MTO Engineering gewinnt Preis der Deutschen Bahn
„Spaß ist meine Antriebsfeder“

Ladbergen -

Sie schrauben nicht am Motor herum, bauen keine mächtigen Spoiler an, setzen nicht auf billige Showeffekte. Und doch: Kunden, die ihre Fahrzeuge aus den Werkstatthallen des Ladbergers Torsten Osterhaus und des Osnabrückers Oliver Pauli fahren, haben meist ein fettes Grinsen im Gesicht. „Chiptuning“ heißt das Zauberwort, mit dem die Experten Autonarren glücklich machen. Das sie auch vor großen Maschinen nicht zurückschrecken, zeigt ein Preis, den sie jetzt gewonnen haben.

Mittwoch, 28.09.2016, 23:09 Uhr

Auf ihren Prüfständen machen Torsten Osterhaus und seine Mitarbeiter Nikolai Hempel und Oliver Pauli (von links) Sportwagen noch schneller. Dass sie auch Diesellokomotiven sparsamer machen können, belegt ein Preis, den sie beim Wettbewerb der Deutschen Bahn gewonnen haben.
Auf ihren Prüfständen machen Torsten Osterhaus und seine Mitarbeiter Nikolai Hempel und Oliver Pauli (von links) Sportwagen noch schneller. Dass sie auch Diesellokomotiven sparsamer machen können, belegt ein Preis, den sie beim Wettbewerb der Deutschen Bahn gewonnen haben. Foto: Sigmar Teuber

Sie schrauben nicht am Motor herum, bauen keine mächtigen Spoiler an, setzen nicht auf billige Showeffekte. Und doch: Die Kunden, die ihre (vorwiegend sündhaft teuren) Fahrzeuge aus den Werkstatthallen des Ladbergers Torsten Osterhaus und des Osnabrückers Oliver Pauli fahren, haben meist ein fettes Grinsen im Gesicht. „Chiptuning“ heißt das Zauberwort, mit dem dien Experten Autonarren glücklich machen.

Es geht nicht um „Parkplatz-Tuning“. Wenn die Chefs von MTO (Motoren-Technik Osterhaus) Engineering Hand anlegen, dann geht es um individuelle, auf das jeweilige Fahrzeug abgestimmte Feinarbeit.

Dass die Tüftler ihren Job mit Leidenschaft verrichten, hat sich herumgesprochen. Sogar bis zur Deutschen Bahn . „Wir haben für die im Werk Bremen ein Steuergerät angepasst. Unsere Arbeit hat den Verantwortlichen gefallen. Da meinten sie, wir könnten doch auch an der , DB Innovation Challenge’ teilnehmen“, erzählt Torsten Osterhaus.

Gesagt, getan. Die MTOler schrieben sich ein und konzentrierten sich auf eine „Elektronikänderung im Motormanagement von V-Loks“, einer Reihe von Diesellokomotiven. Die Ziele: Reduzierung des spezifischen Kraftstoffverbrauchs und der CO-Emissionen sowie eine Baureihen- und Einsatz-optimierte Motorsteuerung. Das alles unter Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben hinsichtlich der Emissionsgrenzwerte und der Gewährleistung der betrieblichen Einsatzfähigkeit.

Im Laufe des Wettbewerbs schlossen sich MTO Engineering und die Hochschule für angewandte Wissenschaften München zu einem Team zusammen, um ihr Know-How gemeinsam für eine technische Lösung im Bereich des Motor-Managements zu nutzen. DB Chargo ging es darum, sowohl die theoretische Expertise der Hochschule als auch die praktischen Erfahrungen von MTO zu nutzen, erklärt Torsten Osterhaus.

Es war keine leichte Aufgabe, die es zu lösen galt. MTO hat es geschafft. Das Ergebnis: „Bei einer erfolgreichen Kraftstoffeinsparung von minimal fünf Prozent läge die jährliche Ersparnis, nur auf die Fahrzeuge der Testbaureihen bezogen, bei rund 1,4 Millionen Liter Diesel“, berichtet Torsten Osterhaus. Das wären rund 3 696 000 Kilogramm Kohlendioxid (ein Liter Diesel verbrennt laut Expertenmeinung zu 2,64 Kilogramm CO). Ein Erfolg, der der Bahn einen Preis in der Challenge-Sparte „Kleinunternehmen und Start-Up“ (MTO kassieren 25 000 Euro) sowie (voraussichtlich) einen entsprechenden Auftrag Wert ist.

Für Laien ist das, was Torsten Osterhaus und Oliver Pauli in ihren Kernkompetenzen Motorsport, Motorenentwicklung, Agrarwirtschaft, Fern- und Nahverkehr sowie Automobil-Industrie leisten, schwer zu verstehen. „Wir steigern die Leistung von Motoren durch nachträgliche Änderungen der werksseitig festgelegten Steuerparameter der elektronischen Motorsteuerung“, erklärt Osterhaus. Klingt einfach, erfordert aber, wenn’s funktionieren soll, ziemlichen Aufwand. Nötig ist es, angesichts der teuren Super-Sportwagen, die in die Hallen im Gewerbegebiet Am Kanal rollen, meist nicht. „Wir machen zu 95 Prozent Sachen, die keiner braucht, die aber das Kind im Manne ansprechen und Spaß machen“, gibt er zu.

Spaß ist für Torsten Osterhaus die Antriebsfeder. Lange Zeit aktiver Rennfahrer, gründet er 1987 mit einem Partner die Firma „Voss Motorsport“ in Brochterbeck. 1998 Standortwechsel nach Ladbergen. Nach 25 Jahren Tuning im Rennsport trennt Osterhaus sich von seinem Partner damaligen („weil es schwer für mich war, eigene Ideen durchzusetzen) und gründet 2005 MTO Engeneering. 2009 entstehen die Osterhaus & Pauli GbR und eine neue Firmenhalle mit über 1000 Quadratmetern Arbeitsfläche und diversen Prüfständen. „Optimiert“ werden darin Supercars wie Ferrari, Lamborghini und Porsche, aber auch Lkw, Busse, Landmaschinen und Nutzfahrzeuge.

„Alles, was Kraftstoff und insbesondere Diesel verbraucht, kann optimiert werden“, sagt Oliver Pauli. Wie zum Beispiel ein Maishäcksler, bei dem sich im harten Dauereinsatz bis zu zwölf Liter Kraftstoff pro Stunde einsparen und zugleich mehr Power aus dem Motor holen lassen.

Ob Stadtbus, Lkw oder ein Super-Sportwagen, den der Besitzer aus dem Ausland einfliegen lässt: „Wir optimieren, was die Kunden möchten“, versichert Osterhaus. Wie zum Beweis läuft im Hintergrund eine Dia-Schau. Neben Ferrari & Co. ist auch Brösels („Das muss kesseln“) Turbodiesel-Motorrad „Neander“ zu sehen . . . optimiert von MTO.

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