Altes Dyckerhoff-Kalkwerk
Beine werden gesprengt

Lengerich -

Die Dimensionen des ehemaligen Kalkwerkes auf dem Dyckerhoff-Gelände sind beachtlich. Doch Martin Hopfe ist durchaus Größeres gewohnt. Er ist der Fachmann, der am 3. November für die Sprengung der alten Anlage verantwortlich ist.

Samstag, 21.10.2017, 07:10 Uhr

Am ehemaligen Kalkwerk laufen bereits die Demontage-Arbeiten. Insbesondere schadstoffhaltige Materialien werden entfernt und entsorgt. In den Stahlbeton-Beinen unter den Ofenkammern werden die Sprengladungen positioniert.
Am ehemaligen Kalkwerk laufen bereits die Demontage-Arbeiten. Insbesondere schadstoffhaltige Materialien werden entfernt und entsorgt. In den Stahlbeton-Beinen unter den Ofenkammern werden die Sprengladungen positioniert. Foto: Michael Baar

Für Martin Hopfe ist das ehemalige Kalkwerk auf dem Dyckerhoff-Gelände kein spektakulärer Auftrag. „Keine 20 Kilogramm Sprengstoff‘“ wird er am 3. November zünden, um das Gebäude gezielt zu zerstören. Der „Lange Oskar“ in Hagen oder ein 300 Meter hoher Schornstein seien da schon andere Hausnummern gewesen. Beim „Langen Oskar“ handelte es sich um ein Bürogebäude, für das er 1250 Sprengladungen in dem 100 Meter hohen Haus exakt platziert hatte.

Kein Nebengebäude wurde damals in Mitleidenschaft gezogen. So soll es auch auf dem Dyckerhoff-Gelände sein, wenn das Kalkwerk fällt. Und auch die Nachbarn sollen allenfalls den Knall der Sprengung hören. Ins Wanken geraten werden sie nicht. Das geht aus einer Erschütterungs-Prognose hervor, die erstellt worden ist. Demnach sollen am nächstgelegenen Wohnhaus Erschütterungen von 1,5 Millimeter mit einer Frequenz von unter zehn Hertz ankommen. Die DIN 4150-3, die solche Dinge reguliert, sieht einen oberen Grenzwert von fünf Millimetern vor.

Ob es so kommt, wird am 3. November überprüft. Zwei Erschütterungsmessgeräte werden aufgebaut, erläutert Martin Hopfe beim Informationstermin für die Nachbarn – von denen aber keiner gekommen ist. Offenbar hat der Info-Flyer, den Dyckerhoff Anfang des Monats in der Nachbarschaft verteilt hat, genügend Informationen geliefert.

Ein zweites Thema ist die Staubentwicklung, wenn das ehemalige Werk zusammenfällt. Um die in Grenzen zu halten, arbeiten Werkfeuerwehr und Freiwillige Feuerwehr Hand in Hand. „Ein Hydroschild soll den Staub binden“, sagt Michael Semder. Hinter dem Begriff verbirgt sich eine etwa fünf Meter hohe und 40 Meter breite Wasserwand, die in Richtung Westen errichtet wird. Schneekanonen der Abbruchfirma sowie Wassernebel sind ebenfalls im Einsatz, um den Staub sofort niederzuschlagen, erläutert der Leiter der Werkfeuerwehr.

Wie gut das geklappt hat, wird sich nach der Sprengung an zehn Autos zeigen. Die werden – frisch gewaschen – auf dem Gelände verteilt und dienen nachher als Indikator für die Staubentwicklung. „Wir sind gerne bereit, die Kosten für eine Wagenwäsche zu übernehmen“, stellt Werksleiter Franz-Josef Barton fest. „Aber nur, wenn wir auch der Verursacher der Verschmutzung sind.“

Die Sprengladungen – jeweils zwischen 800 und 1000 Gramm wiegend – werden in die Stahlbeton-Beine des Kalkwerks eingesetzt. Dafür werden vorher Bohrungen mit einem Durchmesser zwischen 36 und 38 Millimetern angelegt. „Geladen werden die Bohrlöcher ab dem 1. November“, erzählt der Sprengmeister. „Sprengen ist zu 75 Prozent Erfahrung“, sagt er. Dennoch, daraus macht er keinen Hehl, wird auch am 3. November die innere Anspannung wieder steigen. „Das gehört dazu.“

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