Obst für alle
Wird Lengerich „Essbare Stadt“?

Lengerich -

Obst- und Gemüsegärten auf kommunalem Grund, die jedem Bürger offenstehen – das ist die Idee der „Essbaren Stadt“. Im Lengericher Stadtrat wurde über Thema am Dienstag auf Antrag der SPD diskutiert.

Donnerstag, 07.07.2016, 06:07 Uhr

An der Iburger Straße stehen rechts und links der Fahrbahn Obstbäume. Wer möchte, kann sich bedienen.
An der Iburger Straße stehen rechts und links der Fahrbahn Obstbäume. Wer möchte, kann sich bedienen. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Ein Erfolgsmodell aus Andernach nach Lengerich übertragen, das möchte die SPD . Die 30 000-Einwohnerstadt am Rhein hat 2008 die „Essbare Stadt“ erfunden. Dahinter steckt die Idee, öffentliche Grünflächen für den Anbau von Obst und Gemüse zu nutzen. Die Fraktion der Sozialdemokraten hat nun im Rat den Antrag gestellt, dass die Verwaltung prüfen soll, wie dieses Projekt in Lengerich umgesetzt werden könnte.

Gerade für Bürger, die mit einem eher schmalen Geldbeutel über die Runden kommen müssen, sei das eine „tolle Idee“, sagt SPD-Ratsfrau Viola Puschkarski. So ohne weiteres wurde diese Sicht nicht von den anderen Parteien übernommen. Kerstin Glindmeyer von der FDP erinnerte daran, dass bereits „viele Grundschulen eigene Gärten haben“. Anne Engelhardt von den Grünen befand, dass das Thema im Zuge der Erarbeitung eines Stadtentwicklungskonzeptes (WN berichteten) behandelt werden sollte. Und Klaus Reiher von der CDU merkte an, dass man Ähnliches wie die „Essbare Stadt“ bereits habe. Vor allem auf die Obstbaumallee an der Iburger Straße wurde von anderen Ratsmitgliedern in diesem Zusammenhang verwiesen – und darauf, dass es dort an der „fachlichen Pflege“ mangele und die Nutzung auch nicht optimal sei. Es gebe „viel Fallobst“, konstatierte Unions-Mann Hartmut Grünagel.

SPD-Fraktionschef Andreas Kuhn hielt all dem entgegen, dass es bei der „Essbaren Stadt“ auch darum gehe, „die Leute zu motivieren, sich in die Stadt einzubringen“. „Durch die gemeinsame Pflege und Arbeit entstehen neue soziale Strukturen, die das Zusammenleben bereichern“, heißt es dazu im Antrag.

In Andernach wächst die „Essbare Stadt“ derweil weiter, wie Judith Hausberger von der Tourist-Information mitteilt. Die Stadt hat für ihr Projekt in den vergangenen Jahren bereits einige Preise bekommen. Über 50 Prozent aller Stadtführungen, so Hausberger, hätten mit der „Essbaren Stadt“ zu tun. Und das Angebot werde sowohl von den Bürgern der Stadt als auch von Besuchern sehr gut angenommen.

Ein wichtiger Baustein für den Erfolg dürfte sein, dass sich eine kommunale Gesellschaft um die Pflege der Anlagen kümmert. In der, so die städtische Mitarbeiterin weiter, hätten unter anderem Langzeitarbeitslose eine Beschäftigung bekommen. Und, das betont Hausberger auch noch, in den gesamten acht Jahren habe es noch keinen Fall von Vandalismus gegeben.

Mit dem Thema soll sich in Lengerich nun der Ausschuss für Planung und Umwelt befassen.

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