Unternehmen Bischof + Klein in Lengerich
Weniger Emotionen, mehr Fakten

Lengerich -

Kunststoffverpackungen tragen wesentlich zu Ressourcenschonung und Energie-Einsparung bei“, stellt Angelika Kotscha fest. Die B+K-Nachhaltigkeitsmanagerin verweist auf eine Untersuchung der Beratungsfirma Denkstatt (Wien). Würde Kunststoff komplett durch andere Materialien wie Glas, Papier oder Metall ersetzt, würde das einen Mehrverbrauch an Energie über den gesamten Lebenszyklus von 1240 Gigajoule pro Jahr bedeuten. Das Thema bereitet dem Unternehmen Sorge oder mehr die Diskussion darüber.

Samstag, 30.06.2018, 16:00 Uhr

Bischof + Klein setzt auf gut ausgebildete Fachkräfte und moderne Technologie.
Bischof + Klein setzt auf gut ausgebildete Fachkräfte und moderne Technologie. Foto: Bischof + Klein

Die Zahlen stimmen beim Verpackungs- und Folienhersteller Bischof + Klein (B+K). Im vergangenen Jahr wurde ein Umsatz in der Gruppe von 576 Millionen Euro erzielt. Beschäftigt werden 2700 Mitarbeiter, davon knapp die Hälfte (1330) am Stammsitz in Lengerich. Investiert wird in diesem Jahr unter anderem in eine neue Tiefdruckanlage, eine neue Konfektionsanlage im Reinraum und einen neuen Längsschneider am Standort Lengerich. So weit, so gut.

Was der Vorstand nicht gut findet, ist die Form der Diskussion über das Thema Plastik und Umweltverschmutzung. „Die Verschmutzung der Meere mit Müll, Stichwort Marine Litter, finden wir genau so schlimm wie viele andere Menschen“, sagt Vorstandsvorsitzender Dr. Tobias Lührig im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten. Er wünscht sich eine Bewusstseinsschärfung beim Endverbraucher. „Es geht doch letztlich um unseren Umgang mit dem, was wir verbrauchen, dazu gehört auch die leere Kunststoffverpackung.“

„Kunststoffverpackungen tragen wesentlich zu Ressourcenschonung und Energie-Einsparung bei“, stellt Angelika Kotscha fest. Die B+K-Nachhaltigkeitsmanagerin verweist auf eine Untersuchung der Beratungsfirma Denkstatt (Wien). Würde Kunststoff komplett durch andere Materialien wie Glas, Papier oder Metall ersetzt, würde das einen Mehrverbrauch an Energie über den gesamten Lebenszyklus von 1240 Gigajoule pro Jahr bedeuten. Oder anders ausgedrückt: „Das entspricht in etwa dem Jahres-Energieverbrauch von 21 Millionen Privathaushalten, das sind rund die Hälfte der bundesdeutschen Haushalte.“

„Wir begrüßen ausdrücklich die Initiative der EU“, erklärt Dr. Tobias Lührig. Wobei Deutschland in Teilen schon jetzt weit über die neuen Vorgaben aus Brüssel hinausgeht. So dürfen Kunststoffe bereits seit dem Jahr 2005 nicht mehr auf die Deponie. „Ökonomische Konsequenzen werden kommen“, ist er sich mit Blick auf die geforderte Recyclingfähigkeit von Verpackungen sicher. Ob das immer den gewünschten Effekt für die Umwelt haben wird, da hat der Vorstandsvorsitzende seine Zweifel. „Das ist wie mit AdBlue für Dieselfahrzeuge. Die Abgase werden sauberer, aber der Verbrauch steigt“, sieht er einen Zielkonflikt zwischen Klima- und Luftschutz.

Im eigenen Unternehmen sind die Verpackungsspezialisten beim Thema Wiederverwertung sehr weit. „Die Verwertungsquote unserer gesamten Produktionsabfälle liegt bei über 95 Prozent“, so Angelika Kotscha. Wo sortenrein recycelt werden kann, beispielsweise bei Randstreifen, wird direkt Regranulat gewonnen und wieder in der Produktion eingesetzt. Sie führt weitere Argumente für die flexible Kunststoffverpackung ins Feld: 90 Prozent des geförderten Rohöls würden verbrannt – für Verkehr, Heizung und andere Zwecke. Lediglich 1,5 Prozent des Rohöls gehen in die Produktion von Kunststoffverpackungen. „Diese Verpackungen tragen dazu bei, zum Beispiel Lebensmittel zu schützen, bei deren Produktion erhebliche Mengen an Energie, Wasser und weiteren Ressourcen verbraucht werden. Wenn sie, unverpackt, verderben, ist das eine schädliche Verschwendung dieser Ressourcen!“

In den vergangenen Jahrzehnten sind flexible Kunststoffverpackungen um circa 25 Prozent leichter geworden. Der Materialeinsatz hat sich entsprechend verringert. „Die Möglichkeiten von Kunststoff sind noch lange nicht ausgereizt“, stellt Dr. Lührig fest. Seine Überzeugung: „Flexible Kunststoffverpackungen sind nicht Kern des Problems, sondern Teil der Lösung.“

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