Gerüchteküche brodelt
Volksbank-Fusion: Nur Dementis

TECKLENBURGER LAND -

Im nächsten Jahr geht Franz-Josef Konermann, Vorstand der VR-Bank Kreis Steinfurt, in den Ruhestand. Diese Personalie löst Spekulationen aus, nicht nur was Köpfe betrifft, sondern auch die insgesamt sechs Volksbanken im Kreis.

Dienstag, 26.07.2016, 19:07 Uhr

Das Fusionskarussell dreht sich:  Gerüchte und Dementis wurden ausgelöst durch das Ausscheiden von VR-Vorstand Franz-Josef Konermann (kleines Foto links).
Das Fusionskarussell dreht sich:  Gerüchte und Dementis wurden ausgelöst durch das Ausscheiden von VR-Vorstand Franz-Josef Konermann (kleines Foto links). Foto: Jürgen Christ

Unternehmertreffen, Chef-Gespräche: Es geht um die Wirtschaftslage oder den Export. Der Brexit ist Thema, das Türkei-Drama, die leidige Neu-Reglung für Firmen-Erbschaften. Oft geht‘s um Lokales: Die Volksbanken stehen dabei im Mittelpunkt.

Ja – es brodelt in der Gerüchteküche . Im Aufsichtsrat der VR-Bank Kreis Steinfurt hat sich einiges getan, weitere Personalien stehen an. Und Fusionen sind sowieso ein Thema – also: Wie geht es weiter bei den Genossenschaftsbanken in der Region? Da hört man so manches: Greven im Gespräch mit der VR-Bank, der kleinste Player Saerbeck möglicherweise auf Fusionskurs? Fragen – und postwendend gibt es Dementis.

Ein Anlass für Banken-Gerüchte ist eine Personalie. Die über 600 Mitarbeiter im Hause VR-Bank Kreis ST sind informiert über eine Veränderung im Vorstand: Franz-Josef Konermann wird die Bank im Jahr 2017 verlassen. Ende Juni ist Schluss. Insgesamt 32 Jahre Vorstandsarbeit wird er dann hinter sich haben. Eine solche Veränderung spricht sich – intern und extern – rasend schnell rum. „Der Termin ist in Stein gemeißelt“, hat deshalb Franz-Josef Konermann jetzt im Gespräch bestätigt.

Zahlen

► Die sechs selbstständigen Volksbanken im Kreis sind die VR-Bank Kreis Steinfurt (Ibbenbüren-Rheine-Emsdetten), die Volksbank Greven, die Volksbank Laer-Horstmar-Leer, die Volksbank Saerbeck, die Volksbank Ochtrup und die Volksbank Westerkappeln-Wersen.► Das Bilanzvolumen aller beläuft sich auf insgesamt 3,8 Milliarden Euro.► Die Volksbanken haben über 100 000 Mitglieder und rund 220 000 Kunden.► Über 900 Mitarbeiter werden beschäftigt.► Die Bilanzsumme der VR-Bank Kreis Steinfurt beträgt 2,5 Milliarden Euro, die der Volksbank Greven beläuft sich auf rund 560 Millionen Euro, Saerbeck liegt bei über 60 Millionen Euro

...

Noch nicht in Stein gemeißelt, dennoch aber Gegenstand einiger Spekulationen ist, wie es ab Mitte 2017 im Vorstand der VR-Bank weitergeht? Dem Vernehmen nach werden die bleibenden Vorstände Hubert Overesch und Ulrich Weßeler die Leitung des 2,5 Milliarden Euro Bilanzsumme großen Hauses zu zweit erledigen. Also: Kein neuer dritter Vorstand. Keiner, der hausintern aufrückt, keiner von außen. Stattdessen sollen zwei Generalbevollmächtigte künftig den Vorstand unterstützen.

Der Ruhestand von Konermann erzeugt auch kreisweit Handlungsbedarf: Er fungiert seit 2014 als Sprecher der sechs selbstständigen Volksbanken im Kreis. Hier stellt sich die Frage, welcher Vorstand aus welchem Haus in Zukunft diese Funktion wahrnehmen wird? Da sei man innerhalb der Volksbanken-Bezirksgruppe im Gespräch, bestätigt Grevens Volksbank-Vorstand Dietmar Dertwinkel. Aber: „Noch nichts ist in Blei gegossen.“ Gleichwohl könne er sich vorstellen, dass sein Vorstandskollege Andreas Hartmann als erster oder zweiter Sprecher im Gremium tätig werde. Andere Stimmen wollen wissen, dass der VR-Bank-Vorstand Ulrich Weßeler (Emsdetten) erster Sprecher wird.

Neben den Personalien sind Fusionen immer wieder Top-Thema. Im West-Kreis arbeiten die Volksbanken Ochtrup und Laer-Horstmar-Leer aktuell daran. Und der Blick der VR-Bank geht offenbar in Richtung der Volksbank Saerbeck und der Volksbank Greven.

Eine verlässliche Quelle aus den Reihen der VR-Bank bestätigt, dass es „gute Kontakte auf höchster Ebene zwischen VR-Bank und Volksbank Greven gibt.“ Es sind, behauptet der Banken-Insider, Gespräche über eine mögliche Fusion mit Greven geführt worden. VR-Bank-Vorstand Konermann verweist das in das Reich der Sage: „Es hat definitiv keine Gespräche gegeben. Davon wissen wir nichts, da ist nichts dran!“

Das bestätigt auch Dietmar Dertwinkel: „Noch nie, wirklich noch nie haben wir ein Gespräch über Fusionen geführt.“ Die Selbstständigkeit von Grevens Volksbank sei bis 2020 quasi festgeschrieben. „Der Vorstand wird diesen Auftrag des Aufsichtsrats erfüllen.“ Auch die Addition von 540 Grevener Millionen und 2,5 VR-Bank Milliarden zu einer satten drei Milliarden Euro Bilanzsumme können den Grevener Vorstand nicht locken: „Wir glauben nicht, dass der Große den Kleinen schlägt, nicht mal, dass der Schnelle den Langsamen übertrumpft,“ formuliert Dertwinkel das klare Dementi. Dementi? Das liefert der Volksbank-Vorstand auch zu einer weiteren Fusions-Variante, die in Banker-Kreisen kolportiert wird. Demnach soll sich die Volksbank Greven der fürs Jahresende geplanten Fusion zwischen den Volksbanken Ochtrup und Laer/Horstmar anschließen wollen. „Weder mit dem einen, noch mit dem anderen, auch nicht mit beiden gemeinsam haben wir Gespräche geführt.“

Er glaube vielmehr, dass der Wandlungsfähigste gewinne. Und da sieht er Grevens Volksbank mit klaren Vorteilen. „Die ertragreichste Genossenschaftsbank im Kreis“ bewege sich auch bei der Eigenkapitalquote ganz weit oben im Bankenranking. Sein Fazit: Trotz des sich massiv verschlechternden Umfelds durch Regulatorik und Niedrigzins „kämpfen wir für die Selbstständigkeit der Bank.“

An schwierigen Marktbedingungen werde eine Fusion nichts ändern. Deshalb schwört auch Saerbecks Volksbank-Vorstand Albert Tophoff auf die Unabhängigkeit. Mit einer Bilanzsumme von 60 Millionen Euro vertreten Saerbecks Volksbänker die regional kleinste Genossenschaftsbank. Die „Gallier im Kreis“ haben sich auf die Fahnen geschrieben, unabhängig zu bleiben: „Fusionsgespräche sind für uns kein Thema.“

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