Ist die gelbe Tonne eine Alternative?
Die Krux mit den dünnen Säcken

Lengerich -

Zu dünn. Diese Meinung blieb im Umweltausschuss unwidersprochen und bezog sich auf das Material, aus dem den gelben Säcke gefertigt werden. Ob das Material dicker werden kann oder die gelbe Tonne eine Alternative ist – die Verwaltung soll die Sache rechtzeitig vor Auslaufen des aktuellen Vertrages zum Jahresende 2020 klären.

Dienstag, 18.09.2018, 06:30 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 18.09.2018, 06:24 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 18.09.2018, 06:30 Uhr
Gelber Sack oder gelbe Tonne: Diese Auswahlmöglichkeit haben im Kreis Steinfurt nur die Bürger von Lienen und Westerkappeln.
Gelber Sack oder gelbe Tonne: Diese Auswahlmöglichkeit haben im Kreis Steinfurt nur die Bürger von Lienen und Westerkappeln. Foto: Michael Baar

Mit den gelben Säcken ist das so eine Sache. In ihnen werden Umverpackungen gesammelt, um sie einer Wiederverwertung zuzuführen. 1991 ist dieses Verfahren mit Gründung des Dualen Systems eingeführt worden. Die größte – und ärgerlichste – Veränderung in diesen 27 Jahren: Die Säcke seien immer dünner geworden. Konsequenz daraus: Sie platzen schneller, der Inhalt liegt auf der Straße verstreut.

Ist eine gelbe Tonne die bessere Lösung? Im Umweltausschuss ist intensiv – auf Basis eines Antrags der CDU-Fraktion – darüber diskutiert worden. Erläuterungen zum Sammelsystem lieferte Nico Königkrämer von der Entsorgungsgesellschaft Steinfurt (Egst).

Zu dünn. Diese Feststellung bezüglich der Säcke zog sich wie ein roter Faden durch die Diskussion. Ob die schlechte Qualität reklamiert werden könne, wollte SPD-Fraktionschef Andreas Kuhn wissen. Wenig Zuversicht gab die Antwort von Nico Königkrämer: „Das müsste dokumentiert werden, aber die Chancen auf Regress schätze ich eher gering ein.“

Also doch eine gelbe Tonne statt dünner Säcke? „Die Säcke“, das hatte CDU-Fraktionsvorsitzender Klaus Reiher bemängelt, „vermüllen die Stadt, sobald etwas Wind weht und den Inhalt über die Straße fegt.“ Allerdings, das räumte er ein, hätte auch die Tonne Nachteile.

Einen gravierenden belegte Nico Köngikrämer mit Zahlen aus dem Kreis. In Rheine, wo gelbe Säcke eingesetzt werden, läge die Fehlwurf-Quote bei 30 Kilogramm pro Einwohner und Jahr. Im Nachbarort Neuenkirchen, wo die gelbe Tonne eingesetzt wird, läge diese Quote bei 60 Kilogramm. Den Grund nannte er gleich mit: Beim Sack könne man auf einen Blick erkennen, was nicht hineingehöre, bei der Tonne sei das nicht möglich.

Und eine Kombination aus gelber Tonne und gelbem Sack? Der erteilte der Egst-Mann eine klare Absage. Das sei mit den Entsorgungsfirmen nicht zu vereinbaren. Jedenfalls nicht in heutiger Zeit. Früher – man ahnt es fast – war das anders, wie die Beispiele Lienen und Westerkappeln belegen. Dort werden seit 1993 beziehungsweise 1994 sowohl gelbe Tonnen geleert wie auch gelbe Säcke eingesammelt. „Heute wird das mit der Firma nicht mehr zu vereinbaren sein, die akzeptieren zähneknirschend die Sonderstellungen der beiden Gemeinden.“

Was bei der Tonne erschwerend hinzukommt: Sie beansprucht einen Stellplatz, der nicht überall vorhanden ist, tummeln sich doch schon Restmüll-, Bio- und Papiertonne auf den entsprechenden Flächen.

„Und wenn die Stadt bessere, sprich dickere, Säcke besorgt?“ Die Antwort von Nico Königkrämer auf diese Frage von Andreas Kuhn weckte wenig Hoffnung. Die Firma besorge die Säcke, ob die Stadt solche kaufen könne, hielt er für fraglich.

Also müsse die Egst die Sackqualität vorgeben, nannte Bürgermeister Wilhelm Möhrke die nächste Möglichkeit. „Es gibt eine Sack-Norm“, erwiderte Nico Königkrämer. Deren Einhaltung werde seines Wissens chargenweise bei der Lieferung geprüft.

Der aktuelle Entsorgungsvertrag läuft noch bis Ende 2020, eine schnelle Lösung gibt es nicht. „Die Verwaltung sollte es im Auge behalten und bei der erneuten Ausschreibung die Chancen auf dickere Säcke oder ein Tonne-Sack-Mischsystem prüfen“, riet Klaus Reiher.

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