Berufungsverhandlung wegen Körperverletzung
Erst gelogen, dann gestanden

Lengerich/Münster -

Zunächst hat am Dienstag ein 36-jähriger Lengericher vor dem Landgericht Münster bestritten, bei einem Streit seine Schwester attackiert zu haben. Doch am Ende gestand er die Tat – und seine Schwester musste erleben, dass die Staatsanwaltschaft gegen sie ein Strafverfahren wegen uneidlicher Falschaussage einleiten will.

Mittwoch, 01.03.2017, 05:03 Uhr

 
  Foto: dpa

Ein Freispruch ist am Dienstag das Ziel eines 36-jährigen Lengerichers gewesen. Er erreichte es nicht während der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Münster . Aber immerhin: Während der Mann in erster Instanz vom Amtsgericht Tecklenburg wegen gefährlicher Körperverletzung noch zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten und einer Zahlung von 1500 Euro verurteilt worden war, blieb es diesmal bei einer Geldstrafe von 3000 Euro.

Der Vorfall, auf dem all das basiert, ereignete sich bereits im November 2014. Zwei Familien kamen seinerzeit zusammen, um sich kennenzulernen. Anlass war die heimliche Beziehung der Schwester des Angeklagten zu ihrem damaligen Freund. Der Respekt vor den eigenen Eltern sei dadurch mit „Füßen getreten“ worden, hieß es vor Gericht. Es kam offenbar zu einer lautstarken Unterhaltung und wechselseitigen Beschimpfungen, in deren Verlauf der Angeklagte, der die Vaterrolle gegenüber seiner Schwester eingenommen hatte, die Frau attackiert haben soll.

„Ich habe das nicht getan“, bestritt er die Vorwürfe am Dienstag zunächst. Vielmehr sei es so gewesen, dass bei der Vorstellung des Freundes der Schwester gegessen und gefeiert worden sei. Mehr aber auch nicht.

Den Vorschlag des Gerichts, das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage einzustellen, ignorierte der 36-Jährige. Er wollte zu diesem Zeitpunkt der Verhandlung, dass die Anklage fallen gelassen würde.

Die Schwester begrüßte den Lengericher betont freundlich mit einem Kuss. Während ihrer Zeugenaussage bedachte sie ihn zudem mit einer wahren Lobeshymne. Er sei kein gewalttätiger Mensch. Und ihr gegenüber sei der Bruder auch nicht aggressiv geworden. Man habe sich lediglich lautstark unterhalten. „Das war‘s“, behauptete die 31-Jährige.

Der Vertreter der Anklage meinte angesichts dieser Einlassungen, es werde gelogen, dass sich die Balken bögen. Trotz erneuter Belehrung, dass sie die Wahrheit sagen müsse, blieb die Frau aber bei ihrer Aussage.

Als eine weitere Zeugin die dem Angeklagten zur Last gelegten Übergriffe hingegen bestätigte, kam der Verteidiger dem Vorschlag des Vertreters der Staatsanwaltschaft nach, das Berufungsziel noch einmal zu überdenken. Die belastende Aussage der 65-jährigen Frau wog derart schwer, dass der Lengericher zurückruderte. Nun ging es ihm nur noch über die Höhe des Strafmaßes. Und er entschuldigte sich.  Er sei gegenüber seiner Schwester in der Vaterrolle gewesen und wütend geworden, begründete er nun seinen Angriff.

Sein Anwalt plädierte schließlich auf einen minderschweren Fall von Körperverletzung und auf die Verhängung einer Geldstrafe. Der Ankläger gab dem Lengericher deutlich zu verstehen, dass allein seinem Verhalten eine neue Verurteilung geschuldet sei. So kam es mit der Verhängung der Geldstrafe durch das Gericht dann auch.

Ungemach droht nun zudem noch der Schwester. Gegen sie will die Staatsanwaltschaft ebenso wie gegen einen weiteren Zeugen ein Strafverfahren wegen uneidlicher Falschaussage einleiten.

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