Eurobahn seit einem Monat unterwegs
Start mit Verspätung

Lengerich/Lienen-Kattenvenne -

Am 10. Dezember 2017 hat die Eurobahn das Teutoburger-Wald-Netz übernommen. Zu den dazugehörigen Zügen gehört auch der RB 66 zwischen Münster und Osnabrück mit Zwischenstopps in Lengerich und Kattenvenne. Die WN schauen nun, nach einem Monat, wie es läuft.

Mittwoch, 10.01.2018, 05:01 Uhr

Einfahrt im Lengericher Bahnhof. Die Linie RB 66 ist auf dem Weg nach Osnabrück. Der Zug stammt aus Westfalenbahn-Zeiten.
Einfahrt im Lengericher Bahnhof. Die Linie RB 66 ist auf dem Weg nach Osnabrück. Der Zug stammt aus Westfalenbahn-Zeiten. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Der Start beginnt gleich einmal mit Verspätung. Zehn Minuten bleibt der Zug hinter seinem Fahrplan zurück. Ein Ausreißer oder ein Indiz dafür, dass es nicht rund läuft bei der Eurobahn ? Vor einem Monat hat die von der Westfalenbahn das Teutoburger-Wald-Netz übernommen. Zu den fünf Strecken gehört die RB 66 zwischen Münster und Osnabrück, die unter anderem in Lengerich und Kattenvenne hält. Die WN waren gestern auf Testfahrt und haben Bahnfahrer nach ihren Erfahrungen mit dem neuen Betreiber gefragt.

Die Italienerin, die in Lengerich an diesem Morgen in den Zug Richtung Osnabrück einsteigt, ist keine Vielfahrerin. Aber ihre Erfahrungen mit der Eurobahn hat sie schon gemacht. Sie warnt vor den Fahrkartenautomaten im Zug. Mit ihr wollen rund weitere 15 Leute den RB 66 nehmen.

Als der Zug einrollt, findet sich an dem Schienenfahrzeug kein Hinweis auf die Eurobahn. Es sind die alten Wagen der Westfalenbahn, nur deren Schriftzug fehlt. Dass die in die eigene Flotte übergehen würden, hatte die Eurobahn angekündigt. Drinnen wird es nun voll, einige Personen nehmen mit einem Stehplatz vorlieb. Auf einem Werbeschild steht „Willkommen bei der Eurobahn. Genießen Sie das Reisen auf ganzer Linie.“

Mit Genuss hat der Fahrkartenkauf nichts zu tun. Die Italienerin har recht behalten. Der Automat macht Probleme. Die Zugbegleiterin kommt bald hinzu und weist darauf hin, dass das Bezahlen mit Scheinen ebenso wenig möglich sei wie das per Bankkarte. Allein Münzen nehme der Apparat. „Und ich kann auch nur kleine Scheine wechseln“, fügt sie noch hinzu. Der Lokführer drückt derweil aufs Tempo und holt etwas von seiner Verspätung auf.

In Osnabrück macht der Zug dann kehrt. Die etwa halbstündige Pause wird nicht nur von einem Obdachlosen genutzt. Der steigt wohl für einige Minuten ein, um sich aufzuwärmen. Als er ein Paar Handschuhe findet, die jemand vergessen hat, nimmt er sie und verschwindet wieder. Ein Arbeiter sammelt Abfall ein und leert die Mülleimer. Zwei Sicherheitsleute öffnen den Fahrscheinautomaten, holen einiges an Geld raus und sorgen auch dafür, dass nun wieder mit Scheinen bezahlt werden kann. Das Ticket ist diesmal in wenigen Sekunden gelöst. Pünktlich startet die Regionalbahn Richtung Münster.

Die meisten Bahnfahrer, die sich gegenüber den WN äußern, erzählen, dass sich aus ihrer Sicht gar nichts oder nur wenig geändert hat, seitdem die Eurobahn die Strecke von der Westfalenbahn übernommen hat. „Die Züge sind genauso pünktlich oder unpünktlich wie vorher.“ Es sind einige Studenten darunter, die sich auf den Weg nach Osnabrück oder Münster machen. RB 66-Stammgäste sozusagen. „Ich kann nicht meckern“, beschreibt ein junger Mann seine Erfahrungen. Eine Frau um die 20 sagt, der Wechsel sei „ohne große Probleme“ über die Bühne gegangen.

Allerdings gibt es auch andere Meinungen und Erfahrungen. In der Redaktion melden sich Anrufer, die von Zugausfällen berichten. In einem Fall habe im Dezember gleich eine ganze Gruppe aus Lengerich nach dem Besuch des Weihnachtsmarktes in Münster auf den letzten Zug gen Heimat gewartet – vergeblich. Er sei nicht gekommen. Gestern erzählt eine Pendlerin, die in Münster arbeitet, dass sie am vergangenen Donnerstag den Rückweg unplanmäßig per Bus angetreten habe. „Über Greven ging es nach Hause.“ Auch in diesem Fall sei der Zug nicht gefahren. „Warum, weiß ich nicht“, so die Lengericherin. Und bereits wenige Tage nach dem Eurobahn-Start beschwerten sich Fahrgäste der RB 61 (Rheine-Osnabrück) über ausgefallene und überfüllte Züge. Eurobahn-Betreiber Keolis hatte vor der Übernahme mitgeteilt, dass „in den ersten Wochen partiell mit Kapazitätseinschränkungen gerechnet werden“ müsse.

Voll, aber keineswegs überfüllt ist die RB 66, die am Dienstag um 10.37 Uhr in Kattenvenne einfährt. Ganz so, wie es der Fahrplan vorsieht. Und auch als es um 11.19 Uhr zurück nach Lengerich geht, ist der Zug pünktlich wie die Feuerwehr. Der Ticketkauf am Automaten klappt einwandfrei, freie Plätze stehen einige zur Auswahl. Dem Start mit Zehn-Minuten-Verspätung steht zum Ende ein perfekter Vier-Minuten-Trip gegenüber.

Auf Anfrage der WN teilt die Eurobahn mit, dass man intensiv an einer Problemursachenklärung arbeite und sich in Kürze dazu äußern werde.

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