Die Jagdfallen-Katzen leiden
Tierheim kämpft mit Folgen eines Gesetzes

Lengerich -

41 Katzen leben nach Angaben von Tierheim-Leiterin Conny Backhaus derzeit in der Einrichtung am Setteler Damm. 21 davon sind Exemplare, die mit Jagdfallen gefangen wurden. Daraus ergeben sich Probleme.

Montag, 08.05.2017, 05:05 Uhr

Bombay ist eine Wildkatze und sucht sofort das Weite, wenn sich ein Mensch nähert. Das heißt: Sie ist unvermittelbar.
Bombay ist eine Wildkatze und sucht sofort das Weite, wenn sich ein Mensch nähert. Das heißt: Sie ist unvermittelbar. Foto: Bettina Laerbusch

Bombay ist eine ebenso wilde wie schüchterne Katze . Sie macht sofort die Biege, wenn sie einen Menschen sieht oder hört. Es muss auch nur ein Schlüsselbund aus Versehen auf den Boden fallen – und die Katze glaubt, um ihr Leben rennen zu müssen. Das bedeutet: Das Tier ist nicht vermittelbar. Allerhöchstens ein Landwirt könnte kommen und die Katze aus dem Tierheim mit auf seinem Hof nehmen, wo sie draußen frei leben könnte. Doch ob sie dort bleiben würde?

Keine Frage: Das neue Jagdgesetz, das die rot-grüne Landesregierung in Düsseldorf vor genau zwei Jahren verabschiedet hat, bereitet der Leiterin des Tierheims in Lengerich , Conny Backhaus , große Probleme. „Aktuell haben wir 41 Katzen bei uns, 21 davon sind Jagdfallen-Katzen.“

App informiert über Tiere, die in die Falle tappen

Mit dem neuen, „modernen, fortschrittlichen und ökologischen Jagdgesetz“ (Originalton Umweltminister Johannes Remmel) wollte und will die Landesregierung den Tierschutz stärken und den Schutz des Waldes verbessern. Bestandteil des neuen Regelwerkes ist das Verbot, wilde Katzen zu schießen. Jägern und Landwirten bleibt, wenn sie Vögel und andere Kleintiere schützen wollen, nichts anderes übrig, als Fallen für die Katzen aufzustellen. Per App, erläutert Conny Backhaus, würden sie informiert, wenn ein Tier in eben einer dieser Falle getappt sei. Ist es eine verwilderte Katze, wird sie ins Tierheim gebracht.

Trotz anders lautenden Gerüchten: Diese Katzen setzen Conny Backhaus und ihre Kollegen nicht wieder aus. Sie werden kastriert, entwurmt, mit einem Chip versehen – und dann „eingesperrt“, wie es Ulla Mertin , Vorsitzende des Tierschutzvereins Lengerich/Westkappeln, ausdrückt.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Conny Backhaus und Ulla Mertin sind froh, dass die verwilderten Katzen nicht mehr geschossen werden dürfen. Sie sagen aber auch ganz deutlich: „Wir brauchen eine Lösung“; „wir kriegen Platzprobleme“. Nimmt die Zahl der abgelieferten Exemplare weiter so zu, stößt das Tierheim schon bald an seine Grenzen.

Die wilden Tiere leiden

Und nicht nur das: Die wilden Tiere leiden. Sie urinieren und setzen Kot ab – aus Angst, aus Protest, weil sie sich unwohl fühlen. Auch aus Tierschutzgründen, machen beide Frauen unmissverständlich klar, sei die derzeitige Situation nicht hinnehmbar. Backhaus und Mertin würden die Tiere sehr wohl gerne wieder aussetzten – „nicht alle in Lengerich, sondern dort, wo sie gefunden wurden“, macht Backhaus klar.

Beide plädieren in diesem Zusammenhang ohne Einschränkung für eine Kastrationspflicht auch von privaten Katzen. Backhaus: „Alle Katzen, die das Tierheim verlassen, sind kastriert. Wenn das aufgrund ihres Alters noch nicht möglich war, unterschreiben die neuen Besitzer, dass sie die Kastration vornehmen lassen werden“, ergänzt Ulla Merten. Die entsprechende Bescheinigung eines Tierarztes müsse vorgelegt werden. „Und das wird kontrolliert“, betont die Vereinsvorsitzende. Im Alter zwischen einem halben und einem dreiviertel Jahr sei die Kastration richtig. Dass eine gesetzlich vorgeschriebene Kastrationspflicht das Problem nicht von heute auf morgen löst, wissen natürlich auch Backhaus und Mertin. „Doch es ist ein Anfang“, sagt die Tierheimleiterin, „um den Katzenbestand zu reduzieren.“

Suche nach einer geeigneten Lösung

Ein Anfang ist ganz sicher auch diese Tatsache: Jäger aus dem direkten Umkreis haben das Tierheim-Team gerade um einen „Runden Tisch“ mit allen Beteiligten gebeten (Tierheim, Jäger, Politik etc.), „um zu diskutieren, welche Möglichkeiten es gibt, um auf der einen Seite das Tierheim nicht mit verwilderten Katzen zu überschwemmen und auf der anderen Seite auch den Jägern und der Hege gerecht zu werden“, bringt es Backhaus im Gespräch mit unserer Zeitung auf den Punkt. Über diese Vorstoß freut sie sich, denn es gehe „um eine – für alle im Sinne des Tierschutzes – vernünftige Lösung, die auch alle Beteiligten wollen und brauchen“. 

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