Stadtsparkasse Lengerich
Kunde wünscht Kompetenz vor Ort

Lengerich -

Die Stadtsparkasse Lengerich gibt es seit 175 Jahren. Grund genug, im Jubiläumsjahr einen Blick auf die aktuelle Situation zu werfen und einen Ausblick auf die nächsten Jahre zu wagen. Die beiden Vorstände Achim Glörfeld und Max Mews haben im Gespräch mit WN-Redakteur Michael Baar kein Blatt vor den Mund genommen.

Dienstag, 03.07.2018, 14:31 Uhr aktualisiert: 03.07.2018, 14:40 Uhr
Im Jahr des 175-jährigen Bestehens der Stadtsparkasse äußern sich die Vorstände Max Mews (links) und Vorsitzender Achim Glörfeld zu den Zukunftsaussichten des Geldinstituts in einer sich rasch wandelnden Welt.
Im Jahr des 175-jährigen Bestehens der Stadtsparkasse äußern sich die Vorstände Max Mews (links) und Vorsitzender Achim Glörfeld zu den Zukunftsaussichten des Geldinstituts in einer sich rasch wandelnden Welt. Foto: Michael Baar

Die Stadtsparkasse hat im Kernmarkt Lengerich eine starke Stellung. In der Gesamtbetrachtung ist sie ein kleines Institut. Hat dieser Weg Zukunft?

Achim Glörfeld : Ja, uneingeschränkt. In einer sich stark globalisierenden und anonymer werdenden Welt wächst das Bedürfnis nach lokalem Bezug. Das ist bei uns in Lengerich besonders ausgeprägt durch eine ex­trem starke Kundenbindung. Man kennt sich vor Ort, bei größeren Instituten ist das nicht unbedingt so. Hinzu kommt ein Team, in dem es wenig Fluktuation gibt.

Max Mews : 175 Jahre sind in jedweder Hinsicht ein Zeichen für Kontinuität. Wir gelten als verlässlich.

Ist die relativ kleine Größe ein Vorteil für Ihr Haus?

Achim Glörfeld: Sicherlich. In der Umsetzung strategischer Entscheidungen sind wir deutlich schneller als größere Häuser. In der Wahrnehmung der Kunden ist das auch so.

Max Mews: Kleinere Häuser haben im Regelfall zudem eine stärkere Kundenbindung. Im Grundsatz möchte der Kunde Geld besitzen und ausgeben. Beschäftigen möchte er sich mit den oftmals komplexen Geldthemen selber nicht. An diesem Punkt ist dann sein persönlicher Sparkassenberater gefordert, als Fachmann oder Fachfrau mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Da unsere Berater jahrzehntelang bei unserer Sparkasse beschäftigt sind, kennen unsere Kunden ihren Berater persönlich und wertschätzen eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Ist jemals darüber nachgedacht worden, mit einer anderen Sparkasse zu fusionieren?

Achim Glörfeld: Da hat es nie entsprechende Aktivitäten gegeben.

Gab es Avancen von anderen Geldhäusern?

Achim Glörfeld: Ob es in anderen Häusern entsprechende Überlegungen gegeben hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Wir sehen jedenfalls keine Notwendigkeit für einen solchen Schritt.

Wie haben sich die Ansprüche der Kunden verändert?

Achim Glörfeld: Die Kundenbedürfnisse und -ansprüche haben sich im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung sehr gewandelt. Der Kunde will Service und Informationen rund um die Uhr. Nur noch zwei Prozent unserer Kunden sind ausschließlich „offline“, das heißt sie nutzen weder unseren SB-Service noch unsere Internetfiliale. Vor 20 Jahren war das noch rund die Hälfte aller Kunden. Komplett „online“ sind etwa sechs Prozent unserer Kunden. Dieser Personenkreis bedient sich ausschließlich der neuen Medien zur Kontaktaufnahme und Geschäftsabwicklung. Der weitaus überwiegende Teil der Kunden nutzt jedoch je nach Bedarf und damit wahlweise alle Kanäle, die wir anbieten: die Geschäftsstelle mit dem personenbedienten Service und der persönlichen Beratung, das SB-Angebot und unsere Internetfiliale.

