Gericht verurteilt 68-Jährigen
Tritt gegen den Kopf wird geahndet

Lengerich/Tecklenburg -

Der Angeklagte bestritt die Tat. Doch das Amtsgericht Tecklenburg sah es als erwiesen, dass der 68-Jährige während einer Rangelei einen anderen Mann, der am Boden lag, gegen den Kopf getreten hat. Der Vorfall hatte sich im Oktober 2017 in der Lengericher Innenstadt abgespielt.

Mittwoch, 13.06.2018, 11:53 Uhr

 
  Foto: dpa

Wegen gefährlicher Körperverletzung in einem minderschweren Fall hat das Amtsgericht Tecklenburg einen 68-jährigen Lengericher zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je zehn Euro verurteilt. Es sah es als erwiesen an, dass der Mann während einer Rangelei Ende Oktober 2017 seinen bereits am Boden liegenden Kontrahenten gegen den Kopf getreten hatte. Mehrere Zeugen hatten das Geschehen zwischen Stadtkirche und Stadtsparkasse beobachtet und beim ersten Hauptverhandlungstermin vor zwei Wochen ausgesagt (WN berichteten).

Drei berichteten seinerzeit vom Tritt gegen den Kopf, was auch die Bilder einer Überwachungskamera bestätigten. Dagegen stand die Einlassung einer Zeugin, die einen Tritt in den Bauch gesehen haben will, und vor allem die des Angeklagten, der behauptete, den ein Jahr Jüngeren nicht angefasst zu haben. Die Aussagen von drei Bekannten der Senioren brachten kaum Licht ins Geschehen. Sie waren zwar in der Nähe, wollen aber nichts gesehen haben.

Ein 22-jähriger Zeuge, der schon beim ersten Verhandlungstermin unentschuldigt nicht erschienen war, wurde am Dienstag von der Polizei direkt vom Arbeitsplatz in Hörstel weg ins Gericht geholt. Zwei Stunden dauerte die Verzögerung, die unterm Strich nur wenig Erhellendes brachte. Der junge Mann erinnerte sich daran, dass er dem am Boden Sitzenden aufgeholfen und den Arzt angerufen hatte. Den Rest kannte er nur durch Erzählungen von Bekannten.

An diesem Punkt hakte der Verteidiger in seinem Plädoyer ein. Der Ablauf des Geschehens sei nicht so sicher, weil viele Leute zwar nichts gesehen, sich aber rege über das Geschehen ausgetauscht hätten. Er sprach von einer „Vermengung des Erlebten“. Die Videoaufnahmen hielt er für interpretationsfähig. „Einen Tritt habe ich darin nicht gesehen.“ Zudem sah er Widersprüche in den Aussagen der Zeugen. Ging der Tritt gegen den Kopf oder den Bauch? War er leicht oder kräftig? Für ihn gab es keine eindeutigen Antworten darauf.

Weiter brachte er den „nachzeitigen extensiven Notwehrexzess“ ins Spiel. Nach Paragraf 33 des Strafgesetzbuches sollte sein Mandant straffrei bleiben, weil er sich aus Angst vor einem weiteren Angriff des gerade wieder aufstehenden Geschädigten wehren wollte. Zudem habe sich der 68-Jährige in einem Affektzustand befunden. Wegen aufgehobener Schuldfähigkeit sei er deshalb freizusprechen.

Der Richter folgte den Ausführungen des Verteidigers nicht. Für ihn war keine Notwehrlage erkennbar. „Er ist ja erst einmal ein paar Schritte weggegangen, bevor er zurückkam und zutrat, das macht keinen Sinn“, stellte er klar. Er wisse nicht, wie man das angesichts der Videoaufnahmen bestreiten könne. Das Gericht nahm gleichwohl wie die Vertreterin der Staatsanwaltschaft einen minder schweren Fall an. Da der Angeklagte nicht vorbestraft sei und es im Vorfeld des Geschehens von beiden Seiten Provokationen gegeben habe, sei die vom Gesetz vorgesehene Freiheitsstrafe zur Ahndung einer gefährlichen Körperverletzung in einem minder schweren Fall nicht notwendig. Eine Geldstrafe reiche aus.

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