Lengericher Brüder vor Gericht
Eine Backpfeife mit Folgen

Lengerich/Tecklenburg -

Zwei Brüder aus Lengerich mussten sich am Freitag vor dem Amtsgericht in Tecklenburg verantworten – in zwei getrennten Verfahren. Auslöser des Ganzen war offenbar eine Backpfeife, die ihr kleiner Bruder vor geraumer Zeit erhalten hatte.

Sonntag, 07.01.2018, 20:01 Uhr

 
  Foto: dpa

Eine Backpfeife, die ihr kleiner Bruder bekommen hatte, war der Auslöser, der zwei Brüder aus Lengerich auf die Anklagebank des Amtsgerichts Tecklenburg brachte. Die Staatsanwaltschaft legte dem jüngeren heute 25-Jährigen am Freitag in einem ersten Verfahren gefährliche Körperverletzung und Bedrohung zur Last, später dem fünf Jahre älteren Bruder gefährliche Körperverletzung.

Tatorte an einem späten Septemberabend im Jahr 2016 waren der Schulhof der Bodelschwingh-Realschule sowie drei Stunden später wenige hundert Meter weiter die Straße am Wohnhaus der Geschädigten. Eigentlich sei die Sache mit der Backpfeife bereits geklärt gewesen, als er sich auf das Treffen mit jenen Leuten, die den kleinen Bruder geschlagen hatten, auf dem Schulhof eingelassen habe, erzählte der 25-Jährige. Als er mit einem Bekannten dort ankam, sei er plötzlich von hinten festgehalten worden. Zur Einschüchterung habe er ein Schweizer Messer gezogen, das ihm sein Freund aber abgenommen habe.

„Ich war geladen und alkoholisiert“, begründete er, warum er dann mit seinem Gürtel herumgewirbelt habe, und er räumte ein: „Es war schon geplant, dass wir uns schlagen werden.“ Er versicherte aber, niemanden mit dem Gürtel oder dem Messer getroffen zu haben.

Dass der Angeklagte außer sich gewesen sei, bestätigten die Polizeibeamten, die den Mann auf dem Parkplatz einer benachbarten Kneipe in Empfang genommen hatten und sich vor Gericht noch gut an Beleidigungen und Bedrohungen erinnern konnten.

Der ältere Bruder hatte inzwischen von dem Geschehen auf dem Schulhof Wind bekommen und wollte sich noch in der Nacht an der Wohnadresse der Angreifer Klarheit verschaffen. Der 30-Jährige soll den Männern gemeinsam mit anderen aufgelauert und einen von ihnen mit einem Messer an der Oberlippe verletzt haben.

Der Mann räumte vor Gericht ein, einem Man, der nun auch als Zeuge aussagte, mehrere Kopfnüsse verpasst und sich mit einem anderen geprügelt zu haben. Den Einsatz eines Messers stritt er ab.

Der Zeuge wiederum versicherte zunächst, dass es sich „zu 90 Prozent um ein Messer“ gehandelt haben müsse, anders könne er sich den Schnitt, der genäht werden musste, nicht erklären, verwickelte sich aber in Widersprüche, als er sich den Fragen des Verteidigers stellte.

Die Verhandlung gegen den 30-Jährigen wird nun am 19. Januar fortgesetzt. Der Richter räumte ein, vermutlich „das Kreuzchen an der falschen Stelle gesetzt“ zu haben. Deshalb war ein falscher Zeuge geladen worden. Der richtige soll nun ebenso wie zwei weitere Zeugen zum Geschehen an der Wohnadresse der Geschädigten aussagen.

Den einschlägig vorbestraften 25-Jährigen verurteilte das Gericht wegen Bedrohung zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 30 Euro. Den Anklagepunkt der gefährlichen Körperverletzung stellte es ein. Begründung: Eine Aufklärung sei nicht möglich. Ein Zeuge ist inzwischen abgeschoben worden, ein Zweiter in Haft, ein Dritter fehlte unentschuldigt. Zudem hatte der Angeklagte ausgesagt, in Notwehr gehandelt zu haben. „Wer sich verteidigt und wer angegriffen hat, ist im Dunkeln geblieben“, erklärte der Richter seine Entscheidung.

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