Kalksteinabgrabung contra Naturschutz
Arbeitsplätze und „Kronjuwelen“

Lengerich -

Auf verhaltenes Interesse ist am Montagabend die Podiumsdiskussion „Industrielle Arbeitsplätze am Teutoburger Wald“ gestoßen, zu der vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) eingeladen worden war. In der Gempt-Halle blieben viele Stühle leer. Knapp 100 Besucher hörten den Ausführungen der Gäste auf dem Podium zu.

Dienstag, 21.03.2017, 19:03 Uhr

Stellten sich den Fragen aus dem Publikum und von Moderator Volker Nicolai-Koss: Wilhelm Möhrke, Peter Schuld, Frank Sundermann, Jan-Niclas Gesenhues, Felix Holling, Wiebke Reerink und Ernst Goldbeck (von rechts).
Stellten sich den Fragen aus dem Publikum und von Moderator Volker Nicolai-Koss: Wilhelm Möhrke, Peter Schuld, Frank Sundermann, Jan-Niclas Gesenhues, Felix Holling, Wiebke Reerink und Ernst Goldbeck (von rechts). Foto: Michael Baar

Die Bezirksregierung müsse Gewerbeflächen zur Verfügung stellen, um neue Arbeitsplätze schaffen zu können. Mit den Kalkstein-Vorräten müsse verantwortungsvoll umgegangen werden. Ihm gehe es darum, was für Lengerich insgesamt gut sei, stellte Bürgermeister Wilhelm Möhrke fest.

Nicht nur Arbeitsplätze, auch Ausbildungsplätze müsse man im Blick haben, mahnte Frank Sundermann . Prozesse zur Schaffung von Arbeitsplätzen müssten jetzt eingeleitet werden, so der SPD-Landtagsabgeordnete.

Arbeitsplätze wie Naturschutz seien gesellschaftliche Güter. Aber mit Blick auf die FFH-Gebiete – „Die Kronjuwelen des Naturschutzes“ – war für Jan-Niclas Gesenhues klar, dass 2027 Schluss sein müsse mit dem Abbau von Kalkstein. Das Thema Industrie 4.0 biete Chancen für attraktive neue Arbeitsplätze, war der Bundestagskandidat von Bündnis 90/Die Grünen überzeugt.

„Wir schmeißen der Industrie Steine in den Weg, was nicht sein muss“, gab Felix Holling seine Eindrücke wieder. Der CDU-Landtagskandidat sah in der Digitalisierung nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. „Wir müssen mehr tun, als auf die Regierung zu hoffen.“

Fingerspitzengefühl bei einem sensiblen Thema mahnte Wiebke Reerink an. Vertreter von Umweltschutz und Industrie müssten sich an einen Tisch setzen. In Lengerich reiche die Zeit, eine sozialverträgliche Regelung zum Ende des Kalkabbaus zu treffen.

„Der Mensch ist mir wichtiger als die Fledermaus“, sagte Ernst Goldbeck. Auch der Strukturwandel funktioniere nicht, so der Landtagskandidat der Linken. Und eine Arbeitslosenquote von rund vier Prozent verwische die Realität: 33 Prozent aller Beschäftigten seien Billiglöhner, Aufstocker oder andere schlecht Bezahlte.

Arbeit mit einem auskömmlichen Einkommen und Mitbestimmung. Peter Schuld, Industriegruppensekretär der IG BCE, hat klare Vorstellungen davon, wie Beschäftigung auszusehen hat. Seine Warnung: „Das, was Zukunft sein soll, hat keine tariflichen Arbeitsverhältnisse.“

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