Dyckerhoff-Werk Lengerich
Die etwas anderen Stahlplatten

Lengerich -

Die Stahlplatten sehen gewaltig aus, sind aber gerade mal gut einen Millimeter dick. Nach und nach werden sie aus dem Filtergebäude am Drehofen 8 ausgebaut. Innerhalb von fünf Wochen wird die elektrostatische Gasreinigungsanlage auf Tuchfilter umgerüstet. Während dieser Zeit läuft auch die Revision des Drehofens.

Samstag, 27.01.2018, 07:01 Uhr

Die ausgedienten Stahlplatten der Elektrofilter-Anlage werden östlich des Gebäudes per Kran auf dem Boden abgelegt.
Die ausgedienten Stahlplatten der Elektrofilter-Anlage werden östlich des Gebäudes per Kran auf dem Boden abgelegt. Foto: Michael Baar

Die Verständigung ist nur per Funk möglich. Der Kranführer sitzt in seinem engen Cockpit auf der Ostseite des Gebäudes. Gut 50 Meter über ihm, hinter einer Wand, muss er den Haken am Ende des Auslegers auf den Zentimeter genau steuern. Gaaanz langsam hebt er dann eine Stahlplatte aus ihrer Halterung. Auch wenn Material und Format (fünf mal zehn Meter) etwas anderes suggerieren: es ist ein filigranes Teil, gut einen Millimeter dick.

Immer wieder wehen Flocken von dem wie eine Wellpappe gestalteten Stahlteil davon. Filterstaub, der sich dort abgesetzt hat. Immer wieder schaukelt die Platte im leichten Wind. „Ab einer Windgeschwindigkeit von 33 Stundenkilometern stellen wir die Arbeit ein“, berichtet Rudolf Kröll . Dann blickt er vom Filtergebäude nach unten. Dort legt der Kranführer gerade das Teil auf einen Stapel anderer. Wie in Zeitlupe ist zu erkennen, wie die Platte nach und nach abknickt.

Es ist ungefähr die 30. Filterplatte, die ausgebaut wurde. Insgesamt sind es 200 Stück, die in den nächsten Tagen demontiert werden. Dyckerhoff rüstet die Filteranlage um. Die Elektrostatische Gasreinigungsanlage (EGR) weicht Tuchfiltern. Fünf Wochen Zeit hat der Projektleiter für diese Arbeit. „Inklusive aller Anschlussarbeiten“, fügt er mit einem Blick zum Himmel hinzu. Orkan „Friederike“ hat sein Timing etwas durcheinandergewirbelt.

Hintergrund dieses eng gesteckten Zeitrahmens ist die Tatsache, dass während dieser Zeit der Drehofen 8 abgeschaltet ist. „Sonst wäre der Filterwechsel gar nicht möglich“, erläutert Steffi Fischer . Die fünf Wochen werden auch genutzt für die Revision des Ofens. Und den Winter habe man gewählt, weil dann erfahrungsgemäß auf den Baustellen Ruhe ist. „Eigentlich“, fügt die Immissionsschutzbeauftragte und für Umwelt und Öffentlichkeitsarbeit bei Dyckerhoff Zuständige hinzu. Temperaturen deutlich über Null, „da ist auf allen Baustellen Betrieb“, weist sie in Richtung Werkszufahrt, wo sich die Silo-Züge knubbeln.

Rudolf Kröll hat dafür keinen Blick. Am 24. Februar soll der Drehofen 8 wieder angefahren werden. Auch wenn von dem Zeitpunkt an bis zum Produktionsbeginn weitere 48 Stunden vergehen, es gibt genug zu tun. 2900 Schläuche müssen in den vier Kammern installiert werden, aus denen gerade die Elektrofilter ausgebaut werden.

