Premiere für Karaoke lesen
Vorlesen mal ganz anders

Lengerich -

Mit dem Begriff Karaoke wird in der Regel das Singen verbunden, bei dem zu eingespielter Musik eine Person von einem Bildschirm den dazugehörigen Text abliest und singt. In der Bodelschwingh-Realschule hat am Freitag Karaoke lesen Premiere gefeiert.

Samstag, 19.05.2018, 12:05 Uhr

Azercan Alci (rechts) und Albion Pira sind die ersten beiden Schüler, die beim Karaoke lesen die Bühne betreten. Am Ende ihres kurzen Auftritts gibt es stürmischen Applaus und ein Lob von Moderator Frank Sommer.
Azercan Alci (rechts) und Albion Pira sind die ersten beiden Schüler, die beim Karaoke lesen die Bühne betreten. Am Ende ihres kurzen Auftritts gibt es stürmischen Applaus und ein Lob von Moderator Frank Sommer. Foto: Michael Baar

Azercan Alci zögert nicht lange. Während Frank Sommer noch versucht, die ersten Freiwilligen zu gewinnen, steht der Schüler auf und geht zum Moderator nach vorne. Beifall von den Siebt- und Achtklässlern. Denn trotz der Erläuterungen von Frank Sommer – was sich hinter dem Begriff Karaoke lesen verbirgt, ist für die Schüler der Bodelschwingh-Realschule, Bonhoeffer-Realschule und des Hannah-Arendt-Gymnasiums noch mit Fragezeichen versehen.

Zehn Minuten später ist aller klar. Albion Pira hat sich freiwillig zu Azercan Alci auf die Bühne in der Aula der Bodelschwingh-Realschule begeben. Bei der Buchauswahl hilft das Publikum, weil die beiden keinen bestimmten Wunsch haben. Mit Beziehungen zu Mädchen sollte es allerdings schon zu tun haben.

Diese Lektüre gibt es auf der 29 Titel umfassenden Liste. „Das erste Mal – wird´s heute passieren?“ von Annette Weber wird auf Vorschlag der Zuhörer und mit sanftem Nachdruck von Frank Sommer – „Der Titel passt ja irgendwie auch auf Eure Situation jetzt“ – ausgewählt.

Die beiden Jugendlichen sitzen vor einem Laptop, lesen abwechselnd vor. Parallel wird diese Textpassage mittels Beamer auf eine Leinwand übertragen. Alle können mitlesen. Was den ganzen Vorgang zu einem Erlebnis macht, sind die ungewollten Kommentare, mit denen die Vorlesenden die Texte versehen.

„Genau so sollte das sein“, strahlt Frank Sommer nach dem etwa dreiminütigen Vortrag. Die Anmerkungen der Vorlesenden gäben dieser Vortragsform erst die richtige Würze. Und lassen das (Vor)Lesen aus einem Buch alles andere als langweilig erscheinen.

Der Schauspieler und Lesevermittler hat vor 19 Jahren „Eventilator“ gegründet. Mit seinen Veranstaltungen zielt er vor allem auf Kinder und Jugendliche, setzt dabei auf einen hohen Unterhaltungswert und ständige Interaktion. Das läuft an diesem Freitagvormittag in der Aula wie geschmiert.

So ganz nebenbei hat der Moderator bei der Begrüßung deutlich gemacht, dass Lesen keineswegs zu vernachlässigen sei. Es müsse ja nicht ein Buch oder eine Zeitschrift sein. Die Fähigkeit des Lesens werde im Alltag immer wieder gefordert. Nicht nur beim Lesen von Nachrichten in den sozialen Medien im Internet oder auf dem Mobiltelefon, sondern beispielsweise auch beim Einkauf. Schließlich wolle man ja das richtige Produkt kaufen und möglicherweise vorher noch die Zutatenliste studieren.

Kerstin Austrup, Leiterin der Stadtbücherei, die die Veranstaltung ermöglicht hat, sitzt hinten in der Aula und freut sich. Nicht nur über die gute Resonanz, sondern auch über „eine großzügige Privatspende und den Förderkreis“. Ohne die wäre das Karaoke lesen im Rahmen der Medienpartnerschaft Schule-Bibliothek nicht umzusetzen gewesen.

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