Podiumsdiskussion Neurologie
Ein kompliziertes Verfahren

Lengerich -

Die Zukunft der Neurologie in Lengerich? Ein kompliziertes Verfahren mit vielen Beteiligten, das ist am Montagabend in der Gempt-Halle klar geworden. Der Stand der Dinge – der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) will sich von dieser Abteilung trennen – wird erläutert.

Dienstag, 14.03.2017, 19:03 Uhr

Zukunft der Neurologie in Lengerich war das Schwerpunktthema der Veranstaltung in der Gempt-Halle. Moderiert von Bürgermeister Wilhelm Möhrke äußerten sich Dr. Volker Maßmann, Barbara Steffens, Stefan Zimmermann und Norbert Junghöfer (von links) und legten ihre Standpunkte dar.
Zukunft der Neurologie in Lengerich war das Schwerpunktthema der Veranstaltung in der Gempt-Halle. Moderiert von Bürgermeister Wilhelm Möhrke äußerten sich Dr. Volker Maßmann, Barbara Steffens, Stefan Zimmermann und Norbert Junghöfer (von links) und legten ihre Standpunkte dar. Foto: Michael Baar

Ganz deutlich geworden sind zwei Dinge: Ein klares Bekenntnis der Lengericher für den Erhalt der Neurologie , dokumentiert durch 6300 Unterschriften. Und die Abteilung wird weiterarbeiten wie bisher, egal, wann eine Entscheidung fällt.

Barbara Steffens erläutert, in welchem Dilemma das Land und sie als Gesundheitsministerin stecken: „Das Land darf sagen, wie viele Betten in einer Planungsregion sein sollen. Ob diese Betten betrieben werden, entscheidet nicht das Land.“ Da kommen die Kostenträger ins Spiel, sprich die Krankenkassen.

Im Fall der LWL-Abteilung Neurologie Lengerich , untergebracht in der Helios-Klinik, stellt sich die Lage so dar: Der LWL will diese Abteilung nicht mehr betreiben. Gleichzeitig hat er festgestellt, dass die 35 Betten in der Neurologie plus die vier Betten in der Stroke Unit (Schlaganfall-Einheit) bedarfsgerecht sind.

Vier Interessenten gibt es für die Übernahme der Neurologie (WN berichteten). Der Verband der Krankenkassen muss einen Konsens unter diesem Quartett erzielen. Ein Ding der Unmöglichkeit. Die Uneinigkeit wird der Bezirksregierung gemeldet. Von Münster geht die Nachricht nach Düsseldorf. Von dort geht die Angelegenheit zurück an die Bezirksregierung mit dem Auftrag, eine Lösung vorzuschlagen. Gegen die könnten die nicht zum Zuge kommenden Bewerber Klage einreichen.

Um eine wasserdichte Entscheidung zu ermöglichen, die einer potenziellen Klage keine Chancen auf Erfolg einräumt, hält sich Barbara Steffens bedeckt. „Wollen Sie weiter die Neurologie in Lengerich?“ Diese Frage aus dem Publikum sei die ungeschickteste, die man stellen könne, urteilt sie. „Wenn ich jetzt ja sagen würde, wäre das Verfahren beklagbar“, antwortet die Ministerin.

Gute Miene zum Spiel macht sie, als Dr. Volker Maßmann ihr die 6300 Unterschriften für den Erhalt der Neurologie in Lengerich überreicht. „Eigentlich bin ich der falsche Adressat, der Landschaftsverband will doch die Neurologie aufgeben.“

Der Mediziner bezieht geschickt den im Publikum sitzenden stellvertretenden Krankenhaus-Dezernenten des LWL in die Aussprache ein. Für die Facharzt-Ausbildung in der Psychiatrie sei auch ein Jahr in der Neurologie erforderlich. Diese Möglichkeit im eigenen Haus wolle der LWL aufgeben.

„Die Neurologie passt nicht in unser Konzept als Betreiber von 15 Fachkrankenhäusern hinein“, antwortet Thomas Profazi . Auch wirtschaftliche Gründe spielen eine Rolle, räumt er ein. „35 Betten sind nicht wirtschaftlich zu führen, das geht zu Lasten anderer Abteilungen.“ Stellung beziehen werde der LWL erst dann im Verfahren, wenn er gefragt werde. Dass dieser Punkt kommen wird, bezweifelt Thomas Profazi nicht. „Auch ich gehe von einem Dissens aus.“

Von der großen Sorge, gerade älterer Mitbürger, beim Wegfall der Neurologie erzählt Norbert Junghöfer. Die Abteilung sei eine der vier Säulen im Lengericher Gesundheitsbereich. „Wir sind also optimal aufgestellt, warum soll das geändert werden?“

Einen Blick in die Krankenhausplanung des Landes hat Stefan Zimmermann geworfen. „Darin steht ganz klar, dass der Ausbau vorhandener Standorte Vorrang hat, auch in der Neurologie.“ Zudem sieht der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes in Ballungsgebieten eine bessere Versorgungssituation als im ländlichen Raum.

„Egal ob Ärzte, Heilberufler oder Apotheker: Die stehen hinter der Neurologie, so wie die Bürger auch“, stellt Volker Maßmann fest. Zeitnahe und fachlich sehr gute Versorgung für Patienten – für den Hausarzt wäre die Aufgabe der Neurologie „ein großer Verlust“.

In der Diskussion kommen aus dem Publikum viele Beispiele für die gute Arbeit in der Neurologie. Und die Frage von Gerd Waltking, ob das Aus für die Neurologie der Anfang vom Ende der Helios-Klinik in Lengerich sei. Eine Antwort liefert Dr. Ejad Zoubi, der die radiologische Praxis in der Helios-Klinik betreibt: „Das wäre für uns ein wichtiger wirtschaftlichen Faktor und könnte Konsequenzen nach sich ziehen.“

Das zweite Thema des Abends – ärztliche Versorgung im ländlichen Raum – kommt etwas zu kurz. Angesichts der Aktualität in der Frage nach der Zukunft der Neurologie nicht verwunderlich.

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