Vortragsreihe Ev. Kirchenkreis
Luther und die Freiheit

Lengerich -

Der Reformator Martin Luther und das hohe Gut der Freiheit. Wie hängt das zusammen? Antworten hat Dr. Christopher König bei einem Vortrag gegeben.

Freitag, 14.04.2017, 14:04 Uhr

Christopher König befasste sich mit Fragen der Reformation aus unterschiedlichen Sichtweisen.
Christopher König befasste sich mit Fragen der Reformation aus unterschiedlichen Sichtweisen. Foto: Christine Fernkorn

Luthers Theologie war eng mit den religiösen Problemen seiner Zeit verbunden“, meinte Dr. Christopher König . Im Rahmen der Theologischen Vortragsreihe des evangelischen Kirchenkreises befasste er sich mit Fragen der Reformation aus unterschiedlichen Sichtweisen, heißt es in einer Pressemitteilung.

„Martin Luther war ein Mensch der Wende ins 16. Jahrhundert. Wenn man die religiöse Reformation Wittenbergs als Teil einer sozialen und intellektuellen Umbruchsgeschichte nicht isoliert, sondern im Kontext betrachtet, kann man sie durchaus in die Freiheitsgeschichte Europas hineinstellen“, so der wissenschaftliche Mitarbeiter am Lehrstuhl für Reformationsgeschichte der Ruhr-Universität Bochum.

Wer sich auf die Reformation als Beginn einer Geschichte des Gewissens, der Freiheit und der Pluralität berufe, tue gut daran, den Abstand zum 16. Jahrhundert im Blick zu behalten und die schwierigen, teilweise blutigen, militärischen, mit Migrationen und Vertreibungen durchzogenen Entwicklungen nicht zu übersehen, die zwischen Luther und dem freiheitlichen Europa stehen, meinte er.

Prominente Protestantismus-Forscher wie Thomas Kaufmann und Heinz Schilling haben deutliche Kritik an der von der Evangelischen Kirche Deutschlands ( EKD ) herausgegebenen Publikation „Rechtfertigung und Freiheit“ geübt. Die EKD-Schrift aus dem Jahr 2014 stelle die theologische und gedächtnispolitische Grundlage des Reformations-Jubiläumsjahrs 2017 dar, berichtete Christopher König. Luther werde darin als Begründer der individuellen Mündigkeit verstanden. Nach Auffassung des Referenten sei wesentlich, dass die Freiheit ein hohes und im Lauf der europäischen Geschichte schmerzhaft errungenes Gut sei, an dem auch die Geschichte des Christentums Anteil habe.

Der Thesenanschlag an die Tür der Schlosskirche Wittenberg und Luthers Auftreten vor dem Wormser Reichstag mit den Worten „Hier stehe ich, ich kann nicht anders!“ seien zu Nahaufnahmen geworden. Diese Nahaufnahmen hätten visuelle Ursprungmomente des Aufbegehrens gegen einengende kirchliche Traditionen und des mutigen Widerspruchs eines Einzelnen gegen fehlgerichtete kirchliche und weltliche Obrigkeit geprägt, betonte der Theologe. Dass Luther sich nicht an die breite Öffentlichkeit, sondern an seine Vorgesetzten wandte, sei durchaus brisant gewesen.

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