Verhandlung vor dem Schöffengericht
Bewährungsstrafe für Raub

Lengerich/Lienen -

Das Schöffengericht des Amtsgerichts Ibbenbüren verhandelte jetzt über einen Raubüberfall aus dem Jahr 2016. Am 21. Mai vor zwei Jahren hatte am Bus-Steig des Bahnhofs Lengerich ein junger Mann einen anderen Mann, der gerade in den Bus nach Lienen einsteigen wollte, zurückgerissen, geschlagen und der Geldbörse beraubt. Dieser an sich klare Tatbestand entpuppte sich im Verlauf der Hauptverhandlung nur als Endpunkt einer längeren und verwirrenden Geschichte.

Donnerstag, 27.09.2018, 06:20 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 27.09.2018, 06:18 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 27.09.2018, 06:20 Uhr
 Das Amtsgericht Ibbenbüren.
 Das Amtsgericht Ibbenbüren. Foto: Frank Klausmeyer

Einzig die begangene Körperverletzung war zwischen den Parteien unstrittig, aber alle weiteren Punkte der Anklage – wie Schwere der Verletzung, die Art, wie das Geld entwendet wurde und der Geldbetrag, ob 150 oder 250 Euro – waren zwischen dem Staatsanwalt und der Verteidigerin strittig. Dazu gab es einige Sprachbarrieren zu überwinden.

Der Angeklagte und der Geschädigte stammen beide aus Guinea und sprechen Französisch als Muttersprache. Darüber hinaus waren einige der Zeugen ebenfalls keine Deutsch-Muttersprachler, so dass zeitweise bis zu drei Dolmetscher beschäftigt waren, die Aussagen zu übersetzen, um ein geregeltes Verfahren zu gewährleisten.

Im Verlauf der Hauptverhandlung stellte sich heraus, dass die gemeinsame Vorgeschichte der beiden Männer wahrscheinlich Auslöser für die Tat gewesen sein könnte. Während der Angeklagte ausführte, er und der Geschädigte seien „beste Freunde“, konnte sich dieser nicht an engere gemeinsame Aktivitäten erinnern. Vor allem bestritt er, von dem Angeklagten eine wertvolle Kette ausgeliehen und nicht zurückgegeben zu haben.

Genau aus diesem Verleih zog der Angeklagte sein Motiv zur Tat. „Kette oder Geld“ soll er nach Zeugenaussagen bei der Tat gerufen haben. Ob der Umstand, dass der Geschädigte jetzt mit der Ex-Freundin des Beklagten verheiratet ist, Einfluss auf die Ausübung der Tat hatte, konnte der Vorsitzende Richter trotz intensiver Nachfragen nicht abschließend klären. Überhaupt war es schwierig, den über zwei Jahre zurückliegenden Sachverhalt zu rekonstruieren.

Die sprachlichen Hürden und die nachvollziehbare nachlassende Erinnerung der Zeugen, sorgten dafür, dass sich die Verhandlung bis in den Nachmittag hinzog, bevor die Plädoyers gehalten werden konnten. Deren zentraler Punkt war die Einschätzung der Tat: als Raub – wie vom Staatsanwalt gefordert, oder als Diebstahl – wie von der Verteidigung gesehen.

Erst nach längerer Beratung fällten die drei Richter des Schöffengerichts ihr Urteil. Der Angeklagte wurde wegen Raubes in einem minderschweren Fall zu elf Monaten Haft verurteilt, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Damit folgte das Gericht weitgehend den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Ferner muss der Täter die entwendeten 250 Euro zurückzahlen und 300 Stunden Sozialdienst leisten.

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