Fotokurs um Kreislehrgarten
Mit dem Blick für‘s blühende Detail

Steinfurt -

Irgendwer hat immer die Augen zu. Ein anderer schneidet Grimassen. Oder guckt in die falsche Richtung. Menschen zu fotografieren, zumal in Gruppen, ist ein hartes Brot. Dass aber auch Pflanzen keine konfliktfreie Klientel bilden, lernt unsere freie Mitarbeiterin beim Workshop von Marion Nickig im Kreislehrgarten.

Donnerstag, 17.08.2017, 23:08 Uhr

Wie war das mit der Tiefenschärfe? Gartenfotografin Marion Nickig (links) gibt Tipps, wie sich die Blütenpracht des Kreislehrgartens in Szene setzen lässt.
Wie war das mit der Tiefenschärfe? Gartenfotografin Marion Nickig (links) gibt Tipps, wie sich die Blütenpracht des Kreislehrgartens in Szene setzen lässt. Foto: Ulrike Havermeyer

Irgendwer hat immer die Augen zu. Ein anderer schneidet Grimassen. Oder guckt in die falsche Richtung. Menschen zu fotografieren, zumal in Gruppen, ist ein hartes Brot. Dass aber auch Pflanzen keine konfliktfreie Klientel bilden, lerne ich beim Workshop von Marion Nickig im Kreislehrgarten.

Regelmäßig ächzt die Pflanzen-Fotografin aus Essen schwer beladen mit Fototasche, Stativ und allerlei weiterem Zubehör durch den Kreislehrgarten in Steinfurt. Denn selbst für jemanden, der im Auftrag von Lifestyle-Magazinen, Fachzeitschriften und Buchverlagen halb Europa bereist und somit die Abbilder der botanischen Quintessenzen von England über Frankreich bis nach Italien in seiner Westentasche, oder besser gesagt, auf dem Speicherchip mit sich herumträgt – selbst ein solcher Profi findet auf dem rund drei Hektar großen Areal des 1914 angelegten Demonstrations- und Schulgartens im Münsterland immer wieder lohnende Motive.

Kekse knabbernd sitze ich inmitten eines Dutzends wissensdurstiger Foto-Enthusiasten im Kötterhaus des Lehrgartens und blicke besorgt aus dem Fenster: Zwar hat uns Marion Nickig gerade erklärt, dass grelles Sonnenlicht bei der Naturfotografie tunlichst zu meiden sei, weil es die Farben auffresse und am Ende statt eines leuchtenden Blütenmeeres nur lauter weiße, nicht zu druckende Löcher im Bild hinterlasse – doch das Potpourri aus Wolkenbruch, Nieseldusche und Schauerregen, das sich an diesem Sommertag über dem Kreislehrgarten ein Stelldichein gibt, dürfte eine optimale Ausleuchtung entschieden verwässern.

Das westfälische Schietwetter verdeutlicht uns Teilnehmern am Workshop „Blütenpracht perfekt ins Bild gerückt“ immerhin hübsch anschaulich, mit welchen Tücken ein Gartenfotograf zu kämpfen hat. „Im Extremfall helfen einem da nur zeitliche Flexibilität und eine engelsgleiche Geduld“, seufzt Marion Nickig.

Während draußen also der Regen auf Dahlien, Rosen und Apfelbäume prasselt und sich drinnen die Schälchen mit dem Schokogebäck leeren, plaudert Marion Nickig mit besagter Engelsgeduld aus dem Nähkästchen ihrer Erfahrung: „Besonders wichtig finde ich, dass Sie Ihre Aufnahme so bewusst wie möglich anlegen – bloß nicht wie zufällig im Vorbeigehen“, schärft Nickig immer wieder den Blick sowohl für die Details als auch für die Gesamtkomposition.

Denn ganz egal, ob wir mit dem Makro-Objektiv die filigrane Ästhetik einer Blüte oder mit dem Weitwinkel die architektonische Raffinesse einer Parklandschaft einfangen: „Die Kamera erfasst eine Szene anders, als unser Auge sie wahrnimmt“, gibt die Fachfrau zu bedenken, „und das Foto ist gnadenlos“.

Wer beim Panoramabild den störenden Mülleimer im Hintergrund übersieht oder sich bei einer Nahaufnahme durch ein nicht sanft aus dem Fokus gebogenes welkes Blatt die Aufnahme verdirbt – dem könnte bestenfalls dann nur noch die anschließende Bildbearbeitung aus der Misere helfen.

Als unverzichtbare Hilfsmittel fischt sie einen zusammenfaltbaren Reflektor und einen ebensolchen Diffusor aus ihrer Zubehörtasche. Mit dem Erstgenannten wird das Sonnenlicht auf die schattigen Bereiche umgelenkt. Wohingegen der mit einer transparenten Gardine bespannte Diffusor als „Wolke to go“ bei zu harten Lichtverhältnissen eingesetzt wird. Außerdem rät die Fotografin dazu, stets eine Sonnenblende zu benutzen, um störende Reflexionen im Objektiv zu vermeiden. Auch ein Mikrofasertuch zum Reinigen der Linse gehöre unbedingt zum Equipment.

Am Ende lichten sich für einen kurzen Moment die Wolken – und wir strömen mit gezückten Kameras hinaus in die frisch gewaschene Botanik, um das Gelernte anzuwenden. An Motiven mangelt es im Kreislehrgarten wahrlich nicht.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5083973?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F175%2F
Nachrichten-Ticker