Lengericherin wird 105 Jahre
Wie aus dem Ei gepellt

Lengerich -

Sie wurde in Intrup geboren, am 22. Dezember 1912. Elfriede Lagemann hat immer in Lengerich gewohnt. Zu ihrem 105. Geburtstag am Freitag haben sich zahlreiche Gratulanten angekündigt.

Freitag, 22.12.2017, 06:12 Uhr

Mit einem Lächeln geht Elfriede Lagemann darüber hinweg, dass sie heute 105 Jahre alt wird. Haus und Garten hat sei immer gerne versorgt. Im Heimatverein ist sie gewandert und gehörte zur Trachtengruppe.
Mit einem Lächeln geht Elfriede Lagemann darüber hinweg, dass sie heute 105 Jahre alt wird. Haus und Garten hat sei immer gerne versorgt. Im Heimatverein ist sie gewandert und gehörte zur Trachtengruppe. Foto: Michael Baar

„Besuch für Sie, Frau Lagemann .“ Die Angesprochene hebt den Kopf, schaut die junge Pflegekraft an. „Der Mann von der Zeitung, weil Sie doch am Freitag Geburtstag haben.“ Im Gesicht von Elfriede Lagemann ist nicht abzulesen, was sie von dieser Mitteilung hält. Dafür hebt rund um den Tisch das Getuschel bei den anderen älteren Frauen an: „Geburtstag, Geburtstag, Geburtstag.“ Es ist ein besonderer Ehrentag heute: Elfriede Lagemann wird 105 Jahre alt.

Bereitwillig verlässt sie das Damenkränzchen im Foyer des Altenzentrums Haus Widum, lässt sich von der Pflegerin im Rollstuhl zum Tisch vor der dunklen Anrichte schieben. Zunächst ein Foto, doch der Gesichtsausdruck der Altersjubilarin bleibt skeptisch. Silke Crowe kommt dazu und bricht das Eis. „Elfriede, lachen Sie doch mal.“ Erst nach mehreren Versuchen huscht so etwas wie ein Lächeln über die Wangen.

Die Betreuerin weiß, wie sie ihre Schutzbefohlene zu nehmen hat. „Sie haben doch immer viel gearbeitet“, stellt sie im Frageton fest. „Ja, im Garten.“ Die Seniorin ist wortkarg. So nach und nach kommt es ihr über die Lippen, dass sie in Intrup geboren wurde, immer in Lengerich gelebt hat.

Blumen und Natur haben es ihr zeitlebens angetan. Und wandern. Das ist wohl ihre große Leidenschaft gewesen. „Jeden Sonntag sind wir gewandert.“ Im Heimatverein, immer im Dunstkreis des Teutoburger Waldes. Gerne gesungen hat sie auch. „Das tun Sie doch heute auch noch“, unterstellt Silke Crowe und erntet ein Nicken.

Mit dem Heimatverein verbindet die Mutter zweier Kinder viel. So war sie in der Trachtengruppe aktiv. „Die Tracht stand mir wohl gut“, sagt sie und klingt kein bisschen eitel. Das gute Stück wird in Ehren gehalten, befindet sich in der Ausstellung im Heimathaus an der Bergstraße. Einen adretten Eindruck macht sie auch an diesem Morgen. Eine dunkle Weste mit Blumenmustern zu einer hellblauen Bluse mit Stickereien. „Wie aus dem Ei gepellt“ wurde früher dazu gesagt.

Wie sie ihren Mann kennengelernt hat? „Der wollte mich wohl“, sagt sie nach kurzem Nachdenken. Und fügt verschmitzt hinzu, „ich wollte ihn auch, und da habe ich zugepackt“. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass Elfriede Lagemann auch plattdeutsch spricht. Damit ist sie aufgewachsen. Und ein paar eingestreute Brocken der „Modersprauke“ wecken das Interesse der Seniorin. „Sie kommen nicht von hier“, stellt sie schnell fest.

Im Gesprächsverlauf haben sich ihre Gesichtszüge entspannt. Sie habe immer ein Lächeln im Gesicht, erzählt Silke Crowe über ihren Schützling. Der hat genau zugehört: „Das machen die hier doch alle auch“, kommt die Replik.

Haus und Garten, die hat sie immer gerne versorgt. „Ich wollte immer gepflegt aussehen“, beschreibt sie, was ihr ebenfalls immer wichtig gewesen ist. „Als ich ins Haus Widum kam, sind sie noch mit Hut und Sonnenbrille zum Einkaufen in die Stadt gegangen“, erinnert Silke Crowe die Altersjubilarin. Sieben Jahre ist das her. Elfriede Lagemann nimmt es zur Kenntnis. „Nicht alles so Ernst nehmen“, ist ihre Devise. Und: „Loat se doch küern“, die Leute.

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