Internationales Kochen in der Teestube „Weltweit“
Usi, Asch und vieles mehr

Lengerich -

Wenn in der Teestube „Weltweit“ an der Bahnhofstraße international gekocht wird, ist das immer eine aufregende Sache. Viele Gäste – darunter vor allem Asylbewerber und Flüchtlinge – tragen zum großen Buffet bei und in großer Runde wird gegessen, geredet und gefeiert.

Mittwoch, 16.05.2018, 17:05 Uhr

Am Buffet ist die Auswahl groß – und auch der Andrang.
Am Buffet ist die Auswahl groß – und auch der Andrang. Foto: Dietlind Ellerich

Maisgrieß, Joghurt, Kokos und Butter für den Teig, Öl fürs Blech, das Ganze nach dem Backen mit Zuckerguss bestreichen, in Stücke schneiden. Fertig und genießen. Süß und vor allem lecker wird die Nachspeise, an der die Frauen arbeiten. Während sie in der Küche der Teestube noch zubereiten, tischen andere Frauen und Männer nebenan schon auf. „Die meisten bringen etwas mit, einige stehen schon seit dem Nachmittag hier in der Küche, kochen und backen“, erklärt Flüchtlingsbetreuerin Bärbel Rehder, wie aus vielen kulinarischen Spezialitäten ein internationales Buffet wird, an dem sich bis zu 100 Gäste bedienen werden.

Kalt oder warm, herzhaft oder süß, scharf oder mild, afrikanisch oder arabisch, in der Teestube „Weltweit“ kommen am Freitagabend alle auf ihre Kosten und ins Gespräch, nicht nur über das Essen. Auch wenn das natürlich im Vordergrund steht, wenn sich Kleine und Große um den Tisch drängeln, um zu schauen, zu wählen, zuzugreifen. Fragen zu Zutaten werden gestellt, Rezepte ausgetauscht, Namen für die Gerichte in den verschiedenen Ländern verglichen. Ob Shami, Kotelett, Bulette oder Frikadelle, die gebratenen Klöße aus Hackfleisch heißen überall anders.

Internationales Kochen in der Teestube „Weltweit“

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  • Die Teestube „Weltweit“ ist eine Einrichtung der Stadt Lengerich für Flüchtlinge. Asylbewerber und Einheimische. Regelmäßig wird dort in großer Runde gemeinsam gekocht und gegessen. Foto: Dietlind Ellerich
  • Die Teestube „Weltweit“ ist eine Einrichtung der Stadt Lengerich für Flüchtlinge. Asylbewerber und Einheimische. Regelmäßig wird dort in großer Runde gemeinsam gekocht und gegessen. Foto: Dietlind Ellerich
  • Die Teestube „Weltweit“ ist eine Einrichtung der Stadt Lengerich für Flüchtlinge. Asylbewerber und Einheimische. Regelmäßig wird dort in großer Runde gemeinsam gekocht und gegessen. Foto: Dietlind Ellerich
  • Die Teestube „Weltweit“ ist eine Einrichtung der Stadt Lengerich für Flüchtlinge. Asylbewerber und Einheimische. Regelmäßig wird dort in großer Runde gemeinsam gekocht und gegessen. Foto: Dietlind Ellerich
  • Die Teestube „Weltweit“ ist eine Einrichtung der Stadt Lengerich für Flüchtlinge. Asylbewerber und Einheimische. Regelmäßig wird dort in großer Runde gemeinsam gekocht und gegessen. Foto: Dietlind Ellerich
  • Die Teestube „Weltweit“ ist eine Einrichtung der Stadt Lengerich für Flüchtlinge. Asylbewerber und Einheimische. Regelmäßig wird dort in großer Runde gemeinsam gekocht und gegessen. Foto: Dietlind Ellerich
  • Die Teestube „Weltweit“ ist eine Einrichtung der Stadt Lengerich für Flüchtlinge. Asylbewerber und Einheimische. Regelmäßig wird dort in großer Runde gemeinsam gekocht und gegessen. Foto: Dietlind Ellerich
  • Die Teestube „Weltweit“ ist eine Einrichtung der Stadt Lengerich für Flüchtlinge. Asylbewerber und Einheimische. Regelmäßig wird dort in großer Runde gemeinsam gekocht und gegessen. Foto: Dietlind Ellerich
  • Die Teestube „Weltweit“ ist eine Einrichtung der Stadt Lengerich für Flüchtlinge. Asylbewerber und Einheimische. Regelmäßig wird dort in großer Runde gemeinsam gekocht und gegessen. Foto: Dietlind Ellerich

