Stationäre psychiatrische Versorgung vor Neuordnung
Verliert Lengerich Betten?

Lengerich/Emsdetten -

Es gibt Pläne, die stationäre psychiatrische Versorgung im Kreis Steinfurt neu zu strukturieren. Die LWL-Klinik in Lengerich könnte dabei einer der Verlierer sein.

Samstag, 13.10.2018, 06:01 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 13.10.2018, 05:09 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Samstag, 13.10.2018, 06:01 Uhr
Sollten andernorts im Kreis Psychiatriebetten entstehen, droht der LWL-Klinik in Lengerich möglicherweise ein Kapazitätsabbau.
Sollten andernorts im Kreis Psychiatriebetten entstehen, droht der LWL-Klinik in Lengerich möglicherweise ein Kapazitätsabbau. Foto: Detlef Dowidat

Die stationäre psychiatrische Versorgung im Kreis Steinfurt steht vor einer Neuordnung. Eine Rolle spielt dabei Emsdetten: Nach den Plänen des NRW-Gesundheitsministeriums soll im Marienhospital eine Psychiatrie angesiedelt werden. Das allerdings trifft nicht bei allen beteiligten Trägern auf Gegenliebe. Betroffen sein dürfte auch Lengerich.

Die Bezirksregierung arbeitet derzeit an der Umsetzung des noch unter Ministerin Barbara Steffens beschlossenen Krankenhausplanes 2015. Ein Ziel: Psychosomatik, Psychotherapie und Psychiatrie inklusive der Pflichtversorgung stärker verknüpfen, die Versorgung gleichzeitig ortsnaher gestalten. Gerade bei Akut-Fällen ist derzeit die LWL-Klinik in Lengerich erste Anlaufstelle, die auch die Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie mit 60 Betten in Rheine betreibt.

Um die Versorgung im großen Flächenkreis Steinfurt dezentraler zu organisieren, steht nun im Raum, 20 Psychiatrie-Betten in Emsdetten sowie rund 30 im St.-Antonius-Krankenhaus in Hörstel – eine Fachklinik für Suchtmedizin und Psychotherapie der Alexianer – zu installieren.

„Es stehen 20 Psychiatrie-Betten für Emsdetten zur Diskussion“, erklärt Christiane Klein von der Bezirksregierung Münster, allerdings seien „viele Stellen an der Entscheidungsfindung beteiligt“. Ähnlich unkonkret zeigen sich das Gesundheitsministerium und der LWL als Träger der Landesklinik. Mit Verweis auf das laufende Verfahren – der eigentliche Grund scheint aber ein anderer zu sein: Es gibt unterschiedliche Auffassungen über die Neuaufteilung der Betten. Zwischen den Trägern und zwischen Trägern und Ministerium.

Das Verfahren sieht vor, dass Krankenhäuser und -kassen gemeinsam ein regionales Planungskonzept erarbeiten und dieses dem Ministerium vorlegen. Wie Miriam Skroblies vom NRW-Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales bestätigt, konnten diese „Verhandlungen nicht zwischen allen Beteiligten im Konsens abgeschlossen werden“. Hintergrund: Wenn in Emsdetten und Hörstel Betten aufgebaut werden, sollen dafür nach Informationen unserer Zeitung Betten in Lengerich eingespart werden. Das wird beim LWL keinen Jubel ausgelöst haben. Im stark unter Kostendruck stehenden Gesundheitssektor gelten psychiatrische Angebote als profitabel.

Das Ministerium von Karl-Josef Laumann hat die bisherigen Vorschläge nicht akzeptiert – und nun ein Machtwort gesprochen und einen eigenen Vorschlag unterbreitet. Der sieht laut Stephan Schonhoven, Pressesprecher im UKM Marienhospital Steinfurt, unter anderem vor, „dass alle Anbieter auch alle Elemente der drei Fächer anbieten müssen, also Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie“. Das spricht für die Lösung neuer Psychiatrie-Betten in Hörstel und Emsdetten. „Sowohl von den fachlichen Voraussetzungen als auch von vorhandenen infrastrukturellen Gegebenheiten ließe sich der Standort Emsdetten weiterentwickeln, um den Vorgaben des Ministeriums Rechnung zu tragen“, sagt Schonhoven.

Die konkrete Planung, wonach auf dem Emsdettener Gelände die stationäre Psychiatrie entstehen kann, werde erst nach einem Beschluss des Ministeriums erfolgen. Eine mögliche Erweiterung der Klinik wäre aber in den vorhandenen Räumen möglich.

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