecherin der Bezirksregierung zunächst nicht. Sie bezeichnete die „Vereinbarung“ lediglich als „Ergebnis des Moderationsverfahren“.

„Die Sache ist noch längst nicht durch“, zitierte Pressesprecher Thomas Drewitz die Schulabteilung der Bezirksregierung. Unterstützt würden Schulträger grundsätzlich, geprüft werde im Genehmigungsverfahren.

„Lengerich, Tecklenburg und Lienen sind dabei, ihre Pflöcke einzuschlagen, wir sind dabei, sie wieder auszureißen“, gab sich Saerbecks Bürgermeister Roos anhaltend kämpferisch. Wer wie Lengerich erst 28 Jahre nach der Gründung der Gesamtschule in Saerbeck erkenne, dass Eltern diese Schulform als ideal für ihre Kinder ansehen würden, komme nach den jüngsten Neugründungen in der Region zu spät, erklärte er.

Roos sieht nach der im November erklärten Zustimmung zu einer vierzügigen Neugründung nun durch die anderthalb Mal so großen Pläne „die Kompromissbereitschaft Saerbecks mit Füßen getreten“.

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