Video von der Sprengung
Ehemaliges Kalkwerk Dyckerhoff gesprengt: Ein Sekunden-Schauspiel

Lengerich -

Ein lauter Knall – fünf Sekunden später sind vom ehemaligen Kalkwerk auf dem Gelände der Firma Dyckerhoff nur noch Stahl- und Betontrümmer übrig. Das vor sieben Jahren außer Betrieb genommene Gebäude ist am Freitag gesprengt worden.

Freitag, 03.11.2017, 14:11 Uhr

Eine Sekunde nach der Sprengung neigt sich das ehemalige Kalkwerk, den Gesetzen der Schwerkraft folgend, dem vorbereiteten Fallbett entgegen, in dem es wenige Augenblicke später unter starker Staubentwicklung aufschlägt. Alles ist nach Plan verlaufen.
Eine Sekunde nach der Sprengung neigt sich das ehemalige Kalkwerk, den Gesetzen der Schwerkraft folgend, dem vorbereiteten Fallbett entgegen, in dem es wenige Augenblicke später unter starker Staubentwicklung aufschlägt. Alles ist nach Plan verlaufen. Foto: Cengiz Sentürk

Mancher Zuschauer zuckte bei dem lauten Knall zusammen. Wer auch noch weggeschaut hat, dürfte nicht viel gesehen haben vom Ergebnis der Sprengung: Innerhalb weniger Sekunden ist das ehemalige Kalkwerk auf dem Dyckerhoff-Gelände umgestürzt. „Eine erste Überprüfung hat ergeben, es ist alles gut gelaufen“, stellte Sprengmeister Martin Hopfe fest.

Wetterbedingte Verzögerung

Die Verzögerung der für 10 Uhr geplanten Sprengung um eine knappe Viertelstunde war allein der Witterung geschuldet. Sicherheitsposten auf dem Werksgelände sollten dafür Sorge tragen, dass sich im Gefahrenbereich keine Unbefugten aufhalten. Das diesige Wetter erschwerte die Sache. Doch dann klärt es sich wohl etwas auf: Benachbarte Posten können sich sehen, so die Nachricht. Kurz darauf drehte die Feuerwehr die Wasserregler auf. Zwei große Bögen erhoben sich über dem vorbereiteten Fallbett. Am Zaun in Richtung Dyckerhoffstraße perlten sogenannte Wasserschilde.

Ehemaliges Dyckerhoff-Kalkwerk in Lengerich erfolgreich gesprengt

„Ich zähle gleich runter, drei, zwei eins“, informierte Martin Hopfe am Beobachtungspunkt auf dem Werksgelände. Kaum hatte er „Null“ gesagt, detonierten die knapp 20 Kilogramm Sprengstoff in den westlichen Stützbeinen der ehemaligen Kalköfen. Fünf Sekunden später war die Fläche über dem Fallbett von Staub verhüllt.

7000 Tonnen Schutt

Als die Sicht besser wird, nehmen Martin Hopfe und Michael Semder, Leiter der Werksfeuerwehr Dyckerhoff , den rund 7000 Tonnen schweren Schutthaufen aus Stahl und Beton in Augenschein. „Das Gebäude ist so gefallen, wie es sollte“, stellt Martin Hopfe mit einem Lächeln auf den Lippen fest.

Die Sprengung hatte für einen ungeahnten Zuschauerzuspruch gesorgt. Auf dem extra eingerichteten Beobachtungspunkt an der Dyckerhoffstraße verfolgten mehrere Hundert Menschen das ungewöhnliche Ereignis – und sorgten dafür, dass es auf der Straße kein Durchkommen mehr für Fahrzeuge gab.

Ehemaliges Kalkwerk gesprengt

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  • Die Minuten vor der Sprengung. Hinter den ausgebauten Stahlteilen ist das Schotterbett zu erkennen, in das das ehemalige Kalkwerk stürzen soll.

    Foto: Michael Baar
  • Mit Vlies und Maschendraht umhüllt sind die Stützen des ehemaligen Werkes, die gesprengt werden und das Gebäude zum Einsturz bringen sollen.

    Foto: Michael Baar
  • Ein letzter Kontrollgang über das Gelände.

