90 Jahre Kirche St. Margareta
Eine „Zierde des Münsterlandes“

Lengerich -

Die katholische Kirche St. Margareta wird 90 Jahre alt. Die Ausführung des Baues als „koketter, im Zwiebelhelm ausklingender Kirchturm“, wie es ein damaliger Chronist bezeichnet, scheint seinerzeit für Erstaunen bei so manchem Bürger gesorgt zu haben.

Mittwoch, 11.04.2018, 12:04 Uhr

Der eingerüstete Neubau der Pfarrkirche St. Margareta Lengerich, die am 12. April 1928 eingeweiht worden ist.
Der eingerüstete Neubau der Pfarrkirche St. Margareta Lengerich, die am 12. April 1928 eingeweiht worden ist. Foto: Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen Lengerich

„Ein koketter, im Zwiebelhelm ausklingender Kirchturm bindet heute die Stadtteile von der Altstadt bis nach Hohne, und das sonore Geläute, das diese Tatsache nach beiden Richtungen hin kündete, berechtigte zu der Frage, wie es möglich sei, dass dieses Geläute in den zierlich scheinenden Türmen untergebracht ist.“

Eine gewissen Verwunderung des Chronisten ist nicht zu überlesen, als der vor 90 Jahren über die katholische Kirche St. Margareta geschrieben hat. Nicht so sehr der Anlass – Bau und Einweihung der Pfarrkirche –, sondern die Ausführung scheint für Erstaunen gesorgt zu haben. Egal, ob außen oder innen.

„Wenn schon das Äußere der malerischen Barockkirche volle Befriedigung auslöste, so war der Innenbau in der Lage, die Freude und das Wohlgefallen aller Festteilnehmer hervorzurufen.“ Ob´s daran lag, dass das Innere „nicht unerheblich von dem landläufigen Kircheninneren mit seinen blickhemmenden Pfeilern und Säulen“ abweicht? Damit nicht genug: „Das bekannte Schmerzenskind“ mancher freiräumiger Kirchenschiffe „wurde allgemein als sehr günstig beurteilt“ – womit nichts anderes als die Akustik gemeint war. Dem schließt sich ein Lob an den münsterischen Architekten Hubert Wartenberg an, „der beim Pfarrer Osterkamp großes Verständnis fand“.

Geschildert werden in den zeitgenössischen Zeitungsberichten einige Details, die im Gesamtbild den Kirchenbau ermöglicht haben. So ist von einem „schlichten Herrn“ die Rede, der jahrelang sonntags die Höfe in der Umgebung aufgesucht hat. Durch sein „einnehmendes“ Wesen habe er rund 100 Eichenstämme für den Bau der Kirche geschenkt bekommen. Oder der Bahnarbeiter, die in seinen Freistunden mit der Schaufel zum Neubau eilte. Dort hob er, zusammen mit seinen Freunden, die Gruben für die Fundamente aus. „Kostenlos“, wie nachzulesen ist.

Die Aufzählung weiterer am Bau beteiligten Personen – Bauführer Johann Butenweg, Bildhauer und Stuckkünstler Eduard Schoen, Maurermeister Diekmeer und Zimmermeister Krampe – gipfelt in der Feststellung, dass Lengerich eine „Musterstadt für das friedsame Zusammenleben verschiedener Konfessionen“ sei.

Salbungsvoll auch die Worte des Bischofs von Münster, der im Weihe-Gottesdienst die Festpredigt hält. Er bezeichnet die neue Kirche als „Zierde des Münsterlandes“ und predigt zum Bibelwort „Diesem Haus ist heute großes Heil widerfahren“. Dann ermahnt er die Gemeinde, treu und unerschütterlich zu ihrem Glauben zu stehen. „Das tue besonders not in einer Zeit, in der Unglaube die Herrschaft an sich zu reißen drohe“, schreibt der Chronist.

Kurz abgehandelt werden die Geschehnisse nach dem Gottesdienst. Im Gasthaus Heckmann wird ein Festessen eingenommen. Um 17 Uhr verabschiedet sich der Bischof, „die übrigen Teilnehmer saßen noch ein Stündchen in angeregter Unterhaltung beisammen“, heißt es in der Tageszeitung.

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Der Kirchenweihe vor 90 Jahren wird die katholischen Kirchengemeinde mit einer festlichen Eucharistiefeier am Samstag, 14. April, um 17.30 Uhr gedenken.

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