Klare Worte zum Kalkabbau
Bürgerinitiative Pro Teuto und Firma Dyckerhoff erläutern ihre Standpunkte

Lengerich -

Nach einer guten Dreiviertelstunde verlassen die ersten Protagonisten am Montagabend die Gempt-Halle. Die Vertreter der Bezirksregierung, Ralf Weidmann und Gunhild Wiering, haben den Stand der Dinge erläutert (siehe nebenstehenden Bericht). Bühne frei für die Kontrahenten beim Thema Kalkabbau im Teutoburger Wald: Bürgerinitiative Pro Teuto und Firma Dyckerhoff.

Dienstag, 21.02.2017, 18:22 Uhr

Standen Rede und Antwort: Franz-Josef Barton, Dr. Katrin Wulfert, Gunhild Wiering, Ralf Weidmann, Wilhelm Möhrke, Wolf Krasting, Frank Lammert und Sigrid Elling-Augé (von links).
Standen Rede und Antwort: Franz-Josef Barton, Dr. Katrin Wulfert, Gunhild Wiering, Ralf Weidmann, Wilhelm Möhrke, Wolf Krasting, Frank Lammert und Sigrid Elling-Augé (von links). Foto: mba

Wolf Krasting erläutert die Position der 2011 gegründeten Bürgerinitiative . Es gehe um den Schutz von Quellen und Grundwasser, die europaweite Bedeutung der unter Naturschutz stehenden Bereiche und „keinesfalls nur um einen Konflikt der Interessen von Naturschutz und Unternehmen“. Das hört sich versöhnlich an, doch in der Sache bleibt der BI-Vertreter knallhart: „Das die Interessen von Dyckerhoff automatisch höher gewertet werden als die Bürgerinteressen, kann so nicht weitergehen.“

Was Pro Teuto anstrebe, seine eine „verlässliche Beschäftigungsperspektive in einer sauberen und lebenswerten Umgebung“. Mit Blick auf eine Rohstoff-Reserve für die nächsten 22 Jahre steht für Wolf Krasting fest: „Da kann man eine Auslaufperspektive entwickeln.“ Der Vorschlag der Bezirksregierung könnte der Startschuss dafür sein. „Das ist alternativlos“, stellt das BI-Vorstandsmitglied fest.

Der „Runde Tisch 2025“ hätte seit 18 Jahren Weichen stellen können, bedauert er dessen Nichteinberufung. Vielleicht wäre dann ja auch nicht aus einem Zementwerk eine Müllverbrennungsanlage geworden. Der Hinweis auf die Bestrebungen des Unternehmens, bis zu 100 Prozent Sekundärbrennstoffe einsetzen zu können, ist ihm wichtig. „Das bereitet vielen Menschen Unbehagen und Sorge.“

Der Vorwurf der Bürgerinitiative an die Firma Dyckerhoff: „Bis heute wird die externe Begutachtung der hydrogeologischen Beweissicherung verhindert.“ Wolf Krasting und seine Vorstandskollegin Sigrid Elling-Augé fordert größtmögliche Transparenz vom Unternehmen, detaillierte Information der Bevölkerung und beispielsweise die optische Kennzeichnung der genehmigten Abgrabungsgrenzen im Teuto.

Ungeklärt sei die Haftungsfrage, wenn der Grundwasserspiegel sinkt und die Quellen im Teuto versiegen. Zudem müsse die 1999 festgelegte Rekultivierung fortlaufend erfolgen. Das sei spätestens zwei Jahre nach Ende des Abbaus an den jeweiligen Stellen zu tun.

Den Vorwurf der Bürgerinitiative, ein zum Thema Hydrogeologie (Wissenschaft vom Grundwasser) beauftragter Gutachter habe aufgrund fehlender Ausgangsdaten keine Expertise erstellen können – „Dyckerhoff hat nur einen Teil der Daten rausgerückt“ – weist Franz-Josef Barton zurück. Der Bezirksregierung lägen alle Daten vor. Gegenüber Dritten hätte Dyckerhoff „einige Daten“ zurückgehalten, weil die unternehmensrelevant seien, so der Werkleiter.

Detailliert auf das Thema Grundwasser und FFH-Gebiet geht Dr. Katrin Wulfert ein. Die Diplom-Ingenieurin vom Büro Bosch & Partner hat für das Unternehmen ein entsprechendes Gutachten erstellt. „Abgrabungen in FFH-Gebieten sind grundsätzlich möglich, müssen aber penibel geprüft werden.“ Die von Dyckerhoff geplanten Erweiterungsflächen lägen in einem Landschaftsschutzgebiet. Für den Großteil des anvisierten Areals seien Beeinträchtigungen auszuschließen. Das gelte auch für die Kalktuff-Quellen, ebenso bei einer Tieferlegung des Hohner Steinbruchs. Und: „Im Verfahren wird das noch einmal genau geprüft.“

Erhebliche Beeinträchtigungen räumt sie für den Waldmeister-Buchenwald ein. Für diese 17,2 Hektar Fläche sei eine Abweichungsprüfung erforderlich. Dabei sei zu berücksichtigen, dass der Eingriff sich über einen langen Zeitraum erstrecke und erst ab 2038 erfolge. „Eine Waldumwandlung würde weit vor 2038 beginnen und die deutlichen Folgen des Eingriffs schmälern.“

Ihr Fazit: Die Bezirksregierung hat nur die Wirksamkeit und Prognosesicherheit der Maßnahmen in Frage gestellt. „Das sehe ich nicht so.“ Franz-Josef Barton unterstreicht, dass sich die Firma Dyckerhoff ihrer Verantwortung bewusst und zum Dialog bereit sei. „Wir bedauern die Sichtweise der Bezirksregierung.“ Gleichwohl ist er überzeugt, dass ein Kompromiss möglich sei.

Spitze Bemerkungen beim Austausch der Positionen sind die Ausnahme. „Dyckerhoff wird nie in den Naturschutzbereich reingehen“, verspricht Franz-Josef Barton. „Ich halte diese Behauptung zumindest für abenteuerlich“, kontert Sigrid Elling-Augé.

Der sachlichen Argumentation den Podiumsteilnehmern schließt sich eine – bis auf zwei Ausnahmen – ebenso sachliche Frage- und Antwortrunde mit den rund 200 Zuhörern an. Moderator Frank Lammert bringt die Veranstaltung unaufgeregt im angekündigten Zeitrahmen zum Ende, trotz kleiner Technik-Pannen (zeitweise streikende Beamer-Fernbedienung und „saftloses“ Mikrofon).

„Wir haben die Prämisse, das Beste für Lengerich zu erreichen“, stellt Bürgermeister Wilhelm Möhrke am Ende der Veranstaltung fest. Eine Stellungnahme der Stadt im Verfahren sei keine Pflicht, aber Rat und Verwaltung wollen eine abgeben und befänden sich im Abwägungsprozess.

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