Stellungnahme der Stadt zum Kalkabbau
Ein „Ja“ mit Bedingungen

Lengerich -

Es ist ein zähes Ringen um einzelne Wörter und Formulierungen. Am Ende steht ein einstimmiger Ratsbeschluss. Gegen den im Regionalrat vorgelegten Entwurf des sachlichen Teilplans Kalk bestehen keine Bedenken – „wenn den Anregungen in der Sachdarstellung gefolgt wird“. Dieser Zusatz ist den Ratsmitgliedern wichtig.

Donnerstag, 16.03.2017, 19:03 Uhr

Mit Transparenten verdeutlichten rund 40 Dyckerhoff-Mitarbeiter in der Sitzung des Stadtrats ihre Sorge um die Arbeitsplätze, sollte das Ende des Kalkabbaus im Teutoburger Wald eingeläutet werden.
Mit Transparenten verdeutlichten rund 40 Dyckerhoff-Mitarbeiter in der Sitzung des Stadtrats ihre Sorge um die Arbeitsplätze, sollte das Ende des Kalkabbaus im Teutoburger Wald eingeläutet werden. Foto: Michael Baar

Ein Aspekt, der auf Antrag der SPD in die Stellungnahmen aufgenommen wurde: „Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Lengerich zurückgegangen.“ SPD-Fraktionschef Andreas Kuhn hält diesen Zusatz für wichtig, weil auf Kreisebene die Zahl dieser Arbeitsplätze im genannten Zeitraum größer geworden ist.

Nach intensiver Diskussion scheitert Andreas Kuhn mit seinem Ansinnen, auch einen zeitlichen Endpunkt für die Kalkabgrabung im Teutoburger Wald festzulegen. „Der Plan zeigt nur die Flächen an“, weist Wilhelm Möhrke auf ein wichtiges Detail hin. Wie schnell die innerhalb dieses Bereichs lagernden Vorräte abgebaut werden, sei Sache der Firma Dyckerhoff . Da könne der Rat kein zeitliches Ende vorgeben, so der Bürgermeister.

Dass die Entscheidung über den sachlichen Teilplan Kalk im Regionalrat fällt, betont Klaus Reiher. Dort wünscht sich der CDU-Fraktionsvorsitzende die Unterstützung aller Fraktionen. Bislang hätten sich nur CDU und FDP eindeutig für eine Zukunft des Kalkabbaus ausgesprochen.

Allerdings ist dem Christdemokraten auch klar, dass eine Entscheidung im Regionalrat frühestens im Herbst fallen werde. Die CDU werde im Sinne „unserer Stadt“ Stellung beziehen. Dabei würden auch die Belange des Umweltschutzes entsprechend berücksichtigt.

„Wir alle wollen Beschäftigung in einer geschützten Umwelt“, stellt Anne Engelhardt fest. Allerdings wisse auch die Firma Dyckerhoff, dass die Eingriffe in den Teuto irreparabel seien, so die Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Sie kritisiert, dass nach der 1999 erteilten Abgrabungserlaubnis die Zahl der Arbeitsplätze bei Dyckerhoff von 495 auf 225 reduziert worden sei. „Es wurden hohe Investitionen in eine Verbrennungsanlage getätigt, aber keine Vorsorge getroffen, wenn die Genehmigung ausläuft.“ Es gehe nicht nur um den Kalkabbau, sondern auch um die Abfallverbrennung im Werk. Einschränkungen, wie von SPD und CDU gefordert, seien nicht möglich. „Die Grünen stehen voll hinter der Vorlage.“

Immerhin stimmt ihre Fraktion dann auch der in Passagen geänderten Stellungnahme zu. Aufgenommen wird unter anderem der Hinweis an die Bezirksregierung, dass vor dem Ende des Kalkabbaus entsprechende Möglichkeiten für die Stadt geschaffen werden müssten, den Verlust an Arbeitsplätzen zu kompensieren. „Da geht es ganz klar auch um Gewerbeflächen“, macht Andreas Kuhn deutlich.

Der Neu-Liberale Marcus Wiegand signalisiert die Zustimmung der FDP zur Stellungnahme. Sein persönlicher Eindruck: „Hohne ist gespalten. Wenn ein Ende des Kalkabbaus festgelegt wird, gibt es für Hohne eine Chance für die Entwicklung des Ortsteils.“

Rund 40 Mitarbeiter von Dyckerhoff und zahlreiche weitere Zuschauer verfolgten die Ratssitzung im Veranstaltungsraum der Stadtsparkasse. Zeitweise schauten sie sprichwörtlich in die Röhre: Die Ratsmitglieder verfolgten die Änderungen der Stellungnahme auf ihren Dienst-Tablets. Zwar wurde der Text auch mittels Beamer auf eine Leinwand projiziert. Aus dem Zuschauerraum war allerdings nicht zu erkennen, was an welcher Stelle geändert wurde.

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