„Kabsa“, ein arabisches Reisgericht mit Hähnchen, Rosinen, Erdnüssen und Mandeln, steht neben den Pfannkuchen, zu denen wie in Eritrea üblich eine scharfe Soße mit Rindfleisch gereicht wird. „Usi“, ein mit Reis, Erbsen und Butter gefüllter Teig, ist ein syrisches Gericht. Aus Bohnen, Spinat, Linsen, Nudeln, Joghurt, Minze und vielen Gewürzen wird das persische „Asch“ zubereitet, von dem sich die Gäste aus einer großen Schüssel bedienen. Nach einem kurdischen Rezept sind die mit Hackfleisch, Kartoffeln, Tomaten und Kräutern gefüllten Hefeteigtaschen. Aufläufe, Salate, Pasteten, Kuchen, Soßen und Brot, über der bunten Vielfalt an internationalen Spezialitäten schwebt der Duft von frischer Minze und Petersilie, der allen das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt.

Es ist voll, die Stimmung bestens, eine Trommelgruppe hat für eine lautstarke rhythmische Einstimmung gesorgt. Nun heißt es anstehen und warten, bis man an der Reihe ist. Maximal zehn Personen auf einmal dürfen in den Raum mit dem großen Tisch voller Köstlichkeiten.

Gaby Gottwald, Mitarbeiterin des Vereins Flüchtlingshilfe, passt auf, dass der riesige Andrang möglichst diszipliniert über die Bühne geht. „Hej, stopp“, ruft sie einem Jungen zu, der sich den Teller voller süßer Leckereien schaufelt. Dessen Ausrede, er nehme etwas für die Mama und die Oma mit, nimmt sie ihm nicht so recht ab. Ihr ist es wichtig, dass nichts weggeworfen werden muss, weil sich jemand den Teller zu voll lädt. „Lieber weniger nehmen und noch einmal wiederkommen“, lautet die Devise der 70-Jährigen, die sich noch gut an den Hunger erinnert, den sie als Kind in der Nachkriegszeit hatte.

Gottwald ist Mitinitiatorin der Teestube. Sie ist seit deren Start vor mehr als zwei Jahren dabei und seit 35 Jahren in der ehrenamtlichen Lengericher Flüchtlingshilfe aktiv. Ihre Pappenheimer kennt sie. „Zum wievielten Mal kommst du schon“, möchte sie von einem „Wiederholungstäter“ mit offenbar großem Hunger wissen. Der ziert sich mit seiner Antwort. Wo es doch so lecker schmeckt! Doch Gaby Gottwald kennt kein Pardon. Wenn die einen noch gar nichts bekommen haben, sollen andere nicht immer wieder anstehen.

Nur eine knappe Stunde dauert es, bis man den vielen Schüsseln, Platten und Blechen ansieht, dass es knapp 100 Menschen geschmeckt hat. „Das gemeinsame Essen hat in den Ländern, aus denen unsere Flüchtlinge kommen, eine ganz andere Wertigkeit als bei uns“, weiß Bärbel Rehder. Sie freut sich, dass die meisten gerne und regelmäßig die „Weltweit“-Angebote nutzen und gut miteinander auskommen. So wie am Freitag. „Wenn nur nicht das Spülen wäre“, seufzt Gaby Gottwald. Die vielen Teller stapeln sich inzwischen in der kleinen Küche.

Gut dass die 70-Jährige sich nicht alleine um den Abwasch kümmern muss, sondern sich darauf verlassen kann, dass viele mit anpacken.

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