Etwa neun Meter lang ist jeder dieser Gewebeschläuche, hat 150 Millimeter Durchmesser und ist von innen mit einem Stahlkorbgeflecht ausgestattet, „damit der Schlauch stabil bleibt“, so der Projektleiter. Durch ihn wird das Rohgas von unten nach oben durchgepresst.

Filterwechsel im Dyckerhoff-Werk Lengerich

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  • Steuerungszentrale: Im Cockpit des Autokrans laufen die Kommandos ein und müssen umgesetzt werden – oft ohne direkten Blickkontakt.

    Foto: Michael Baar
  • Blick von oben auf die Stahlplatten samt Halterung. Dazwischen sind die Säulen der elektrischen Zuleitung zu erkennen.

    Foto: Michael Baar
  • Mit einer Flex müssen an jeder Stahlplatte die Endstück gekappt werden, damit der Kran sie aus dem Gebäude heben kann.

    Foto: Michael Baar
  • Die Haken für den Abtransport werden an der Halterung einer Stahlplatte befestigt.

    Foto: Michael Baar
  • Beim Anheben der Platten passt gerade mal eine Hand zwischen Wand und Stahl.

    Foto: Michael Baar
  • Geschafft: Die nächste Filterplatte wird herausgehoben.

    Foto: Michael Baar
  • Im Vordergrund ist die zweite von vier Abteilungen der Filteranlage zu sehen. Die Decke ist noch nicht entfernt worden.

    Foto: Michael Baar
  • Demontierte Filterplatte vor dem Drehofen 8.

    Foto: Michael Baar
  • Blick in das 60.000-Volt-Kabel. Nur mit dem kleinen Kern ist der Strom in den Filter geleitet worden. Den größten Teil nimmt die Isolierung in Anspruch.

    Foto: Michael Baar
  • Mit diesen Schlegeln sind die Filterplatten in regelmäßigen Abständen geklopft worden, damit sich der Staub löst.

    Foto: Michael Baar
  • Kurz vor der „Landung“ auf dem Stapel der ausrangierten Stahlplatten.

    Foto: Michael Baar
  • Die nächste Platte kommt und wird genau so knicken wie die vorher abgelegten Teile.

    Foto: Michael Baar
  • Die Haken abmachen, dann kann die nächste Platte geholt werden.

    Foto: Michael Baar

„Das muss man sich im Prinzip wie einen Kaffeefilter vorstellen“, erläutert er. Klar, beim Kaffeekochen kommt das Pulver in den Filter, heißes Wasser drauf und langsam tropft der Kaffee in die untergestellte Kanne. Beim Tuchfilter wird der Vorgang bildlich auf den Kopf gestellt. Der gravierendste Unterschied: „Wenn der Tuchfilter für Kaffee verwendet würde, käme in der Kanne nur heißes Wasser an“, schmunzelt Rudolf Kröll.

Den Unterschied in der Reinigungsleistung benennt Steffi Fischer. Der Jahresmittelwert für Staub habe beim EGR-Filter zwischen vier und sieben Milligramm gelegen. Der gesetzliche Grenzwert liege bei zehn Milligramm. „Mit dem Tuchfilter sinkt der Jahresmittelwert unter ein Milligramm“, versichert sie und verweist auf das Werk Geseke der Gruppe. Dort sind seit 2013 Tuchfilter im Einsatz mit den entsprechenden Staubwerten.

Insgesamt investiert das Unternehmen gut zehn Millionen Euro in das Werk an der Lienener Straße. Der Tuchfilter allein schlägt dabei mit knapp 2,4 Millionen Euro zu Buche. Im Gesamtbetrag enthalten ist auch die Umrüstung der Filteranlage am Drehofen 4. Dort wird der Spezialzement produziert. Bei der Revision und Umrüstung orientiert sich Dyckerhoff am islamischen Fastenmonat Ramadan. „Der Tiefbohrzement wird gerade in den arabischen Ölförderländern stark nachgefragt, es sei denn, es ist Ramadan“, liefert Steffi Fischer die einleuchtende Begründung.

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