Feuer- und Rettungswache
„Die Belastung ist grenzwertig“

Lengerich -

Die absolute Zahl der Rettungsfahrten ist im Jahr 2017 gegenüber dem Jahr zuvor gesunken. Aber die Einsätze dauern länger. Eine Belastung für die hauptamtlichen Kräfte der Feuer- und Rettungswache, die deren Leiter Hartwig Hübner als „grenzwertig“ bezeichnet.

Freitag, 23.03.2018, 06:22 Uhr aktualisiert: 23.03.2018, 07:20 Uhr
Die Einsatzzahlen für Notarztfahrzeug und Rettungswagen sind 2017 zurückgegangen, die Einsatzdauer ist aber gestiegen.
Die Einsatzzahlen für Notarztfahrzeug und Rettungswagen sind 2017 zurückgegangen, die Einsatzdauer ist aber gestiegen. Foto: Jens Keblat

Hartwig Hübner hatte es im vergangenen Jahr bereits gesagt – und er erneuerte seine Kritik im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr : „Es gibt leider viel zu viele Menschen, die uns ausnutzen“, ärgerte sich der Leiter der Wehr, der zugleich auch Leiter der Feuer- und Rettungswache ist. Angesprochen hatte er damit beide Bereiche. Die Feuerwehrkameraden, die nicht selten als Schlüsseldienst missbraucht würden, und die Rettungsassistenten, die zu einem Notfall gerufen würden, der sich schließlich als klassischer Fall für den Hausarzt herausstellte.

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Hauptamtliche Kräfte besonders belastet

Fakt ist: Gerade die Arbeitsbelastung der insgesamt 31 hauptamtlichen Kräfte der Rettungswache ist hoch. „Grenzwertig hoch“, wie Hartwig Hübner betont. Er ist lang genug im Beruf, um die Situation bewerten zu können. Wenngleich die absoluten Zahlen der Rettungsfahrten im vergangenen Jahr abgenommen haben, so nehme die Dauer der Einsätze deutlich zu.

Warum die Einsätze länger dauern

Der Grund: Viele Kliniken, so der Chef der Rettungswache, „haben sich auf einzelne Fachbereiche konzentriert und sind somit nicht mehr in der Lage, alle Patienten aufzunehmen“. Das habe erheblich längere Fahrzeiten, Mehrbelastung der Kollegen innerhalb der Schichten und entsprechend längere Ausfallzeiten der Rettungsfahrzeuge vor Ort zur Folge.

Erweiterung der Besetzzeit wünschenswert

Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund hat sich die Besetzung des zweiten Rettungswagens am Tag „als absolut richtig erwiesen“. Wünschenswert wäre aus Hübners Sicht allerdings die zweite 24-Stunden-Besetzung. In diesem Zusammenhang würden aktuell Gutachten eingeholt. Eine kurzfristige Entscheidung sei nicht zu erwarten. Vielmehr bleibe zunächst abzuwarten, was die Erweiterung der Besetzzeit des zweiten Rettungswagens und des Krankenwagens am Wochenende bringe.

Weniger, aber längere Fahrten

Im vergangenen Jahr ist von der Wache Lengerich 6826 mal ein Rettungsdienstfahrzeug ausgerückt. Darunter waren 3332 Einsätze mit dem Rettungswagen und 1284 Fahrten mit dem Krankentransportwagen. 1732 Einsätze wurden vom Notarzt begleitet. Hinzu kamen 478 Fehleinsätze.

Insgesamt sind das deutlich weniger Fahrten als im Jahr 2016. Damals wurden 8665 Rettungsdiensteinsätze gezählt.

Allerdings würden die Fahrten deutlich länger dauern, betont Hübner. So steuert der Rettungswagen Kliniken im Bereich Münster, Osnabrück, Ibbenbüren und Bad Rothenfelde an. Mit dem Krankenwagen würden auch Strecken bis nach Ochtrup zurückgelegt, so Hübner. Gerade aktuell, da die nach wie vor kursierende Grippewelle für volle Krankenhäuser sorge, sei die Situation angespannt.

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Personalknappheit bereitet Sorge

In diesem Zusammenhang bereitet dem Lengericher noch etwas anderes Sorge: die Einstellung neuer Kräfte. Zwar sind dank der erweiterten Besetzzeiten zum Ende 2017 sechs neue Kollegen hinzugestoßen, doch auch für dieses Jahr sind vier weitere Einstellungen geplant. „Der Markt an Rettungskräften ist ausgedünnt, so dass es schwierig ist, geeignetes Personal zu finden“, so Hübner.

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