Wochenmarkt Lengerich
Rund 20 Beschicker sind immer da

Lengerich -

Blutet der Lengericher Wochenmarkt aus? Am Mittwoch der vergangenen Woche tat sich auf dem Marktplatz eine große Lücke auf. Eine Woche später sieht es anders aus. „Urlaubszeit und Krankheit“ nennt Ulrich Diekmann als Gründe dafür, das vor einer Woche weniger Beschicker als sonst gekommen waren. Diese Einschätzung des Marktmeisters bestätigt Rainer Wittmann, Sprecher der Beschicker, auf Nachfrage der WN.

Donnerstag, 20.09.2018, 12:30 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 20.09.2018, 12:21 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 20.09.2018, 12:30 Uhr
Marktbeschicker Rainer Wittmann erklärt Martin Pogrifke (rechts) und Ulrich Diekmann (links) worauf bei dieser Pflanze zu achten ist.
Marktbeschicker Rainer Wittmann erklärt Martin Pogrifke (rechts) und Ulrich Diekmann (links) worauf bei dieser Pflanze zu achten ist. Foto: Michael Baar

Eigentlich sei der Lengericher Wochenmarkt gut aufgestellt, meint der 61-Jährige. Fehlt was? „Es wäre schön, wenn noch ein Bio-Bauer käme, der gehört einfach dazu“, nennt er einen Wunsch. An dessen Realisierung arbeitet Ulrich Diekmann schon lange. Etliche Betriebe habe er angeschrieben, erzählt er. Frustrierendes Ergebnis: „Nicht einer hat darauf reagiert, nicht mal, wenn ich nachgehakt habe.“

Vorbei die Zeiten, als die Händler bei der Stadt nach einem Stand auf dem Wochenmarkt nachgefragt haben. Zwar gebe es immer mal wieder Anfragen, „aber den fünften Gemüse- oder Blumenhändler brauchen wir auch nicht“, setzt der Marktmeister auf einen gesunden Mix im Angebot.

Rund 20 Dauerbeschicker sind mittwochs und/oder samstags auf dem Marktplatz präsent. Hinzu kommen saisonale Anbieter, beispielsweise mit frischem Obst oder mit Autopolitur. Letztere im Winter anzubieten mache keinen Sinn.

Einig sind sich Rainer Wittmann und Ulrich Diekmann, dass sich das Marktgeschehen gewandelt habe. Früher hätten Hausfrauen auf dem Markt Gemüse gekauft, um daraus das Mittagessen zuzubereiten. „Wo gibt´s das noch?“ Beide zucken mit den Schultern.

Fachdienstleiter Martin Pogrifke lenkt den Blick auf ein anderes Thema: Demografie. Nicht nur die Marktbesucher, auch die Beschicker würden älter. Ulrich Diekmann zählt aus dem Stand drei, vier Beschicker auf, die nach seiner Einschätzung in den nächsten zwei, drei Jahren aus Altersgründen den Marktstand aufgeben würden. Nicht jeder hat einen Nachfolger in der Familie so wie Rainer Wittmann, dessen Sohn die Geschäfte am Stand regelt.

Mit Blick auf den Neubau des Markt-Karrées erhofft sich Rainer Wittmann eine Erhöhung der Kundenfrequenz. „Das war vor dem Abriss des K+K so, dass dort viele eingekauft haben und dann noch eben auf den Markt gegangen sind.“

Fraglich allerdings, wie lange der Marktplatz noch seinem Namen Ehre macht. Mittel- bis langfristig werde sich was tun, ist Martin Po­grifke überzeugt. Zum einen, weil möglicherweise eine Bebauung der Fläche zur Debatte stehe. Zum anderen, weil die Bodelschwingh-Realschule in wenigen Jahren leer stehe.

Welche Alternative gibt es? Von einem Wochenmarkt rund um die Stadtkirche halten Ulrich Diekmann und Martin Pogrifke nichts. „Im Sommer mag das ja schön aussehen, aber im Winter bei Wind und Frost dort zu stehen?“ Der Fachdienstleiter schüttelt sich, beantwortet so seine Frage.

Rainer Wittmann führt einen weiteren Grund ins Feld, der gegen das Areal an der Kirche spricht: „Hier können die Kunden ihre Einkäufe direkt ins Auto legen oder wir helfen ihnen, den Sack Kartoffeln dort hinzubringen. An der Stadtkirche geht das mangels Parkplätzen nicht.“

Schon als kleiner Dötz war er mit seinen Eltern auf dem Markt. „Früher war der Wochenmarkt zum Muttertag immer an der Kirche“, erinnert er sich. Nicht wenige Kunden hätten damals gesagt, sie würden diese oder jene Pflanzen benötigen, kämen aber in der nächsten Woche wieder – wenn der Markt wieder auf dem Marktplatz stattfinde.

Vielleicht gibt ja durch ein Leader-Projekt zum Thema Wochenmärkte, das im Kreis Steinfurt vorangetrieben wird, Impulse. Eine Bestandsanalyse – was gibt es? – soll sich eine Potenzial-Analyse – was könnte noch gehen? – anschließen, erläutert Martin Pogrifke..

Ulrich Diekmann wendet sich wieder seiner Pflicht als Marktmeister zu, kassiert die Standgebühr. 30 Cent je Quadratmeter werden fällig, mindestens drei Euro. In einem guten Monat sind es etwa 1200 Euro für die Stadtkasse, in schlechteren zwischen 900 und 1000 Euro. Strom geht extra, per Abschlagszahlung auf Basis einer jährlichen Abrechnung.

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