Ab Montag Vollsperrung der Lienener Straße
Zu viele gefährliche Begegnungen

Lengerich -

Immer wieder sollen Busse und Lkw verbotenerweise durch den Baustellenbereich auf der Lienener Straße gefahren sein. Nun ziehen die Verantwortlichen für das Projekt daraus Konsequenzen: Der Abschnitt wird ab Montag in beide Richtungen voll gesperrt.

Freitag, 15.06.2018, 18:54 Uhr

Die erste Bitumendecke ist auf der rechten Fahrbahnhälfte aufgetragen. Ab Montag wird für die Sanierung der linken Fahrbahn die Lienener Straße komplett gesperrt.
Die erste Bitumendecke ist auf der rechten Fahrbahnhälfte aufgetragen. Ab Montag wird für die Sanierung der linken Fahrbahn die Lienener Straße komplett gesperrt. Foto: mba

Ab Montag, 18. Juni, wird die Lienener Straße zwischen Bahnunterführung und Einmündung Dyckerhoffstraße komplett gesperrt. Von der ursprünglich geplanten Einbahnstraßen-Regelung sind Kreis, Stadt, Polizei und Baufirma einvernehmlich abgerückt. Der Grund: Zu viele Bus- und Lkw-Fahrer haben sich nicht an das Durchfahrtsverbot gehalten und dadurch immer wieder die Bauarbeiter gefährdet.

„Der Kreis hat uns mitgeteilt, dass die halbseitige Sperrung im ersten Abschnitt keine Wirkung gezeigt hat“, berichtet Viktor Glück am Donnerstagabend im Ausschuss für Planung und Umwelt. Trotz Kontrollen, so der Fachdienstleiter Straßenbau der Stadtverwaltung, hätten sich relativ viele Verkehrsteilnehmer nicht an die Vorgaben gehalten.

Es ist „häufiger zu gefährlichen Situationen im Baustellenbereich gekommen“, heißt es am Freitag in einer Presseinformation des Kreises. Die Arbeitssicherheit könne nur durch eine Vollsperrung sichergestellt werden. „Mit dieser Entscheidung haben es sich alle Beteiligten nicht leicht gemacht“, ist in der Mitteilung zu lesen. Tiefgreifende Beeinträchtigungen kämen insbesondere auf die Anlieger und Gewerbetreibenden im Bauabschnitt zu. Für Anlieger sei es, in Abstimmung mit der Baufirma, grundsätzlich möglich, ihre Wohnungen und Grundstücke zu erreichen.

Umgeleitet wird der Verkehr in Richtung Hohne über Bahnhofstraße, Iburger Straße und An der Breede zurück zur Lienener Straße und in umgekehrter Straßenfolge von Hohne nach Lengerich.

Eine Planung, die Widerspruch bei Hartmut Grünagel auslöst. „Sperrung und Umleitung über Schulwege bis zu den Ferien, da sind gefährliche Situationen vorprogrammiert“, ist der Christdemokrat sicher. Zudem sei für die Bushaltestelle ein schlechter Standort gewählt worden. Die Einstiegsstelle, so Viktor Glück, werde nicht verlegt, aber die Halteverbotszone auf der Straße An der Breede verlängert.

Zufahrt zu Restaurants, Rettungswege, Müllabfuhr

Die Vollsperrung der Lienener Straße wird voraussichtlich am 16. Juli aufgehoben. Der Parkplatz des Restaurants Argentina wird aus Richtung Lengerich auch während der Vollsperrung immer erreichbar sein, die Pizzeria Toscana kann von den Parkplätzen nach Angaben des Kreises zu Fuß erreicht werden.Aus Richtung Hohne bleiben die Zufahrten zur Dyckerhoffstraße und zum Netto-Markt frei. Zwischen Krönerstraße und Dyckerhoffstraße wird eine zusätzliche Straßensperre eingerichtet.Für Rettungskräfte bleibt eine Durchfahrtmöglichkeit. Die Müllabfuhr erfolgt zu den gewohnten Zeiten, der Standort der Mülltonne muss eventuell mit der Baufirma vor Ort abgestimmt werden.Mit Ende der Vollsperrung beginnt der zweite Bauabschnitt. Zwischen Dyckerhoffstraße und Zufahrt zum Zementwerk wird die Fahrbahn halbseitig gesperrt, eine Durchfahrt ist nur auf einer Einbahnstraße in Richtung Hohne möglich.

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Guido Gradel lenkt den Blick auf einen anderen Aspekt: Ob es stimme, dass die Arbeiten einen zeitlichen Verzug von zwei bis vier Wochen haben, will der Sozialdemokrat wissen. Verzögerungen gebe es, bestätigt Viktor Glück. Aufgeholt werden soll diese „Verspätung“ durch die parallele Ausführung verschiedener Arbeitsschritte. So heißt es am Freitag auf Nachfrage der WN im Steinfurter Kreishaus.

Dort gibt es auch die Antwort auf eine weitere Frage des Sozialdemokraten. „Was ist mit der Prämie, die der Kreis ausloben wollte?“ Ob keine Firma darauf „scharf gewesen“ und die deshalb weggefallen sei“, will Guido Gradel zudem wissen.

Kommentar

Logische Konsequenz

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Wie rücksichtslos muss man sein, um für wenige Minuten Zeitgewinn Mitmenschen zu gefährden? Diese Frage werden sich die Chauffeure von Bussen und Lkw, die trotz Verbot durch die Baustelle auf der Lienener Straße geprescht sind, vermutlich nicht gestellt haben. Oder sie leiden an einer verheerenden Fehleinschätzung ihrer Fahrkünste, verbunden mit einem gehörigen Maß an Ignoranz gegenüber Verbotsschildern.

Dass jetzt die Baustelle komplett gesperrt wird, ist die logische Konsequenz. Kreis, Stadt, Polizei und Baufirma konnten gar nicht anders handeln. Sie haben das Wesentliche verstanden: Es geht um Menschen und in diesem speziellen Fall um das Wohlergehen der Bauarbeiter.

Es ist schon traurig, dass es offenbar nicht anders geht.  Michael Baar

„Das ist überlegt worden, dann aber für den ersten Bauabschnitt zurückgestellt worden“, sagt Sabrina Veer gegenüber den WN. Grund seien die wegen der Komplexität schwer einzuschätzenden Arbeitsumfänge gewesen. Doch das Thema Prämie ist nicht vom Tisch. Im dritten Bauabschnitt werde eine Prämie von 2500 Euro je Werktag ausgelobt, an dem keine Vollsperrung erforderlich sei. „Das ist maximal auf 50 000 Euro begrenzt“, ergänzt die Mitarbeiterin der Pressestelle des Kreises.

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