90 Jahre Eisenbahntunnel
Eine Röhre für 60 000 Züge

Lengerich -

Vor 90 Jahren wurde der heute noch in Betrieb befindliche Lengericher Eisenbahntunnel in Betrieb genommen. Bis zu 260 Arbeiter hatten das Projekt in knapp zwei Jahren umgesetzt. Die Bahn sagt, das Bauwerk sei immer noch in einem sehr guten Zustand.

Freitag, 12.10.2018, 05:00 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 12.10.2018, 04:55 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 12.10.2018, 05:00 Uhr
Eurobahn (im Bild), Fern- und Güterzüge passieren den Tunnel auf der Strecke zwischen Osnabrück und Münster.
Eurobahn (im Bild), Fern- und Güterzüge passieren den Tunnel auf der Strecke zwischen Osnabrück und Münster. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Es soll Menschen aus dem Süden der Republik geben, die das Bauwerk für eine Art 581 Meter breite Grenze halten: Am Südausgang ist Deutschland, am Nordausgang beginnt Ostfriesland. Dass dem natürlich nicht so ist, braucht man einem Lengericher nicht zu erklären, wenn das Gespräch auf den Eisenbahntunnel kommt. Das wichtige Verbindungsstück zwischen Osnabrück und Münster, Köln und Hamburg, Ruhrpott und Nordsee wurde vor 90 Jahren in Betrieb genommen.

Damals, am 10. Oktober 1928, war allerdings noch nicht klar, dass die Röhre unter dem Teuto einmal den gesamten Nord-Süd-Schienenverkehr aufnehmen würde. In dem Bericht „Am Knick in der ,Rollbahn‘“, den der Lengericher Detlev Höhn schon vor längerer Zeit verfasst hat, ist zu lesen, dass zunächst noch daran gedacht war, Züge auf insgesamt vier Gleisen durch den neuen und den alten Tunnel fahren zu lassen. Die Weltwirtschaftskrise machte seinerzeit einen Strich durch diese Rechnung. „Waren Anfang des Jahres 1929 noch circa 180 Züge werktäglich auf der Rollbahn anzutreffen gewesen, so waren es an entsprechenden Stichtagen des Jahres 1933 nicht einmal mehr zwei Drittel dessen“, schreibt das Mitglied der hiesigen Eisenbahnfreunde.

Die Zahlen von vor 89 Jahren werden auch heute nicht ganz erreicht. Bahnsprecher Torsten Nehring sagt, dass auf der Strecke pro Jahr etwa 60 000 Züge unterwegs seien. Das macht durchschnittlich etwa 164 pro Tag.

Begonnen wurde der Bau des zweiten Tunnels am 8. November 1926. Den Auftrag hatte die Firma Gockel & Niebur aus Bochum bekommen. Detlef Höhn vermerkt über die Baufortschritte: „Die tägliche Ausbruchmenge betrug circa 150 bis 200 Kubikmeter, der tägliche Klinkerverbrauch für die Ausmauerungen circa 9000 Stück, die tägliche Leistung an Mauerwerk circa 1,25 bis 1,50 Meter.“ Damit beschäftigt waren bis zu 260 Arbeiter, unter ihnen 50 Tunnelbau-Spezialisten, von denen viele aus Österreich kamen.

Nach gut einem Jahr, am 24. November 1927, gelang der Durchschlag. Als nochmals knapp zehneinhalb Monate später die Inbetriebnahme erfolgte, waren rund 3,18 Millionen Reichsmark unter dem Intruper Berg verbuddelt und verbaut worden. Alter und neuer Tunnel liegen, wie bei Wikipedia zu lesen ist, nur 29 Meter auseinander; die jüngere Röhre ist allerdings einen Meter tiefer in den Fels getrieben worden. Und das Online-Lexikon hält noch etwas anderes fest: Der Eisenbahntunnel sei der nördlichste seiner Art in Deutschland, der unterhalb eines Gebirges verläuft.

Für die Bahn wichtiger ist sein Zustand. Alle drei Jahre, so Torsten Nehring, gebe es eine Kontrolle. Und fügt hinzu, dass das betagte Bauwerk „in einem sehr guten Zustand“ sei. Für die Zukunft heißt das: Der Tunnel kann noch „viele Jahre“ genutzt werden.

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