Helios-Klinik Lengerich
Erleichterung nach langer Wartezeit

Lengerich -

Frank Mönter und Dr. Michael Mandrysch sind erleichtert. Das sieht man den Gesichtern des Geschäftsführers der Helios-Klinik Lengerich und des Chefarztes der Neurologie an. Obwohl die Nachricht, die sie am Freitag erreichte, keine Überraschung war: Zum 1. Oktober übernimmt die Helios-Klinik die Abteilung Neurologie vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe.

Montag, 20.08.2018, 06:30 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 20.08.2018, 06:24 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 20.08.2018, 06:30 Uhr
Freuen sich, dass der Feststellungsbeschluss über den Wechsel der Abteilung Neurologie vom Landschaftsverband zur Helios-Klinik endlich eingetroffen ist: Chefarzt Dr. Michael Mandrysch (rechts) und Geschäftsführer Frank Mönter.
Freuen sich, dass der Feststellungsbeschluss über den Wechsel der Abteilung Neurologie vom Landschaftsverband zur Helios-Klinik endlich eingetroffen ist: Chefarzt Dr. Michael Mandrysch (rechts) und Geschäftsführer Frank Mönter. Foto: Michael Baar

Was an den beiden Männern „genagt“ hat, wie sie es beschreiben, ist der Zeitraum, der sich zwischen Ankündigung und Vollzug immer weiter gedehnt hat. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hatte im März beim Besuch angekündigt, dass der Feststellungsbescheid im Mai kommen würde. Seitdem sind drei weitere Monate vergangen. „Das hat genervt“, gibt der Geschäftsführer unumwunden zu.

„Natürlich war die Vorfreude da, als es klar war, in welche Richtung es geht“, blickt Michael Mandrysch zurück. Doch über Monate hinweg könne man die nicht aufrechterhalten, räumt er ein. Trotzdem habe er am Freitag, als die Nachricht vom LWL aus Münster zu ihm gekommen sei, umgehend sein Team informiert. Und auch Frank Mönter hat nach Eingang der Nachricht diese unverzüglich im Haus weiterverbreitet.

Erleichterung sei das vorherrschende Gefühl bei seinen Leuten gewesen, berichtet der Chefarzt im Gespräch mit den WN. „Freude natürlich auch.“ Ob alle seine rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit zur Helios-Klinik wechseln werden, „müssen die jetzt, jeder für sich, entscheiden.“ Ein Angebot des Krankenhauses hat jeder erhalten, ergänzt Frank Mönter. Und auch ein Wechsel zurück zum LWL, sollte es jemanden bei Helios nicht gefallen, sei möglich.

Insolvenzen, Unterschriftenlisten, Einspruchsfristen

Seit 1956 gibt es die Abteilung Neurologie in Lengerich. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe hat sie in seiner LWL-Klinik an der Parkallee untergebracht. 1998 wird die Abteilung ins damals evangelische Krankenhaus an der Martin-Luther-Straße ausgelagert.Im Juni 2003 geht das Krankenhaus in die Insolvenz. Wenige Monate später übernimmt die Neue Pergamon Krankenhausgesellschaft das Haus. Ehrgeizige Pläne werden verkündet, gut drei Jahre später geht das Unternehmen ebenfalls in die Insolvenz. Im Mai 2007 steigt der Helios-Konzern ein. Die Neurologie im Haus ist unverändert in Trägerschaft des LWL.Der kündigt im Dezember 2016 an, sich von dieser Abteilung trennen zu wollen. Schnell stehen Interessenten auf der Matte: aus Warendorf, Greven, Ibbenbüren und natürlich die Helios-Klinik. Hinter den Kulissen beginnt das Tauziehen um die Zukunft der Neurologie in Lengerich.Bürger, Politik und Verwaltung nehmen das nicht tatenlos hin. Wie 14 Jahre zuvor werden Unterschriften gesammelt. Nicht für den Erhalt des Krankenhauses, sondern für den Verbleib der Neurologie in der Helios-Klinik Lengerich. 6300 Unterschriften kommen zusammen und werden der damaligen NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens bei einer Podiumsdiskussion im März 2017 in der Gempt-Halle überreicht.Die Entscheidung lässt auf sich warten. Zu Jahresbeginn kommt die Mitteilung, dass die Neurologie in Lengerich bleiben soll. Doch die endgültige Entscheidung – unter anderem müssen Einspruchsfristen der unterlegenen Bewerber abgewartet werden – zieht sich hin. Am 16. August soll der Feststellungsbescheid kommen, kündigt die Bezirksregierung Münster an. Einen Tag müssen allen Beteiligten noch Hoffen und Bangen, dann steht es fest: Neurologie und Stroke-Unit verbleiben in der Stadt.

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Von einem nahtlosen Übergang sind beide fest überzeugt. „Es ist eine voll funktionsfähige Abteilung, die zu Helios wechselt“, betont Michael Mandrysch. Wie Frank Mönter hebt er einen Aspekt der Entscheidung hervor: „Die wohnortnahe Versorgung von Patienten, gerade bei Verdacht auf Schlaganfall, wird damit in vollem Umfang weiter garantiert.“

Und ab Oktober noch ein Stückchen verbessert, denn die Neurologie wird neben die Intensiv-Medizin in der Helios-Klinik umziehen. „Damit ist alles, was wichtig ist, zum Beispiel Computertomographie, mit noch weniger Schritten zu erreichen“, so der Chefarzt.

Kommentar

Ende gut, alles gut!

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Ende gut, alles gut? Mit Blick auf die Abteilung Neurologie muss diese Frage mit einem klaren Ja beantwortet werden.

Was im Rückblick als Selbstverständlichkeit erscheint, bedurfte eines harten Ringens. Denn nicht alle Beteiligten waren davon überzeugt, dass die Neurologie am Standort Lengerich erhalten werden soll. Dazu zählen nicht nur die drei Mitbewerber. Die Kreistagspolitiker haben den Plan der Mathias-Stiftung Rheine favorisiert, die Neurologie und insbesondere die Stroke-Unit an einem Standort im Kreis zu bündeln: im Klinikum Ibbenbüren der Stiftung.

Doch die Lengericher, allen voran Bürgermeister Wilhelm Möhrke, und die Bürger aus den umliegenden Kommunen haben sich für den Erhalt der Abteilung an der Martin-Luther-Straße stark gemacht. Beispielsweise mit 6300 gesammelten Unterschriften. Viele Zeichen wurden gesetzt, die in der Abteilung und in der Helios-Klinik dankbar registriert wurden. Jetzt steht die Entscheidung. Ein gutes Ende!

Die Zahl der Patienten ist mit rund 1200 Menschen seit Jahren stabil. Für die Helios-Klinik ist die Neurologie die gewünschte vierte Abteilung. „Und deren Budget für das nächste Jahr müssen erstmals wir verhandeln“, stellt Frank Mönter fest. Sein Gesicht verrät, das ihn das freut.

Und der LWL? „Wir freuen uns, dass der Feststellungsbescheid der Bezirksregierung nunmehr vorliegt und so ausgefallen ist, wie wir es uns gewünscht haben“, wird Thomas Profazi, stellvertretender LWL-Krankenhausdezernent, in einer Pressemitteilung zitiert. Während des laufenden Verfahrens hatte er sich zu keiner Äußerung bewegen lassen, welchem Bewerber denn der Landschaftsverband am liebsten die Abteilung übergeben werde.

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