Max Mews: Dieses Kundenverhalten gibt es überall, nicht nur beim Geldgeschäft. Der Kunde kommt auf dem Weg zu uns, der ihm für seine individuelle Situation als der geeignetste erscheint. Bemerkenswert ist, dass mobile Dienste immer mehr auch von älteren Menschen genutzt werden.

Wird es in zehn oder 20 Jahren neue Geschäftsfelder geben, an die man heute noch nicht denkt?

Achim Glörfeld: Sicherlich, denn die Welt wird sich verändern und damit auch die Kundenbedürfnisse. So könnte ich mir vorstellen, dass sich in 20 Jahren das aus den USA bekannte Produkt „Haus gegen Rente“ durchgesetzt hat. Dabei wird älteren Hauseigentümern, die weiterhin in Ihrer Immobilie wohnen bleiben möchten, zur Aufbesserung ihres Alterseinkommens eine lebenslange Rente zugesichert. Im Gegenzug erhält der Geldgeber die Möglichkeit, das Objekt im Todesfall zu veräußern. Auch der individuelle Zahlungsverkehr wird sich in den nächsten Jahrzehnten durch neue Techniken extrem wandeln.

Hat Bargeld eine Zukunft?

Max Mews: Es ist ganz schwierig, die Deutschen vom Bargeld loszubekommen. Umgekehrt gibt es in letzter Zeit immer wieder Diskussionen, Bargeld gänzlich abzuschaffen. Das wäre dann allerdings ein europäisches Thema. Wenn Bargeld im Euro-Raum abgeschafft würde, bliebe Deutschland auf Dauer davon nicht verschont.

Ist es für ein kleines Haus schwieriger geworden, die gesetzlichen Anforderungen – beispielsweise in Sachen Eigenkapital – zu erfüllen?

Achim Glörfeld: Die höheren Eigenkapitalanforderungen zu erfüllen, sind für uns nicht das Problem. Sorgen bereitet uns die sonstige Flut an Regulatorik, die auf uns niederprasselt. Die maßgeblichen Regulierungen werden auf EU-Ebene für systemrelevante, häufig international tätige Kreditinstitute definiert und sind dann im Regelfall auch für Sparkassen und Genossenschaftsbanken verbindlich. Dies stellt insbesondere kleinere Häuser vor große Herausforderungen.

Wie zeigt sich in Ihrem Haus dieser Hang zur Regulatorik?

Achim Glörfeld: Seit der Finanzkrise mussten und müssen wir eine Vielzahl neuer regulatorischer Vorschriften umsetzen. Hinzugekommen sind umfangreiche Novellierungen bestehender Vorschriften. Enorme Personalkapazitäten werden dadurch gebunden. Den entstehenden Personal- aber auch Sachkosten stehen keine Erlöse aus dem Kundengeschäft gegenüber. Fazit: Die aus Sicht einer Sparkasse mittlerweile überbordende Regulatorik wirkt sehr rentabilitätsbelastend.

Werden kleine Geldinstitute benachteiligt?

Max Mews: Eindeutig Ja. Es wird keine Rücksicht auf die Geschäftsmodelle genommen. Die Kleingliedrigkeit des deutschen Bankensystems mit einer Vielzahl von Sparkassen und Genossenschaftsbanken ist in Eu­ropa einmalig. Leider tut man sich auf EU-Ebene schwer, die Besonderheiten der jeweiligen Geschäftsmodelle zu berücksichtigen. Alle werden über einen Kamm geschoren

Sehen Sie dahinter ein System?

