Ausstellung „perle!“
Kunst als Anstoß für Gedanken und Gespräche

Lengerich -

In der evangelischen Stadtkirche und der Pfarrkirche St. Margareta ist derzeit die Ausstellung „perle!“ zu sehen. Die Beteiligten sind, das wird bei einem Gespräch mit den WN deutlich, mit der Resonanz zufrieden.

Donnerstag, 21.06.2018, 12:50 Uhr

Ziehen eine Zwischenbilanz der Ausstellung „perle!“: Pfarrer Dr. Norbert Ammermann, Künstlerin Sigrun Menzel, Pfarrerin Sibylle Liening und Pfarrer Peter Kossen (von rechts) vor einem der Bilder in der St.-Margareta-Kirche.
Ziehen eine Zwischenbilanz der Ausstellung „perle!“: Pfarrer Dr. Norbert Ammermann, Künstlerin Sigrun Menzel, Pfarrerin Sibylle Liening und Pfarrer Peter Kossen (von rechts) vor einem der Bilder in der St.-Margareta-Kirche. Foto: Michael Baar

Warum heißen Zuckerperlen im Volksmund Liebesperlen? „Das fand ich immer irritierend“, erzählt Sigrun Menzel. Bis sie erkannt habe, dass in der Sprache der Kunst etwas anderes dahinter stecke, „etwas Befreiendes“. Sie macht sich auf die Spuren der Zuckerperlen und findet in Görlitz die Firma, in der die kleinen Süßigkeiten hergestellt werden.

Dort wird sie gefragt, warum sie nicht etwas von ihrer Kunst zeige. Die Osnabrücker Künstlerin betritt die Frauenkirche in Görlitz – und daraus entsteht die Ausstellung „Nonpareille“. Ein Begriff, der nicht nur aus der Drucktechnik kommt, sondern auch für kleine, farbige Zuckerkörner zum Bestreuen von Backwaren steht. Was in Sigrun Menzel die Assoziation weckt, Perlen kullern, bewirken was, das ist etwas lebendiges.

Wer sich jetzt fragt, was denn Perlen mit Lengerich zu tun haben, wird über die lateinische Sprache schnell fündig. Margareta heißt Perle. Vor der Reformation war die Stadtkirche eine Wallfahrtskirche, jetzt steht die Margareta-Kirche an der Bahnhofstraße. Was dazu geführt hat, dass Pfarrer Dr. Norbert Ammermann die Ausstellung „perle!“ in den beiden Gotteshäusern organisiert hat.

Am Pfingstmontag ist die Ausstellung eröffnet worden. „Sie wird wahrgenommen, die Leute gehen in die Kirche, um sie sich anzuschauen“, sagt Peter Kossen. Der Leitende Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen hat in Gesprächen erfahren, dass Menschen dankbar dafür sind, dass der Name Margareta „noch einmal aufgeschlüsselt wird“. Denn nur noch wenige würden wissen, dass Margareta Anfang des vierten Jahrhunderts als Märtyrerin gestorben ist. Dass durch die Ausstellung „die Botschaft der Liebe weitergegeben wird“, findet er gut.

In der katholischen Kirche sind Bilder zu sehen. In der Stadtkirche lässt sich das Kunstwerk von Sigrun Menzel buchstäblich betreten. Es ist mit roter Wolle und Glaskugeln rund um den Altar installiert. „Manche sind schon irritiert, wenn sie das sehen“, berichtet Pfarrerin Sibylle Liening von Reaktionen bei Taufen und Trauungen. An zwei Ecken sind wohl versehentlich Menschen draufgetreten, weist sie auf einen weiteren Aspekt hin.

Drei Veranstaltungen

 Samstag, 30. Juni: ab 15 Uhr Pilgerweg Stadtkirche - St. Margareta; Infos und Anmeldung 5 41/34 50 00 23. Dienstag, 3. Juli: „Perle – Heil und Heilung“, Gemeindeabend mit Diakonie und Caritas, ab 19.30 Uhr, Gemeindehaus St. Margareta. Samstag, 21. Juli: Patronatsfest und Abschluss der Ausstellung, 17.30 Uhr, Pfarrkirche St. Margareta.

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„Ich bin auch schon drauf rumgelaufen“, räumt sie im Gespräch ein. Allerdings mit flachen Schuhen und da habe sich nichts getan. „Ich hätte nicht erwartet, dass die Glaskugeln halten.“

Die Künstlerin erschüttert das nicht. „Wo man auf eine Glaskugel tritt, gibt es ein Knacks – und das Gefühl, man könnte runterstürzen.“ Und genau dadurch, davon ist sie überzeugt, werde in den Köpfen etwas bewirkt. Manchmal etwas ganz Profanes, wie Norbert Ammermann erlebt hat. „Ein Mann ist über die Perlen gelaufen und beim Wort schön hat es geknackst. „Warum nicht beim Wort schrecklich?“, sei es dem Besucher über die Lippen gekommen.

„Moderne Kunst stellt mehr Fragen als sie Antworten gibt“, meint Peter Kossen. So könnte „perle!“ dazu verführen, tiefer zu sehen und anders sehen zu lernen. Für ihn ist es eine Chance, dass die Besucher „mit anderen Leuten oder sich selbst ins Gespräch kommen“.

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