Theater und Musik im Martin-Luther-Haus
„Schwere Kost“ gekonnt präsentiert

Lengerich -

Einsam war es am Sonntag nicht im Martin-Luther-Haus. Da waren die Sänger der Jugendchor der Sing- und Chorschule der Stadtkirche Lengerich und des Jugendchors, da war das Ensemble des Rabatz-Theaters aus Ibbenbüren und da war natürlich das Publikum. Und doch stand die Einsamkeit ganz im Mittelpunkt.

Montag, 05.03.2018, 18:03 Uhr

Ein Ensemble bestehend aus Sängern des Jugendchors der Sing- und Chorschule der Stadtkirche sowie des Jugendchors Lienen ergänzte das aufgeführte Stück „Einsam“ musikalisch.
Ein Ensemble bestehend aus Sängern des Jugendchors der Sing- und Chorschule der Stadtkirche sowie des Jugendchors Lienen ergänzte das aufgeführte Stück „Einsam“ musikalisch. Foto: Axel Engels

Solch eine Zusammenarbeit bringt für alle Beteiligten nur Vorteile und das Publikum profitiert immer davon: Seit mehreren Jahren arbeiten die Rabatz-Theaterwerkstatt aus Ibbenbüren und der Jugendchor der Sing- und Chorschule der Stadtkirche Lengerich regelmäßig zusammen. In diesem Jahr wurden die Kooperation noch erweitert um die Mitglieder des Jugendchors Lienen. Das Ergebnis der Arbeit wurde am Sonntag im Martin-Luther-Haus präsentiert.

Mit dem Stück „Einsam“ des renommierten schwedischen Autors Börje Lind-ström war vom Rabatz-Ensemble ein Werk einstudiert worden, das wohl jeden Besucher anspricht und zum Nachdenken animiert. Dabei stellt es besonders hohe Anforderungen an die Akteure, schließlich müssen zwei Schauspieler ihre ganze Kunst einbringen und den Spannungsbogen über die verschiedenen Szenen aufrecht halten.

Mit Hans-Günter Schwarze in der Rolle des Herrn Strindberg und Alani Siemon als Klara erlebte man erstklassige Theaterkunst. Sie zogen das Publikum sofort in ihren Bann, wussten mit kleinsten Gesten und ausdrucksstarker Sprachgestaltung die Geschichte von dem einsamen, alten Mann und dem jungen Mädchen ein lebendiges Gewand zu verleihen. Von aller Welt verlassen, wartet der berühmte Schriftsteller Lindberg darauf, dass es endlich 22 Uhr wird, damit er ins Bett gehen kann und dann die ihm fremd gewordene Welt im erlösenden Schlaf vergessen kann.

Diese ganz auf sich selbst und seine Gedanken konzentrierte Person wurde von Hans-Günther Schwarze sehr sensibel dargestellt, er brauchte keine großen Gesten oder Effekte, um die Einsamkeit dieses vielschichtigen Menschen in Szene zu setzen. Mit der noch jungen Alani Siemon war die Rolle des Mädchens Klara einfach bestens besetzt. Sie wusste die Natürlichkeit und Offenheit bestens darzustellen, stellte wortgewandt die Gründe für die Einsamkeit in Frage. Sie überwand mit großem schauspielerischem Können die Widerstände des alten Mannes, führte ihn schließlich durch Beharrlichkeit und Feingefühl in die Gemeinschaft zurück. Solch eine charaktervolle Darstellung verdient besonderes Lob, denn Alani Siemon konnte sich auf sensible Art in den Charakter Klaras hineinfühlen, sie mit Natürlichkeit erfüllen.

Zwischen die einzelnen Szenen waren die Musikstücke mit Akribie und Feingefühl eingefügt worden. Genau passend zu den jeweiligen Stimmungen hatte Christoph Henzelmann die Lieder arrangiert, genau auf die stimmlichen Qualitäten des Chores angepasst. Seine Klavierbegleitung bot dem Gesangsensemble (Leitung Monika Kather) einen facettenreichen Grund, auf dem die Stimmen sich entfalten konnten. Wenn drei Lieder aus „Die Kinder des Monsieurs Mathieu“ den Saal erfüllten, die Einsamkeit mit Ralph McTells „Streets of London“ ein musikalisches Bild gegeben wurde, Paul Simons „Scarborough Fair“ zum Träumen animierte und der Gemeinsamkeit mit Berry Gordy’s „I’ll be there“ ein Gegenpart geliefert wurde, dann war dies musikalisch ebenso niveauvoll wie das Geschehen auf der Bühne. Alle Besucher waren auf jeden Fall begeistert von dieser musikalisch bereicherten Inszenierung, bei der ein „schweres“ Thema auf hohem Niveau präsentiert wurde.

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