Erheblicher Bahnlärm
Daten aus Aktionsplan belegen Belastung

Lengerich -

Mitten durch Lengerich führt eine der deutschen Bahnhauptstrecken. Circa 56 500 Züge rollen jährlich über die Schienen. Das sorgt für reichlich Lärm, wie ein sogenannter Aktionsplan des Eisenbahn-Bundesamtes zeigt.

Samstag, 17.02.2018, 07:02 Uhr

Eine Schallschutzwand gibt es in Lengerich. Die Daten im Lärmaktionsplan zeigen indes, dass die Mauer nur bedingt die Geräuschkulisse des Schienenverkehrs eindämmt.
Eine Schallschutzwand gibt es in Lengerich. Die Daten im Lärmaktionsplan zeigen indes, dass die Mauer nur bedingt die Geräuschkulisse des Schienenverkehrs eindämmt. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Auf einer Länge von 10,3 Kilometern verläuft die Bahnstrecke zwischen Osnabrück und Münster über das Gebiet der Stadt Lengerich. Der Abschnitt ist Teil einer Schienenhauptverkehrsachse, die das Ruhrgebiet mit Bremen und Hamburg verbindet. Entsprechend stark wird sie frequentiert. Das Eisenbahn-Bundesamt gibt die Zahl der Züge, die pro Jahr Lengerich passieren, mit rund 56 500 an. Und die sorgen für eine erhebliche Geräuschkulisse, wie eine Auswertung der Daten aus dem aktuell in Arbeit befindlichen Lärmaktionsplan der Behörde ergibt. Die Zahl der Bürger, die davon betroffen sind, wird nachts auf 1790 (45 und mehr Dezibel) geschätzt, tagsüber auf 1540 (55 und mehr Dezibel).

Der Lärmaktionsplan ist eine Art Bestandsaufnahme und dient laut Bundesamt als „umweltpolitisches Planungsinstrument mit dem Ziel, die Belastung durch Umgebungslärm langfristig zu senken“. Einen gesetzlichen Anspruch auf Verbesserungen können Menschen, die unter lautem Bahnverkehr leiden, demnach nicht daraus nicht ableiten.

Trotz der bestehenden 1,2 Kilometer langen Schallschutzwände beidseits der Strecke im Bereich zwischen Bahnhof und Tunnel sind die Belastungen in Lengerich zum Teil erheblich. Außer den Wänden sind 91 Wohneinheiten in der Vergangenheit bereits „lärmsaniert“ worden, wie aus einer Statistik des Lärmaktionsplanes hervorgeht. Beim Blick auf eine Karte, die zeigt, wie hoch wo die Lärmbelastung ist, wird deutlich, dass weit mehr als jene 91 Einheiten in einem Bereich liegen, in dem die Bewohner der Geräuschkulisse des Bahnverkehrs ausgesetzt sind.

Laut Lärmkartierung – die Daten beruhen auf Berechnungen und nicht auf Messungen – gibt es allein 30 Lengericher, die nachts Belastungen von mehr als 70 Dezibel ausgesetzt sind. Im Bereich zwischen 55 und 60 Dezibel sind es schon 1210. Ihre Zahl wächst schließlich auf die genannten 1790 bei 45 und mehr Dezibel. Die Weltgesundheitsorganisation sagt, dass der sogenannte Mittelungspegel nachts nicht 40 Dezibel überschreiten sollte (siehe Info-Kasten „Gesundheitliche Folgen“). Tagsüber liegt die höchste Stufe in der Lärmkartierung bei 75 Dezibel und mehr. Ihr werden in Lengerich 40 Betroffene zugeordnet. Die Zahl nimmt beim schrittweisen Rückgang der Belastung immer weiter zu bis zu jenen 1540 Einwohnern, die 55 Dezibel und mehr ausgesetzt sind.

Die am stärksten betroffenen Bereiche liegen an der Lienener Straße in etwa zwischen Übergang zur Bahnhofstraße im Westen und Händelstraße im Osten sowie an der Bahnhofstraße ab Kolpingstraße bis Bahnhof. Zudem ist die Siedlung entlang der Schlesierstraße in erheblichem Maße Lärm ausgesetzt. Auch andernorts ist der Geräuschpegel links und rechts der Bahnstrecke zwar beträchtlich, doch dort wohnen nicht so viele Menschen wie in den drei genannten Bereichen.

Während das Eisenbahn-Bundesamt den Lärmaktionsplan erstellt – derzeit läuft bis zum 7. März die zweite Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung –, unterhält der Bund ein Lärmsanierungsprogramm. „Die Maßnahmen werden anhand einer Prioritätenliste, die sich an der Höhe der Lärmbelastung orientiert, vom Bund gefördert“, teilt das Eisenbahn-Bundesamt dazu auf Anfrage der WN mit. Gesetzliche Ansprüche können Bürger auch in diesem Fall nicht geltend machen, es sei denn eine Strecke wird neu gebaut oder wesentlich geändert. In diesen Fällen gelten als Immissionsrichtwerte in Wohngebieten tagsüber (6 bis 22 Uhr) 67 Dezibel, nachts (22 bis 6 Uhr) 57 Dezibel.

Zum Thema

Die Stadtverwaltung verweist auf ihrer Internetseite (www.lengerich.de) auf die zweite Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung. Dort finden sich auch Links zum Lärmaktionsplan und zum Eisenbahn-Bundesamt.

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