Karfreitags-Meditation im Martin-Luther-Haus
Anrührende Musik

Lengerich -

Zu einer „Meditation zur Sterbestunde Christi“ hatte die evangelische Kirchengemeinde am Karfreitag ins Martin-Luther-Haus eingeladen. Den Passionsbericht des Evangelisten Matthäus las Anne Körner, den musikalischen Part übernahmen Kantor Christoph Henzelmann und Sopranistin Heike Hallaschka.

Montag, 17.04.2017, 20:04 Uhr

Gestalteten die „Meditation zur Sterbestunde Christi“: Christoph Henzelmann, Heike Hallaschka und Anne Körner (von links).
Gestalteten die „Meditation zur Sterbestunde Christi“: Christoph Henzelmann, Heike Hallaschka und Anne Körner (von links). Foto: Gabriele Henzelmann

Um drei Uhr am Karfreitagnachmittag lud der dunkle Ton der Totenglocke im Turm der Stadtkirche zu einer „ Meditation zur Sterbestunde Christi“ ein. Des Kreuzestodes gedachte man wegen der Arbeiten in der Stadtkirche diesmal im Saal des Martin-Luther-Hauses. Viele Gläubige waren gekommen, um sich durch den Passionsbericht des Evangelisten Matthäus, gelesen von Anne Körner , und die Musik das Heilsgeschehen zu vergegenwärtigen. Für den musikalischen Part zeichneten Kantor Christoph Henzelmann am Flügel und die in Lengerich bekannte Sopranistin Heike Hallascka mit Antonin Dvořáks „Biblischen Liedern“ verantwortlich.

Dvořák komponierte diese auf Psalmversen basierenden Lieder im Jahre 1894 in New York, als er eine schwere wirtschaftliche und emotionale Krise durchlitt. Es sind meist syllabisch angelegte schlichte Melodien in tschechischer Sprache, die wegen ihrer anderen Färbung, anderen Silbenverteilung und -betonung schwer ins Deutsche zu übertragen ist.

Heike Hallaschka hatte sich Gott sei Dank für die bis dato wohl beste und glatteste Übertragung von Dietrich Fischer-Dieskau entschieden. Ursprünglich sind diese zehn Lieder für Klavier und Alt- oder Baritonstimme, in Lengerich erklangen sie in der Fassung für Sopran. Wie die Psalmen die ganze Palette seelischer Zustände ausdrücken, gelingt es Dvořák, solche in anrührende Musik umzusetzen, vom Lobpreis über Bitten und tiefe Klage. Es gelang den beiden Musizierenden auf beeindruckende Weise, diese Emotionen, ob dramatisch (Nr. 1), bittend (Nr. 6) oder tänzerisch freudig (Nr. 10) zu übermitteln. Der Klavierpart mit seinen vielen Vorzeichen verlangt hohe technische Fertigkeiten. Für Kantor Henzelmann kein Problem. Er konnte auf dem vom Förderverein gestifteten neuen Flügel mit differenziertem Anschlag nuancierte Linien herausarbeiten und das Instrument quasi zum Singen animieren.

Umrahmt wurde diese Stunde von zwei Liedern von Karl Heinz Taubert, wobei sich das erste der Friedrich-von-Spee-Melodie „In stiller Nacht“ bediente.

Wie sehr sich die Gläubigen innerlich hatten ansprechen ließen, zeigte sich an dem langen, offenbar tief beeindruckten Schweigen am Ende dieser dem Anlass sehr angemessenen, würdigen Stunde.

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