    Foto: Michael Baar
  • Hinter dem Schotterbett ist eine Arbeitsgruppe der Feuerwehren zu sehen, die von dort aus einen Teil des Wasservorhangs errichten wird, um die Staubentwicklung zu dämmen.

    Foto: Michael Baar
  • Zahlreiche geladene Besucher verfolgen vom Werksgelände aus die Sprengung.

    Foto: Michael Baar
  • Zwei Wasserbögen sind über dem Fallbett errichtet.

    Foto: Michael Baar
  • Am westlichen Zaun sind sogenannte Wasserschilde zu erkennen, die Staub niederdrücken sollen.

    Foto: Michael Baar
  • Gerade sind die Sprengladungen gezündet worden. Am linken Bildrand ist das einstürzende Kalkwerk zu erkennen.

    Foto: Michael Baar
  • Jetzt geht es schnell. Das Gebäude...

    Foto: Michael Baar
  • ...hat den Halt verloren durch die Sprengung der Stützen...

    Foto: Michael Baar
  • ...und neigt sich immer schneller...

    Foto: Michael Baar
  • ...dem vorbereiteten Fallbett entgegen...

    Foto: Michael Baar
  • ...auf das es dann mit ziemlicher Wucht...

    Foto: Michael Baar
  • ...stürzt und dabei eine Staubwolke entwickelt...

    Foto: Michael Baar
  • ...die von den Wasserwänden niedergedrückt wird.

    Foto: Michael Baar
  • Dennoch ist in den ersten Momenten nichts vom gestürzten Gebäude zu erkennen.

    Foto: Michael Baar
  • Martin Hopfe von der Thüringer Spreng GmbH und Michael Semder (rechts), Leiter der Werksfeuerwehr Dyckerhoff, werfen einen ersten Blick auf das Fallbett.

    Foto: Michael Baar
  • Die Wasserbögen laufen nach der Sprengung weiter, um die Staubentwicklung zu dämpfen.

    Foto: Michael Baar
  • Schließlich ist der Blick frei aufs Fallbett, in dem die Kalkwerk-Trümmer wie geplant niedergegangen sind.

    Foto: Michael Baar
  • Blick von der Rückseite des ehemaligen Kalkwerks. Dessen Trümmer sind über dem Gebäude im Vordergrund zu erkennen.

    Foto: Michael Baar
  • Nicht geplant: Im Gebäude hinter dem ehemaligen Kalkwerk sind einige Fensterscheiben zersprungen.

    Foto: Michael Baar
  • Der Schotterhaufen im Vordergrund ist um die hinteren Stützen der ehemaligen Kalköfen aufgehäuft worden. Die runden Segmente sind die Böden der Ex-Öfen.

    Foto: Michael Baar
  • Wie stark hat´s gestaubt? Vertreter der Bezirksregierung, von Dyckerhoff und dem Ordnungsamt nehmen einen der zehn ums Werksgelände verteilten Testwagen in Augenschein.

    Foto: Michael Baar

Eine halbe Stunden später hat sich alles wieder normalisiert. Die Besucher, die auf das Werksgelände durften – unter ihnen viele Dyckerhoff-Mitarbeiter –, haben den Aussichtspunkt verlassen. Im Werk läuft die Produktion wie gehabt. Bis zum Jahresende sollen die Schuttreste des ehemaligen Kalkwerks entsorgt sein, erläutert Steffi Fischer.

Autos blieben sauber

Die Umweltbeauftragte hat noch eine wichtige Aufgabe zu erledigen: Am Freitagmorgen sind zehn dunkle Pkw gewaschen und an vorbezeichneten Punkten rund um das Werksgelände abgestellt worden. Die Autos kommen jetzt zurück, werden von André Riesmeier (Bezirksregierung Münster) in Augenschein genommen. Es geht darum festzustellen, ob durch die Sprengung Fahrzeuge verschmutzt worden sind. Beobachter sind Frank Nassmacher und Jacqueline Sütterlin vom Ordnungsamt der Stadt. Sie finden – nichts. Wegen der Sprengung wird Dyckerhoff keine Autowäsche bezahlen müssen. 

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