Achim Glörfeld: Das glaube ich nicht. Fakt ist aber, dass Deutschland in der Vergangenheit zu wenig die Besonderheiten und Vorteile des deutschen Drei-Säulen-Modells bestehend aus den privaten Geschäftsbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken propagiert hat. Gerade durch diese Aufstellung ist Deutschland deutlich besser als alle anderen Volkswirtschaften durch die Finanz- und Wirtschaftskrise in 2008/2009 gekommen.

Hat die jahrelange niedrige Zinsphase das Geschäft schwieriger gemacht?

Achim Glörfeld: Eindeutig. Ein Beispiel: Wenn wir einerseits bei der Landeszentralbank Liquidität parken und dafür Zinsen zahlen müssen, andererseits diese Negativzinsen bewusst nicht an unsere Kunden weitergeben und dies auch nicht wollen, drückt das zwangsläufig auf die Ertragssituation.

Was wird schneller vorbei sein: Die Niedrigzinsphase oder die Regulierungswut?

Achim Glörfeld: Was die Niedrigzinspolitik der EZB anbelangt, ist ein Ende absehbar. Die EZB hat vor kurzem signalisiert, höhere Zinsen im Herbst 2019 in den Fokus nehmen zu wollen. Demgegenüber wird uns die Regulatorik dauerhaft erhalten bleiben. Hier können wir nur perspektivisch auf Erleichterungen für kleinere Kreditinstitute hoffen.

Wird die Stadtsparkasse in den nächsten Jahren mit anderen Geldhäusern zusammenarbeiten (müssen), um die Wünsche der Kunden erfüllen zu können, beispielsweise in Sachen Finanzberatung?

Max Mews: Zusammenarbeit ja, aber nicht bei der Beratung der Kunden. Gerade die individuelle Beratung vor Ort ist unsere Kernkompetenz, unsere Stärke. Für die reine Abwicklung der Geschäfte haben wir schon immer starke Verbundpartner an unserer Seite. Der Trend, die Prozesse hinter der Beratung möglichst zu standardisieren oder auszulagern, ist aber eindeutig gegeben.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Max Mews: Wenn ein Kunde Wertpapiere kauft, lässt er sich bei uns im Haus beraten. Der eigentliche Kauf läuft dann über die DWP-Bank, wo die Papiere auch eingelagert werden.

In welchen Bereichen gibt es schon Kooperationen mit anderen Sparkassen oder Banken?

Achim Glörfeld: Die gibt es beispielsweise schon im Zahlungsverkehr bei den beleghaften Überweisungen. Die Bearbeitung erfolgt, auch wegen der immer geringer werdenden Stückzahl, nicht mehr bei uns im Haus. Da arbeiten wir mit einer anderen Sparkasse zusammen.

Max Mews: Kooperationen gibt es auch auf anderer Ebene, beispielsweise zusammen mit anderen Sparkassen bei Seminaren für unsere Auszubildenden und Mitarbeiter. Auch die reine Personalsachbearbeitung, wozu unter anderem die Lohnbuchhaltung gehört, ist an einen Dienstleister ausgegliedert. Die Personalentwicklung und -fortbildung unserer Mitarbeiter haben wir selbstverständlich nicht aus der Hand gegeben.

Wie wird sich die Stadtsparkasse Lengerich im Jahr 2043, wenn sie 200 Jahre besteht, präsentieren?

Achim Glörfeld: Wie heute: als innovatives, modernes, auf Lengerich ausgerichtetes Kreditinstitut. Kurz, als Stadtsparkasse Lengerich.

Hat es Beschwerden bei der Umwandlung der Filiale Hohne in ein SB-Center gegeben?

Achim Glörfeld: Die Umwandlung ist geräuschlos über die Bühne gegangen. Dass es, allerdings nur sehr vereinzelt, kritische Stimmen gegeben hat, liegt in der Natur der Sache und war zu erwarten.

Wird die Immobilie verkauft?

Achim Glörfeld: Es laufen Gespräche. Klare Vorgabe dabei: Das SB-Foyer soll erhalten bleiben. Das ist Bestandteil aller Verhandlungen.

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