Kläranlage ist bei Niederschlägen besonders gefordert
Der Regen nimmt seinen Weg

Lengerich -

Regen und kein Ende. So schien es in den vergangenen Tagen. Ein Großteil des Regenwassers, das in der Stadt anfällt, landet in der Lengericher Kläranlage. Was passiert dort damit? Die Westfälischen Nachrichten haben Nico Harmann von der Stadtentwässerung gefragt.

Freitag, 05.01.2018, 06:01 Uhr

Viel zu reinigen gibt es gerade an niederschlagsreichen Tagen in der Kläranlage. Denn zum Schmutzwasser aus Haushalten und Betrieben kommt dann noch das Regenwasser hinzu.
Viel zu reinigen gibt es gerade an niederschlagsreichen Tagen in der Kläranlage. Denn zum Schmutzwasser aus Haushalten und Betrieben kommt dann noch das Regenwasser hinzu. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Am Donnerstag hatte Petrus offenbar ein Einsehen. Er öffnete die Himmelsschleusen nur ein wenig. Nach den stürmischen und niederschlagsreichen Tagen zuvor war das für die Lengericher Kläranlage eine Art Verschnaufpause. Denn in der landet ein Großteil des Regenabwassers, das in der Stadt anfällt.

15 Liter auf den Quadratmeter

15 Liter auf den Quadratmeter seien am Mittwoch gemessen worden, erzählt Nico Harmann von der Stadtentwässerung. Das kommt zwar bei Weitem nicht an jene circa 50 Liter heran, die beim Starkregen im vergangenen Juli innerhalb weniger Minuten sturzbachartig über Lengerich niedergingen, ist aber eine durchaus beachtliche Menge und reichte, um die Kapazitäten am Poolweg voll auszulasten. In der dortigen kommunalen Kläranlage kommt das Regenwasser an, das über die vielen Gullis im insgesamt 166 Kilometer langen Leitungsnetz landet – meist vermischt mit dem Schmutzwasser aus Haushalten und Betrieben. Das Gemenge heißt im Fachjargon Mischwasser.

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Dass in die Kanäle zeitweise mehr Wasser hineinfließt als im Klärwerk verarbeitet sprich gereinigt werden kann, ist nicht ungewöhnlich. Für diese Fälle gibt es Becken, die als Zwischenspeicher dienen. Das Reservoir, das sich dort ansammelt, kann in der Folge nach und nach zurück ins Abwassernetz gepumpt werden. „Ein paar Mal im Jahr“, so Nico Haarmann, reiche aber auch das nicht, um die gesamte Abwassermenge zu verarbeiten. Bei solchen durch starke Regenereignisse verursachten Situationen gelangt das Abwasser über Regenrückhaltebecken am Ende direkt in ein Gewässer. Das sei aber „unbedenklich“ versichert der Mann von der Stadtentwässerung. Denn der Anteil des Regenwassers am Mischwasser sei dann so hoch, dass die fehlende Reinigung nicht so gravierend zu Buche schlage wie im Normalfall.

Getrenntes Netz erfordert höheren Aufwand

Alternativ zum Mischwassersystem gibt es auch Teile im Kanalnetz, in denen Regen- und Schmutzwasser getrennt voneinander durch die Leitungen laufen. Gerade in Neubaugebieten sei das der Fall, erklärt Nico Hermann. Der Vorteil: Das Regenwasser, das nicht geklärt werden muss, kann direkt in ein Gewässer abgeführt werden. Doch nicht überall mache das Sinn, schränkt er ein und verweist als Beispiele auf Gewerbegebiete und Hauptverkehrsstraßen, wo das Regenwasser, das in die Abflüsse gelange, derart belastet sein könne, dass es eine Reinigung erforderlich mache. Zudem bedeutet der Aufbau eines getrennten Netzes zunächst natürlich einen höheren Aufwand, weil statt einer Leitung zwei verlegt werden müssen.

Wetteraussicht: Wieder trockener

Sollten die Wetterexperten recht behalten, dann wird in Lengerichs Kläranlage in den kommenden Tagen wohl überwiegend Schmutzwasser ankommen. Denn spätestens ab kommender Woche soll es weitgehend trocken und vielleicht sogar einmal sonnig werden.

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