Unternehmertag Lengerich
Die Industrie ist Wandel gewohnt

Lengerich -

„Erfolg 4.0 in der digitalen Welt“ war das Motto des 8. Unternehmertages, zu dem die Kommunen Lengerich, Ladbergen, Lienen und Tecklenburg am Mittwoch eingeladen hatten. Impulse vermittelten nicht nur die vier Referenten in den Workshops, sondern auch die beiden Hauptredner, Dr. Jürgen Vutz und Dr. Ulrich Kater.

Donnerstag, 22.02.2018, 06:02 Uhr

Wie das Unternehmen Windmöller & Hölscher sich dem Thema Industrie 4.0 stellt, erläuterte Vorstandsvorsitzender Dr. Jürgen Vutz. Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank (kleines Bild), mahnte einen nüchternen Blick auf das Thema an.
Wie das Unternehmen Windmöller & Hölscher sich dem Thema Industrie 4.0 stellt, erläuterte Vorstandsvorsitzender Dr. Jürgen Vutz. Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank (kleines Bild), mahnte einen nüchternen Blick auf das Thema an. Foto: Birga Jelinek

Wie wird das Schlagwort Industrie 4.0 aufgenommen? „Erst gibt es einen Hype, dann das Tal der Enttäuschung. Es folgt der Weg der Erleuchtung der auf dem Plateau der Produktivität endet.“ Mit diesen Worten beschrieb Dr. Jürgen Vutz die Entwicklung. Derzeit, so die Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden des Unternehmens Windmöller & Hölscher, sei das Tal der Enttäuschung durchschritten.

Worte, das wurde beim Unternehmertag am Mittwochnachmittag in der Gempt-Halle deutlich, die auf den Maschinenbauer aus Lengerich zutreffen. Pro Monat werden 2000 neue Teile entwickelt, 400 Fachkräfte arbeiten in Lengerich daran. Worte, die die rund 170 Teilnehmer aufhorchen ließen. Es dürfte nicht das einzige Aha-Erlebnis bei dieser gemeinsamen Veranstaltung der Kommunen Lengerich, Ladbergen, Lienen und Tecklenburg gewesen sein.

„Es ist nicht einfach zu verstehen, was da passiert“, sagte Dr. Ulrich Kater in seinem abschließenden Vortrag. Digitalisierung könne man schlecht definieren, aber man spüre sie, stellte der Chefvolkswirt der Deka-Bank fest. Als Beispiel wählte er den Konsum. Der habe sich gravierend gewandelt, seit mit wenigen Mausklicks am Computer eingekauft werden könne.

So schön das der Einzelne finden mag, in vielen Unternehmen sei die Aufmerksamkeit für das Thema Digitalisierung noch nicht geschärft. „70 Prozent der Firmen beschäftigen sich nur am Rande mit diesem Thema, bei den Maschinenbauern sind es sechs Prozent.“ Aus Sicht von Ulrich Kater ist „Windmöller & Hölscher ein Industrie 4.0-Pionier“.

Der Chefvolkswirt mahnte einen nüchternen Blick auf die Digitalisierung an. Die Industrie sei den Wandel gewohnt und komme damit klar, nannte er als Beispiel die Globalisierung. „Da musste sich die Industrie fast komplett neu erfinden.“ Die Herausforderung der Digitalisierung sei, dass es nicht mehr vorrangig um neue Maschinen gehe, sondern eine neue Wertschöpfungskette in den Fokus rücke.

„Schauen Sie sich die Pioniere in Ihrer Branche an und die Startups“, gab er den Teilnehmern eine Ratschlag. Geschäftsmodelle würden sich wandelt, weil „der neue Rohstoff des 21. Jahrhunderts sind Daten“. Damit müsse das eigene Geschäftsmodell ergänzt werden, ob mit der Erzeugung eigener Daten oder der Einpassung.

Die gesellschaftlichen Auswirkungen nahm Ulrich Kater ebenfalls in den Blick. Der Anteil der klassischen Industrie an der Wertschöpfung einer Volkswirtschaft sinke. „Wer früher dort tätig war, wurde gut bezahlt.“ Das wandle sich auf dem Weg zur Dienstleistung. „Dort gibt´s gutes Geld für eine sehr gute Ausbildung.“ Für einfache Tätigkeiten allerdings weniger als das in der Industrie der Fall gewesen sei.

„Das Problem ist der Übergang in eine neue Struktur und der löst, trotz eigentlich guter Zahlen, Verunsicherung aus.“ Bildung und Flexibilität seien dabei sehr wichtig. Und einen Trost hatte der Chefvolkswirt auch parat: „Ohne Mensch wird es auch in einer Industrie 5.0 nicht gehen, weil der Mensch soziale Fähigkeiten hat.“ Auch künstliche Intelligenz, davon sei er überzeugt, werde die nicht ersetzen können. Der Mensch solle sich auf das Soziale konzentrieren, den Maschinen die Arbeit überlassen. „Das wird nicht einfach“, stellte er fest und erteilte zugleich einem bedingungslosen Grundeinkommen eine Absage: „Das ist nur finanzierbar, wenn alle sozialen Aufgaben des Staates abgeschaltet werden.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5541868?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F175%2F
Projekt auf der Ostseite des Hauptbahnhofs
Am Mittwochmittag erfolgte auf der Bahnhof-Ostseite der Spatenstich für das Hansator.
Nachrichten-Ticker