Asbest-Belastung in der Sporthalle?
Streit unterm Turnhallen-Dach

Lengerich -

Dr. Werner Peters, Leiter der Bodelschwingh-Realschule, will Einblick in das Gutachten zur möglichen Asbest-Belastung in der Turnhalle seiner Stadt. Frank Lammert, Beigeordneter der Stadt, sagt, das keine Gefährdung vorliege. Wer hat Recht?

Mittwoch, 13.07.2016, 06:07 Uhr

Um das Dach der Bodelschwingh-Turnhalle gibt es Streit zwischen Schule und Stadtverwaltung. Dabei geht es um mögliche Asbest-Belastungen aus den verbauten Eternitplatten. Das Bild zeigt unten die Schulstraße, darüber die Bodelschwingh-Realschule mit der auf der Ansicht darüber liegenden Turnhalle (graues Dach).
Um das Dach der Bodelschwingh-Turnhalle gibt es Streit zwischen Schule und Stadtverwaltung. Dabei geht es um mögliche Asbest-Belastungen aus den verbauten Eternitplatten. Das Bild zeigt unten die Schulstraße, darüber die Bodelschwingh-Realschule mit der auf der Ansicht darüber liegenden Turnhalle (graues Dach). Foto: Stadt Lengerich

Einigkeit herrscht in einem Punkt: Das Dach der Turnhalle der Friedrich-von-Bodelschwingh-Realschule ist beschädigt. Die Schlussfolgerungen, die Schulleiter Dr. Werner Peters und Beigeordneter Frank Lammert daraus ziehen, sind nicht deckungsgleich. Denn die Eternitplatten, mit denen die Halle gedeckt ist, könnten den Schadstoff Asbest enthalten.

Eine Beschädigung ist der Stadtverwaltung gemeldet worden. Die wiederum hat eine Firma mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt. Das liegt seit Oktober 2015 vor – und ist indirekt Auslöser der Differenzen zwischen Schulleiter und Beigeordnetem.

„Mir ist nur gesagt worden, dass keine Belastung vorliege“, berichtet Werner Peters im Gespräch mit den WN. Seinen Wunsch, Einblick in das Gutachten zu nehmen, habe Frank Lammert abgelehnt. „Dabei hätte Herr Lammert das nur aus dem Schrank zu nehmen brauchen“, erinnert sich der Rektor an dieses Treffen im Büro des Beigeordneten.

Vielseitig verwendbar

Natürlich vorkommende, verfilzte Mineralfasern – unter diesen Sammelbegriff fällt Asbest. Der Stoff ist chemisch sehr stabil, brennt nicht und hat eine hohe thermische und elektrische Isolierfähigkeit. Zudem ist Asbest sehr elastisch und zugfest.Eine Gesundheitsgefährdung geht hauptsächlich durch das Einatmen von Asbestfasern aus. Die Größe dieser Fasern spiele für die krebserzeugende Wirkung eine wichtige Rolle, ist in entsprechenden Internet-Foren nachzulesen.Für Hitzeschutzbekleidung, Brandschutzplatten, Spritzmassen, Anstriche, Fußboden-, Brems- und Kupplungsbeläge, Platten, Rohre, Pflanzgefäße, Lüftungsleitungen, Dichtungsmassen und Klebstoffe ist Asbest unter anderem eingesetzt worden.

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Diese Zusammenkunft bestätigt Frank Lammert auf Nachfrage der WN. „Herr Peters war mit einem Kollegen hier und ich habe ihnen die Werte genannt.“ Diese sollen mit 104 Fasern pro Kubikmeter Raumluft deutlich unter dem Grenzwert von 500 Fasern liegen. Eine entsprechende Information habe es auch im Fachausschuss des Stadtrats gegeben.

„Ich wollte das Schwarz auf Weiß sehen, das hat Herr Lammert abgelehnt“, ist Werner Peters mit der mündlichen Auskunft nicht zufrieden. Das Gutachten – „die werden in solchen Fällen immer extern ausgeführt“ – sei für Laien schwer verständlich. „Auch ich tue mich damit schwer“, räumt Frank Lammert gegenüber den WN ein. Einblick erhält der Schulleiter nicht, „obwohl ich als Verantwortlicher ein Recht darauf habe, das einzusehen“, wie der Rektor moniert.

BAD GmbH

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Dafür hat sich Werner Peters an den Arbeitsschutzdienst gewandt und zur Begehung der Halle eingeladen. „Für eine Einschätzung möglicher Gefahren brauchen die das Gutachten“, sieht er Frank Lammert in der Pflicht, die Expertise rauszurücken.

Unterschiedliche Auffassungen gibt es auch über die Art der Erstellung des Gutachtens. „Die Firma war da, als kein Sport ausgeübt wurde“, sagt der Beigeordnete. Bewegungen in der Halle hätten die Messergebnisse verfälscht, ist er überzeugt. Das habe der Schulleiter anders gesehen und auf einer Messung während des Unterrichts bestanden.

Ob für eine Messung die Eternitplatten angebohrt werden müssten, ist ein weiterer Streitpunkt. „Asbest in geschlossenem Bereich tritt nicht aus“, sagt der Beigeordnete. Würden Löcher gebohrt, wären die Platten beschädigt.

Ob´s an den Platte liegt oder am zur Verfügung stehenden Platz – genutzt wird die Sporthalle kaum noch. „Ein paar Selbstverteidigungskurse“, sagt Werner Peters. Ein Gutteil des Sportunterrichts sei in Kirchpatt- und Gutenberg-Sporthalle verlagert worden. Genau das sei das Ziel der Schule, vermutet der Beigeordnete. Schließlich nutzten eine Judo-Gruppe und ein Kindergarten weiterhin die Turnhalle der Friedrich-von-Bodelschwingh-Realschule.

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