Ungewöhnliche Kunstaktion
Zuschauen beim Zeichnen

Lengerich -

Zuschauen, wie ein Gemälde entsteht – das können Interessierte vom 18. bis 20. Januar in der Bahnhofstraße. Künstler Michel M. aus Münster gestaltet die mit Japanpapier verkleideten Fenster im Kunstraum 3. Die Zuschauer können von außen zuschauen, wie ein Kunstwerk entsteht.

Mittwoch, 11.01.2017, 06:01 Uhr

So könnte es aussehen, wenn Künstler Michel M. seine Arbeit im Kunstraum 3 beendet hat. Die Fotomontage stammt auch von ihm.
So könnte es aussehen, wenn Künstler Michel M. seine Arbeit im Kunstraum 3 beendet hat. Die Fotomontage stammt auch von ihm. Foto: Michel M.

Schaffen Künstler ein Bild, sitzen sie meist in einem Atelier, die Leinwand vor sich, die Farbpalette neben sich, den Pinsel in der Hand. Der ein oder andere nimmt vielleicht auch einmal seine Staffelei und geht in die Natur. Publikum ist somit kaum einmal zugegen. Anders, so hofft es zumindest Michel M. , soll es in der kommenden Woche in Lengerich sein. Dann macht sich der Münsteraner an drei Abenden auf ungewöhnliche Weise im Kunstraum 3 in der Bahnhofstraße ans Werk.

Die Fenster zur Fußgängerzone werden zunächst mit Japanpapier beklebt. Dann setzt sich Michel M. drinnen an die beleuchteten Scheiben und bemalt das Papier. Passanten, die in der Fußgängerzone unterwegs sind, haben so die Möglichkeit, die Entstehung des Bildes zu verfolgen.

Von ihm, sagt der Münsteraner, werde von außen nur der Stift, die Hand und schattenhaft seine Figur zu erkennen sein. Vom Treiben auf der Straße und von den potenziellen Zuschauern werde er wiederum so gut wie nichts mitbekommen, erklärt er weiter. Weder optisch, noch akustisch. Für Letzteres werden Kopfhörer sorgen, die Michel M. beim Zeichnen aufsetzt. Technomusik höre er dann, die schaffe für ihn den idealen „Arbeitsrhythmus“, so der 52-Jährige.

Was auf der großen gläsernen Fläche am Ende zu sehen sein wird, ist noch unklar. Die Motive entstünden spontan, das mache für ihn unter anderem den Reiz einer solchen Aktion aus, sagt Michel M.. Ein Anhaltspunkt dürfte jedoch die Fotomontage liefern, die er von der Front des Kunstraum 3 samt Japanpapier-Bild erstellt hat. In die Richtung dessen, was er darauf zeigt, werde es wohl in der kommenden Woche gehen, meint der Künstler. Das heißt auch, dass es ein Schwarz-Weiß-Bild sein wird.

Zwar haben die Menschen draußen nicht die Möglichkeit, direkt mit dem Zeichner zu sprechen, aber Michel M. versteht seine Aktion an sich schon als Kommunikation mit dem Betrachter. Der könne „entschlüsseln“, was direkt vor seinen Augen entstehe.

Erstmals habe er ein solches Projekt vor rund drei Jahren in Telgte realisiert. Vom Ergebnis damals ist nichts mehr zu sehen, das bemalte Papier sei vernichtet worden, so Michel M.. Schade sei das, habe er daraufhin gehört. Deshalb werde er vielleicht versuchen, das Bild, das in Lengerich entsteht, länger zu erhalten. Aber, schränkt er ein, das Japanpapier sei sehr empfindlich, die Gefahr somit groß, dass die Bahnen beim Abziehen von den Fenstern reißen. Immerhin: Etwa drei Wochen lang soll das Ergebnis der Aktion an den Scheiben des Kunstraum 3 hängen bleiben.

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Michel M. wird von Mittwoch bis Freitag, 18. bis 20. Januar, zeichnen – jeweils von circa 18.30 bis 23 Uhr. Am Samstag, 21. Januar, besteht ab 18 Uhr im Kunstraum 3, Bahnhofstraße 3, die Möglichkeit, sich das Kunstwerk von innen anzusehen.

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